Von Stefan Grundhoff
Wie beherrschend das Thema Hybridantrieb in der Autobranche ist, zeigt das Beispiel des russischen Herstellers Lada. Die Firma glänzte in der Vergangenheit nicht unbedingt mit innovativen Fahrzeugen. Doch auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) stehen die Russen mit an der Spitze des Hybridtrends. Antel-2 heißt der Prototyp auf Basis des Lada-Kombis mit der Modellbezeichnung 2111, der mit einer Brennstoffzelle, einem Wasserstoff-Luft-Generator und einem Elektromotor ausgestattet ist. Der Wasserstoffvorrat in speziellen Hochdrucktanks reicht laut Lada für 350 Kilometer, ein Luftkompressor führt das Gas mit 3,3 bar den Brennstoffzellen zu. Dort wiederum wird der Strom für ein Wechselstromaggregat mit 60 kW Leistung produziert. Zudem gehört eine Nickel-Metallhydrid-Pufferbatterie zum System.
Neben Newcomern wie Lada zeigen auch die in der Hybridtechnik bereits etablierten Konzerne Neuheiten. Honda präsentiert beispielsweise nicht nur den neuen Kompaktwagen Civic, sondern auch eine viertürige Hybridvariante des Autos. Die kombinierte Leistung der beiden Motoren - ein Benziner und ein Elektroaggregat - beträgt nach Auskunft der Japaner 115 PS. Der Kraftstoffverbrauch sei im Vergleich zum Vorgängerodell nochmals gesenkt worden. Das bisherige Hybridauto Honda IMA verbrannte im Schnitt 4,9 Liter Sprit je 100 Kilometer.
Toyota zeigt Luxus-Hybrid
In eine andere Richtung treibt Toyota die Hybridtechnik. Auf der IAA präsentiert der Konzern nach dem Debüt des Geländewagens RX 400 h der Toyota-Nobelmarke Lexus erstmals ein Hybridfahrzeug im Luxussegment. Der Lexus GS 450 h basiert auf der neuen Generation der Oberklasse-Limousine GS, die im Frühjahr 2005 vorgestellt wurde. Ab nächstem Jahr fährt dieses Auto nun auch mit Hybridantrieb. In diesem Fall aber sind es nicht ein Benziner und zwei Elektromotoren, wie beim RX, sondern je ein Verbrennungs- und Elektromotor.
Beide Maschinen treiben die Hinterachse an. Der Benziner ist ein 3,5-Liter-V6-Aggregat. Es soll nach Angaben von Lexus eine Leistung von rund 280 PS entwickeln. Damit die Fahrleistungen in jedem Fahrbetrieb angemessen sind, wurde auch beim Elektroantrieb mit Vergleich zum RX draufgesattelt. Dadurch soll der GS 450 h nach Aussagen der Japaner gegen die Dieselkonkurrenz aus Deutschland bestehen können. Und die Selbstzünder bieten bei Leistungen von mehr als 300 PS mittlerweile Drehmomente bis 730 Nm. Die Latte für die Hybridtechnik liegt hoch.
Die deutschen Hersteller wiederum befinden sich beim Thema Hybrid noch in der Warmlaufphase. Ein fahrbereites deutsches Auto mit Hybridantrieb auf der IAA? Fehlanzeige. Besondere Aufmerksamkeit jedoch verdient der Messestand von Mercedes-Benz. Dort stehen zwei zukunftsweisende Konzepte dieser Technik. Gezeigt wird eine Benzin-Elektromotor-Kombination, die künftig in Exportmodelle für den US-Markt eingebaut werden könnte. In Frage kämen für diese Technik vor allem Modelle der M-, S- und R-Klasse. Mit einer Serienfertigung ist jedoch kaum vor Ende 2007 zu rechnen. Für den europäischen Markt wiederum tüfteln die Schwaben an einer Diesel-Hybrid-Lösung.
Schweigen in Zuffenhausen
Porsche hält sich beim Thema Hybrid bislang bedeckt. Seit Jahren geistert die Idee von einem solchen Antrieb durch die Gänge der Konzernzentrale in Zuffenhausen. Der Grund: Porsche weigert sich kategorisch, den Luxus-SUV Cayenne mit einem Dieselmotor anzubieten. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass der Wagen demnächst stattdessen mit einem ähnlich sparsamen Hybridantrieb auf den Markt kommt. Offiziell bestätigen will Porsche das nicht, räumt aber ein, dass ausgiebig an der Hybridtechnik geforscht werde. Erste Versuchsfahrten, ist zu hören, sollen erfolgreich verlaufen sein. Womöglich nutzt Porsche-Chef Wendeling Wiedeking die IAA, um die Serienfertigung eines Hybrid-Cayenne zu verkünden.
In einem ähnlichen Stadium befindet sich Audi. Auch hier wollen die Verantwortlichen auf der IAA lediglich enthüllen, ob ein Hybrid kommt oder nicht. Es dürfte kaum überraschen, falls der auf der IAA erstmals präsentierte Geländewagen Q7 neben Benzin- und Dieselmotoren mittelfristig ebenfalls mit einem Hybridantrieb erhältlich sein würde. Schließlich soll mit dem Luxusallradler insbesondere der US-Markt beackert werden, und dort gelten Hybridautos als letzter Schrei in Sachen Umweltschutz.
Auf dieser Sauberkeitswelle will auch Volkswagen reiten. Verschiedene Versuchsträger mit Hybridtechnik wurden vorgestellt, verschwanden dann aber wieder in der Garage der Entwicklungsabteilung. Auf der IAA wird voraussichtlich kein Hybridmodell stehen. Doch könnte der neue Jetta, der in den USA äußerst beliebt ist, demnächst mit dieser Technik angeboten werden. Das Szenario: Für die Vereinigten Staaten bekommt der Jetta einen Vierzylinder-Benzinmotor mit rund 100 PS und zusätzlich ein Elektroaggregat. Bis es soweit ist, wird es aber noch zwei Jahre dauern.
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