Wie es sich für eine ordentliche Legende gehört, war auch bei Triumph schon einmal alles aus und vorbei. Das Ende nahm seinen Anfang am 17. Juli 1973, als die Belegschaft des Motorradbauers das Werk in der Grafschaft Leicestershire besetzte, weil die Produktion eingestellt werden sollte.
Der Arbeitskampf schleppte sich fast zwei Jahre dahin, ehe die Mitarbeiter das Werk in eigener Regie weiterführten. Doch da war es schon zu spät. Japanische Motorradmarken hatten ihren Eroberungszug in den USA und Europa längst angetreten. 1983 war bei Triumph endgültig Schluss - vorläufig.
Dabei stand die Marke mal an der Spitze der Motorradwelt. Mit dem Bau von motorisierten Zweirädern unter dem Namen Triumph hatte im Jahre 1902 der von Deutschland nach England ausgewanderte Siegfried Bettmann begonnen. Bettmann fertigte in einer kleinen Fabrik in Coventry seit 1888 Fahrräder.
Gemeinsam mit dem deutschen Ingenieur Mauritz Schulte baut er ab 1902 Zweiräder, die von Einzylindermotoren der Hersteller Minerva (Belgien), Fafnir (Deutschland) und JAP (England) angetrieben werden.
Drei Jahre später konstruiert Triumph einen eigenen Motor, einen 363-Kubik-Viertakter mit drei PS. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man, jenem legendären Motorradrennen, gewinnt 1908 erstmals ein Triumph-Motorrad, gesteuert von Jack Marschall. Bald haftet den Maschinen aus Coventry das Label "Trusty Triumph" an - die Einzylinder waren nahezu unverwüstlich.
Der Aufstieg an die Weltspitze des Motorradbaus gelang im Jahr 1937, als Triumph die T5 vorstellte: Ein Motorrad mit 500-Kubik-Zweizylindermaschine, einer Leistung von 27 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Ein Bike für die Technik-Geschichtsbücher. Der Speed-Twin-Motor von Triumph begründet den Ruf der "iron ladies", wie die Baureihen Tiger, Thunderbird, Trophy, Bonneville und Daytona, genannt werden, die allesamt von Variationen dieses Motors angetrieben werden.
In den fünfziger und sechziger Jahren sind die Triumph-Maschinen das Maß der Dinge. Wesentlich beeinflusst wurde der Triumph-Kult von zwei Ereignissen. 1953 kam der erste Motorradfilm "The Wild One" in die Kinos. Ein unwiderstehlich cooler Marlon Brando spielt die Hauptrolle als Anführer einer Motorradgang, und die wichtigste Requisite ist eine Triumph.
Wenig später, am 6. September 1956, jagt der Texaner Johnny Allen auf einer aufgemotzten 650er Triumph über den Bonneville Salzsee im US-Staat Utah und wird mit Tempo 345 gemessen. Zu Ehren dieser Rekordfahrt bringen die Briten zwei Jahre später die 42 PS starke Triumph Bonneville auf den Markt.
Was sich zu dieser Zeit noch keiner vorstellen kann: Kaum 20 Jahre später wird der Appell "Bike British!" nahezu ungehört verklingen. Denn die japanischen Marken beginnen ab 1970, die Motorradmärkte in den USA und Europa zu besetzen. Was nützt da eine 750er-Dreizylinder von Triumph (1969), wenn Honda wenige Monate später ein Vierzylinder-Modell vorstellt. Die britische Marke zieht sich mehr und mehr auf ihren Heimatmarkt zurück.
1977 wird, anlässlich des 25. Regierungsjahres von Queen Elizabeth, die Bonneville "Silver Jubilee" vorgestellt. Und zur Hochzeit von Prinz Charles mit Lady Diana am 29. Juli 1981 präsentiert Triumph die Bonneville "Royal" in limitierter Auflage.
Nach dem Ende der Kooperative 1983 gehen die Triumph-Namensrechte an den Unternehmer John Bloor. Zwar werden die Triumph-Motorräder auch danach in Lizenz weitergebaut, doch die Stückzahlen sind verschwindend klein. Bloor jedoch tüftelt an einem Baukastensystem für eine moderne Motorrad-Produktion. 1990, auf der Motorrad-Messe IFMA in Köln, verblüfft er die Branche: Dort stellt Triumph völlig neue Drei- und Vierzylinder-Bikes vor. Die Wiedergeburt der legendären Marke beginnt.
Inzwischen sind die bekannten, wohlklingenden Baureihen alle wieder auf dem Markt. Mit frischer Technik, eigenständigem Design und - wie Tests in Fachzeitschriften zeigen - konkurrenzfähiger Qualität. In Deutschland zählt das Modell Speed Triple zu den beliebtsten Triumph-Bikes. Ein fulminant designtes Motorrad, das aus zwei freistehenden Rundscheinwerfern nach vorne blickt. Ebenso optimistisch, wie die jetzt hundertjährige Marke.
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