"Man merkt zu spät, dass es verkehrt, wenn schlummernd man im Auto fährt. Bau Dir ein Blaupunkt-Radio ein, die Fahrt wird nicht die letzte sein." Dieses kleine Gedicht, gedruckt auf kleinen blauen Handzetteln, fanden in den fünfziger Jahren zahlreiche Autofahrer in Deutschland unter den Scheibenwischer ihres Wagens geklemmt. Die Firma Blaupunkt warb für ihre Produkte, und natürlich waren die Helfer angewiesen, den launigen Reim nur solchen Autos anzuheften, in denen kein Blaupunkt-Radio installiert war.
Die Firma Blaupunkt baute unter anderem das erste Autoradio in Europa (1932), das erste UKW-Autoradio der Welt (1952), das erste Stereo-Autoradio der Welt (1969), das erste serienreife Navigationssystem (1989) und das erste Kombigerät aus Autoradio und Mobiltelefon (1997). Ein neuer Bildband des Hildesheimer Unternehmens beschäftigt sich aber weniger mit solchen technischen Details, sondern vielmehr mit der Frage: Woher kommt eigentlich das fast schon aufreizend schlichte Logo?
Denn im November 1923, als Ottmar Voelk, Alfred Daeschner und Alfons Geister für zehn Billionen Mark ihr Untenehmen beim Amtsgericht Berlin-Mitte eintragen ließen, hieß die Firma "Ideal-Radiotelefon- und Apparatefabrik GmbH". Wenige Wochen zuvor hatte die Funkstunde in Berlin ihre Sendungen aufgenommen, und wer die ersten Radiosendungen verfolgen wollte, brauchte einen Detektor-Empfänger samt Kopfhörer. Solche Kopfhörer baute die neue Firma Ideal.
Die Kopfhörer trugen, quasi als Qualitätssiegel, ein blaues, kreisrundes Zelluloid-Plättchen. Bald begriffen die Firmengründer, wie gut sich dieses Symbol einprägte und meldeten es beim Reichspatentamt als Warenzeichen an. Doch dann dauerte es noch 15 Jahre, bis aus dem Firmenzeichen auch der Firmenname wurde: 1938 wurde aus Ideal die "Blaupunkt Werke GmbH".
1932 brachte Ideal das erste Autoradio Europas auf den Markt. Autorsuper, oder kurz AS 5 hieß das Gerät und es kostete 465 Reichsmark - damals rund ein Drittel des Preises, den ein komplettes Auto kostete. Entsprechend elitär und exklusiv war die Werbung gehalten: In den aufwändigen Farbprospekten sah man eine mondäne Welt aus Coupés und Cabriolets, die durch futuristische Metropolen mit Wolkenkratzern oder über liebliche Panorama-Bergstraßen brausten. Etwa 400 Exemplare des mit fünf Röhren bestückten Premieren-Autoradios wurden verkauft.
Zwar feiert Blaupunkt im Jahr 1959 den Absatz des einmillionsten Autoradios, doch der Durchbruch zum Massenmarkt gelang dem Autoradio erst im darauf folgenden Jahrzehnt. Populär waren zum Beispiel die Modelle "Capri" oder "Westerland", die sich auch außerhalb des Autos nutzen ließen, sofern man die Extra-Batterien nicht vergessen hatte.
Bis heute hat Blaupunkt weit mehr als 100 Millionen Autoradios und mehr als eine Million Navigationssysteme weltweit verkauft. Das Markenlogo, der cyanblaue Punkt, hat sich indes kaum verändert; es wurde allenfalls reduziert - auf den Punkt gebracht sozusagen. Wie genau sich das Logo entwickelte und wie man in den vergangenen 75 Jahren für Autoradios warb, beschreibt und zeigt der Bildband "Blaupunkt - Der Pluspunkt im Auto".
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