Ökonomisches Autofahren: Immer gleiten

Die Benzinpreise erreichen Schwindel erregende Höhen, das Tanken wird zum Eurograb. Dennoch ist der Kavalierstart an der Ampel die Regel und Klimaanlage Pflicht. Dabei ist es so einfach, 20 bis 25 Prozent der Benzinkosten zu sparen.

Berlin/Köln - In vielen Köpfen scheint noch nicht verankert zu sein, dass richtiger Umgang mit dem Gaspedal die Finanzen, aber auch die Umwelt schonen kann: "Wenn man die Fahrweise mancher Autofahrer sieht, könnte man denken, der Liter würde 50 Cent kosten", sagt Maximilian Maurer, Sprecher des ADAC in München.

Dabei haben kleine Änderungen der Fahrweise schon erhebliche Auswirkungen: "Durch richtiges Fahren lassen sich 20 bis 25 Prozent an Kraftstoff einsparen. Selbst wer bereits moderat fährt, kann lernen, weitere 15 Prozent zu sparen", sagt Peter Glowalla, Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände in Berlin. Das können pro Monat bis zu 50 Euro auf der Kraftstoffrechnung ausmachen. Und der Umwelt hat man dabei auch etwas Gutes getan.

Nach Ansicht der Fachleute gibt es eine Reihe typischer Fehler, die den Verbrauch in Höhe treiben. Niedertouriges Fahren zum Beispiel schadet nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) in Berlin keineswegs dem Motor, sondern spart einfach nur Sprit. Moderne Motoren ließen sich schon bei weniger als 2000 Umdrehungen hochschalten, also bei Tempo 30 im dritten oder vierten und bei Tempo 50 bis 60 im vierten oder fünften Gang fahren.

Auch das "vorausschauende Gleiten" verbessert die Bilanz. Denn gerade das Anfahren und Beschleunigen verbraucht besonders viel Kraftstoff. Wer dagegen vorausschauend unterwegs ist, hat bessere Möglichkeiten, seinen Wagen mit konstanter Geschwindigkeit in Bewegung zu halten.

Schon nach 10 Sekunden Halt lohnt sich das Abschalten

Oft sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die helfen, den Verbrauch zu senken. So ist es nicht nötig, sich einer roten Ampel bis zur Haltelinie mit Motorkraft zu nähern. Bemerkt der Fahrer bei Tempo 50, dass eine 200 oder 300 Meter entfernte Ampel auf Rot schaltet, reicht laut VCD der Schwung, um sich der Haltelinie im Leerlauf zu nähern.

Ampeln sind auch in anderer Hinsicht Spritfresser, denn Motoren verbrauchen auch während der Wartezeit Benzin. "Das Abschalten an der Ampel kann sich schon nach etwa zehn Sekunden lohnen", so Kluge. Gerade bei kurzen Stadtfahrten sollte zudem vor dem Start überlegt werden, ob die Benutzung des Wagens wirklich sinnvoll ist.

Laut ADAC verbraucht ein Benzinmotor gerade auf den ersten Metern nach dem Anlassen übermäßig Kraftstoff - mindestens 30 Liter auf 100 Kilometern. Auch wenn die Startphase nur wenige hundert Meter lang ist, sollten Kurzstrecken daher möglichst selten absolviert werden.

Auch eine Reihe oft vernachlässigter Dinge hat Einfluss auf den Verbrauch, etwa überflüssige Ladung. Der Kofferraum sollte nicht als Lager für Zubehör oder Getränkekästen missbraucht werden. Laut ADAC kann eine Zuladung von 100 Kilogramm je nach Verkehrssituation zu einem Mehrverbrauch von bis zu 0,6 Litern auf 100 Kilometern führen. Dachboxen und -gepäckträger können den Verbrauch gar um 10 bis 50 Prozent erhöhen.

Der VCD empfiehlt, elektrische Geräte nicht unnötigerweise eingeschaltet zu lassen. Größter "Stromfresser" sei die Klimaanlage, die den Verbrauch im Stadtverkehr um bis zu 1,8 Liter erhöht. Selbst eine heizbare Heckscheibe hat Einfluss auf die Rechnung an der Tankstelle - mit bis zu 0,4 Liter auf 100 Kilometer im Stadtverkehr.

Das Sparen lernen

Mittlerweile gibt es spezielle Trainings, bei denen Experten von Autoherstellern, Autoclubs oder Verbänden Tricks zum Spritsparen verraten. So bieten die Gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Köln zusammen mit der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände "Die Spritsparstunde" an. "Das ist im Prinzip eine Fahrstunde und theoretischer Unterricht. Die Kosten liegen bei 60 Euro", so Glowalla. Auch der ADAC bietet Trainings an.

Das scheint sich jedoch noch nicht ausreichend herumgesprochen zu haben: "Es ist nicht gerade so, dass uns Interessenten die Geschäftsstellen einrennen", sagt Maurer. Mancher Hersteller hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei DaimlerChrysler gibt es ein "Eco-Training". "Im vergangenen Jahr hatten wir nur eine Veranstaltung mit 24 Teilnehmern", sagt Sprecherin Konstanze Fiola in Berlin. Langsam scheint das Interesse am Spritsparen immerhin etwas größer zu werden. In diesem Jahr konnten bis Ende Februar immerhin zwei Veranstaltungen über die Bühne gebracht werden.

Von Heiko Haupt, gms

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  • Datum: Donnerstag 06.03.2003 | 14:23 Uhr
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