Herr Paul, Sie haben keinen Führerschein?
Paul: Richtig. Den zu machen hat mich nie wirklich gereizt. Ich muss sagen, es war nachträglich die richtige Entscheidung. Ich habe sehr viel gearbeitet in meinem Leben und hätte insgesamt bestimmt 20 Prozent weniger Zeit gehabt, wenn ich selber hätte Auto fahren müssen. Wenn ich Parkplätze hätte suchen müssen oder vor einer nicht funktionierenden Kasse einer Hoch- oder Tiefgarage gestanden hätte.
Ich steige immer aus vor der Lokalität, wo ich hin muss, und werde dann anschließend wieder abgeholt. Außerdem wäre ich bestimmt schon einmal am Steuer eingeschlafen, weil ich oft nachts noch irgendwo hin muss. So kann ich mich hinten hinlegen und bin dann erfrischt wieder da.
SPIEGEL ONLINE: Sitzen Sie eher hinten oder vorne?
Paul: Das kommt darauf an, mit wem ich fahre.
SPIEGEL ONLINE: Wer fährt denn?
Paul: Das ist ganz unterschiedlich. Früher waren es Freundinnen, mittlerweile bin ich verheiratet. Aber meine Frau hat zwar einen Führerschein, fährt aber auch nicht. Weil bei Ihrer ersten Fahrt gleich die Lenkung gebrochen ist. Sie fuhr in eine Hausmauer und hat sich den Fuß gebrochen. Nein, meine Chauffeure heute sind meistens Zirkusmitglieder. Es kann sein der Jongleur, der spanische, oder es ist der Pressechef oder der Geschäftsführer, wer halt gerade Zeit hat. Manchmal sind es auch Freunde. Ich muss das organisieren, aber es klappt immer. Bei einem Zirkus mit 150 Mitarbeitern hat immer irgendjemand Zeit, mit mir irgendwo hinzufahren.
SPIEGEL ONLINE: Bei wem sitzen Sie denn nun lieber vorne?
Paul: Das kann ich so nicht sagen. Wenn ich ein Gespräch führen will, setze ich mich nach vorne. Wenn ich meine Ruhe haben will, nach hinten.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben ja eine illustre Runde von Mitarbeitern und potenziellen Chauffeuren, Spanier, Russen, Italiener ... Gibt es da Unterschiede im Fahrverhalten?
Paul: Nein, national kann ich da keine Eigenheiten ausmachen. Es gibt nur gute und schlechte Fahrer, und die gibt es überall.
SPIEGEL ONLINE: Aber fährt der Jongleur vielleicht konzentrierter als der Clown?
Paul: Nein. Ich glaube eher, es hat damit zu tun, ob die Leute Kinder haben, Familie, und Verantwortung spüren. Die, die lang leben wollen für ihre Kinder, fahren am vorsichtigsten. Die frisch verliebten Junggesellen, die fahren am schnellsten. Aber generell kann ich schon sagen, dass Artisten eher ruhige Fahrer sind.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie ein Clown fährt, gibt's da viel zu lachen unterwegs?
Paul: Nein, nein, Clowns sind auch nur Menschen. Allerdings, da fällt mir eine Episode ein, da hatten wir gut was zu lachen. Da waren ein Clown und ich unterwegs zu einem TV-Termin und beide schon fertig geschminkt und verkleidet, ich bin ja selbst auch Clown, wie Sie wissen. Da gab's an jeder Ampel ein großes Hallo. Aber ansonsten sind meine Clowns besonnene, gute Fahrer.
SPIEGEL ONLINE: Und sind Sie ein guter Beifahrer?
Paul: Ja, ich habe schon ein paar Mal was verhindert. 'Pass auf, da kommt rechts einer raus.' Es hätte schon so manches Mal gerummst, wenn ich nicht aufgepasst hätte. Weil ich ja eigentlich schon Auto fahre beim Beifahren.
SPIEGEL ONLINE: Juckt es Sie nicht im rechten Fuß, selber Gas geben zu können?
Paul: Eigentlich nicht. Als Kind, da hat es mich gejuckt, und zwar im Benzinautoscooter. Und so ein Auto habe ich mir jetzt auch zugelegt. Ich habe zu Hause einen Benzinautoscooter, von einem Vergnügungspark.
SPIEGEL ONLINE: Und mit dem fahren Sie dann über den Hof?
Paul: Exakt. Bei uns auf dem Hof im Winterquartier in Köln, mit den Kindern. Ich bin ja früher in Österreich schon auch Traktor gefahren. Also, ich kann schon fahren. Ich wäre sicher kein schlechter Fahrer.
SPIEGEL ONLINE: Aber die Prüfung wollen Sie doch nicht machen?
Paul: So bürokratisches Zeug, das liegt mir gar nicht. Wo man dann tausend Verkehrsschilder und Situationen auswendig wissen muss, dann wird man geprüft, und dann noch einmal, das brauch ich nicht.
SPIEGEL ONLINE: Was für ein Auto besitzen Sie denn eigentlich?
Paul: Ich habe vier. Wir haben einen Toyota für die Familie, einen Siebensitzer, ein angenehmes Auto. Dann haben wir einen Chevrolet, einen großen Stationwagon. So ein Wohnzimmer auf Rädern, womit man in Amerika vom Hotel zum Flughafen gefahren wird. Mit Fernseher, Kühlschrank und riesigen Lederfauteuils. Das ist angenehmer und billiger. Wenn ich mit der ganzen Familie zum Beispiel nach München muss, dann geht das schneller und billiger als mit dem Flugzeug. Man muss heute ja eine Stunde vorher am Flughafen sein, dann steht man überhaupt schon auf dem Weg zum Flughafen im Stau. Dann fliegt man eineinhalb Stunden, und in München ist der Flughafen am Arsch der Welt, im Erdinger Moos. Da braucht man eine Stunde, bis man in der Stadt ist. Da brauch ich mindestens fünfeinhalb Stunden von Köln nach München, und mit dem Auto sind's fünf.
SPIEGEL ONLINE: Was für Wagen haben Sie noch?
Paul: Einen Oldtimer habe ich noch, einen Citroën DS 21. Ganz einfach, weil es ein wunderschönes Auto ist. Und zum zügigen Fahren hab' ich einen Mercedes 560 SEL, wenn die Kinder nicht dabei sind, mag ich's ganz gern etwas schneller. Aber nicht das aktuelle Modell, auch nicht das vorige, sondern das vorvorige. Das war nämlich für mich das schönste. Das war noch so ein richtiger Mercedes mit Ledersitzen und so. Er ist eigentlich schon ein Oldtimer, ist aber wie fabrikneu, ein unglaublich angenehmes Fahrzeug. Das Modell darauf, das war ja dieses Fleischhauermodell, dieses riesige, windschlüpfrige, so eine Windkanallimousine. Meiner ist noch ein richtiger Mercedes, der heute in vielen Ländern als Staatskarosse dient. Ich hab' gern so Salonwagen. Mein Traumwagen wäre eigentlich ein Maybach.
SPIEGEL ONLINE: Aber?
Paul: Ne, der ist mir zu teuer. Ich bin nur Zirkusdirektor und nicht Diktator.
Das Interview führte Philip Wesselhöft.
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