25 Jahre Audi quattro: Ahn der Allrad-Ära

Motorkraft auf allen vier Rädern, und das in einem Serien-Straßenauto - vor 25 Jahren startete der Audi quattro eine kleine Revolution im Automobilbau. Der Allradantrieb war nun auch für den Nicht-Rallyefahrer zugänglich, wenn er sich den stolzen Preis von anfänglich 50.000 Mark erlauben konnte.

Audi quattro (1980): Urahn sportlicher Allradfahrzeuge
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Audi quattro (1980): Urahn sportlicher Allradfahrzeuge

Ingolstadt - Sportwagen dienen in erster Linie einem Zweck: Sie sollen ihren Fahrer möglichst flott von einem Punkt zum nächsten befördern, ihm dabei auch noch das bereiten, was gemeinhin als Fahrspaß bezeichnet wird. Dumm nur, dass die schnelle Fahrt nur allzu oft durch Hindernisse wie rutschige Kurven oder sogar Nässe und Schnee gebremst wird - jedenfalls wenn nur zwei der vier Räder von der Motorkraft profitieren. Deshalb kann heute für viele Modelle ein Allradantrieb geordert werden. Zu verdanken ist die Lösung Audi: Denn die Ingolstädter Autobauer brachten vor 25 Jahren mit dem quattro das erste sportliche Serienauto mit Allradantrieb auf die Straße.

Was im Endeffekt zu einer kleinen Revolution im Automobilbau wurde, begann recht unspektakulär. Schon traditionell finden sich in den Wintermonaten die Testfahrer der Autokonzerne in Skandinavien ein, um neue Fahrzeuge unter unwirtlichen Bedingungen auf Herz und Nieren zu prüfen. Auch Audi hatte Anfang 1977 ein Team in den Norden geschickt. Das hatte allerdings nicht nur die neuen Limousinen dabei, sondern auch einen in Ingolstadt entwickelten Geländewagen, den Iltis. Der war nicht für Normalsterbliche gedacht, sondern sollte den in die Jahre gekommenen Bundeswehr-Jeep Munga von DKW ersetzen.

Piëch startete Entwicklung von Allrad-Prototyp

Wie bei geländegängigen Fahrzeugen üblich, hatte der Iltis einen Allradantrieb, von dem man bislang glaubte, seine Vorteile würden sich allein auf besseres Vorankommen auf Sand und Geröll beschränken. Nur Exoten wie der britische Kleinstserienproduzent Jensen hatten bis dahin den Allradantrieb in ein Straßenfahrzeug implantiert. Als Jörg Bensinger, Leiter des Fahrwerksversuchs bei Audi, das Steuer des Iltis im bitterkalten Norden übernahm, stellte er jedoch etwas Ungewöhnliches fest: Der mit einem gerade einmal 75 PS starken Motor bestückte Iltis war unter den winterlichen Bedingungen das schnellste Auto der Testflotte. In Bensinger reifte die Idee eines leistungsstärkeren Straßenfahrzeugs mit vier angetriebenen Rädern.

Audi quattro Coupé (1980):  Erkennbar an den auffällig verbreiterten Kotflügeln sowie an dem markanten Frontspoiler
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Audi quattro Coupé (1980): Erkennbar an den auffällig verbreiterten Kotflügeln sowie an dem markanten Frontspoiler

Zurück in Süddeutschland berichtete Bensinger seinem Chef Ferdinand Piëch von dem Erlebten. Piëch war damals Vorstand für Fahrzeugentwicklung und zwei Jahre zuvor mit dem Plan angetreten, Audi von dem doch recht betulichen Image zu befreien. Bensinger überzeugte ihn zumindest soweit, dass vorerst ein kleines Team damit beauftragt wurde, auf Basis eines Audi 80 einen Prototypen mit Allradantrieb und einem Fünfzylinder-Turbomotor zu bauen. 1978 war das Projekt so weit gediehen, dass man die Fähigkeiten des Autos den Bossen des Mutterkonzerns Volkswagen vorführen wollte - nur mit deren Zustimmung konnte schließlich aus der Idee ein Serienmodell werden.

Dabei nahm man zunächst wieder winterliche Wetterbedingungen zu Hilfe: Als auf einer ebenso steilen wie verschneiten Strecke in Österreich Winterreifen und Schneeketten getestet wurden, ließ Audi einen Allrad-Prototypen vor den Augen eines Volkswagen-Vorstands die Steigung erklimmen - und zwar auf Sommerreifen. Das machte natürlich Eindruck und war ein weiterer Schritt in Richtung Serie. Im Sommer gab es dann eine ähnliche Vorführung - nur ohne Schnee. Diesmal wurde ein Grashang mit reichlich Wasser rutschig gemacht, den dann wiederum ein Allrad-Audi bezwang.

Bessere Kurvenlage und Handling auf rutschigen Straßen

Die Folge: Im Frühjahr 1980 stand auf dem Genfer Automobilsalon das nun Audi quattro genannte Endprodukt. Das war allerdings keine vollständige Neuentwicklung: Die Basis bildete das Audi Coupé mit seiner charakteristisch kantigen Karosserie. Für den Einsatz als quattro wurde die Basis aber umfangreich überarbeitet. Äußerliche Merkmale waren vor allem die "dicken Backen" - die auffällig verbreiterten Kotflügel - und dazu ein markanter Frontspoiler. Unter der Fronthaube saß ein Fünfzylinder-Motor mit 2,1 Litern Hubraum, den ein Turbolader auf 147 kW/200 PS brachte. Damit erreichte der quattro immerhin 222 Stundenkilometer (km/h) und beschleunigte in erstaunlichen 7,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Nüchtern gehaltenes Cockpit: Im Audi quattro kamen statt der üblichen Uhren zeitweise Digitalinstrumente zum Einsatz
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Nüchtern gehaltenes Cockpit: Im Audi quattro kamen statt der üblichen Uhren zeitweise Digitalinstrumente zum Einsatz

Was die Tester der Fachzeitschriften aber am meisten beeindruckte, war nicht die schiere Leistung. Vielmehr setzten die vier angetriebenen Räder neue Maßstäbe für das flotte Durcheilen von Kurven, das Handling im Allgemeinen oder die Fahrbarkeit auf rutschigen Straßen. Diese Berichte weckten natürlich Begehrlichkeiten bei den Autofahrern - trotzdem wurde das später Urquattro genannte Modell nie zu einer Massenware. Davor schützten schon die Kosten: Trotz Großserienbasis lag der Einstandspreis bei etwa 50 000 Mark, während ein normales Audi Coupé für knapp 20 000 Mark zu haben war. Später verlangte man sogar mehr als 70 000 Mark für den quattro.

Wer das Geld hinblätterte, erlebte allerdings ein neues Fahrgefühl. Mit der Einschränkung, dass die Kenntnisse der Fahrer nicht immer mit den Möglichkeiten der Technik auf einem Niveau lagen. Mancher quattro-Fahrer erlag dem Irrglauben, wegen des Allradantriebs und des bald erhältlichen ABS im Grunde untrennbar mit dem Asphalt verbunden zu sein. Dass aber auch der quattro die Physik nicht außer Kraft setzen konnte, stellte sich dann spätestens nach allzu waghalsigen Manövern heraus, wenn der Wagen im Graben und die Insassen schlimmstenfalls im Krankenhaus landeten.

Sport quattro: Da fehlt was in der Mitte

Bei Audi selbst war man jedoch davon überzeugt, dass ein routinierter Fahrer mit einem quattro so ziemlich alles in Grund und Boden fahren könnte. Also reifte der Plan, den quattro bei der Rallye-Weltmeisterschaft einzusetzen. Mit Erfolg: Während die Konkurrenz durchweg noch mit zwei angetriebenen Rädern über die Schotterpisten pflügte, zeigte Audi den Profis, was ein quattro möglich macht. Der erste Sieg wurde 1981 in Schweden eingefahren, in den folgenden vier Jahren sicherte man sich zwei Marken- und Fahrerweltmeisterschaften. Außerdem gewann Michèle Mouton mit einem quattro als erste Frau überhaupt einen Weltmeisterschaftslauf.

Sport quattro (1983): Verkürzte Version für den Rallye-Sport
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Sport quattro (1983): Verkürzte Version für den Rallye-Sport

Der Rallye-Sport bildete auch den Hintergrund für das wohl ungewöhnlichste Mitglied der quattro Familie. Der Gedanke, das Auto weiter für den Sport zu optimieren, führte Ende 1983 zum Sport quattro. Um die Wendigkeit zu verbessern, hatte man den Radstand des Urmodells um 30 Zentimeter gekürzt - was die Optik nicht gerade vorteilhaft veränderte. Der 4,16 Meter lange Sport quattro sah genau so aus, wie das, was er war: Ein quattro, dem in der Mitte irgendetwas fehlte. Immerhin entschädigte er dafür mit einem 225 kW/306 PS starken Motor, der ihn in gerade einmal 4,9 Sekunden auf Tempo 100 katapultierte. Dass nur 214 Exemplare dieses Über-quattro gebaut wurden, liegt allerdings nicht an der gewöhnungsbedürftigen Optik - Audi verlangte für das Auto rund 200 000 Mark.

Auch beim Urquattro blieb die Entwicklung nicht stehen. Die grimmig blickenden rechteckigen Doppelscheinwerfer der frühen Modelle wichen später breiteren Einzelscheinwerfern, im Innenraum kamen statt der üblichen Uhren zeitweise Digitalinstrumente zum Einsatz - es gab sogar einen Sprachcomputer, der auf mögliche technische Probleme hinwies. 1989 wurde dann die Zahl der Ventile im Zylinderkopf verdoppelt: Der quattro 20 V leistete 162 kW/220 PS.

Rasante Kurvenfahrt mit Allradantrieb:  Bessere Handling-Eigenschaften und mehr Traktion auf rutschigen Straßen
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Rasante Kurvenfahrt mit Allradantrieb: Bessere Handling-Eigenschaften und mehr Traktion auf rutschigen Straßen

Mittlerweile waren allerdings auch die Preise des mit viel Handarbeit gebauten Autos weiter gestiegen - und zwar auf mehr als 95 000 Mark. Als der Urquattro dann 1991 aus den Preislisten gestrichen wurde, hatten gerade einmal 11 452 Exemplare den Weg zum Kunden gefunden. Doch dem Allradantrieb hatte er zum Durchbruch verholfen. Audi baute ihn längst auch in andere Modelle ein - und im November des Jahres 2000 lief der einmillionste Audi mit Allradantrieb vom Band.

Von Heiko Haupt, gms

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  • Datum: Dienstag 04.01.2005 | 14:15 Uhr
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