"Durch den Trabi ging die Flex wie durch Butter, in zehn Minuten war das Auto halbiert", berichtet Jens Schüren vom Internet-Automarkt mobile.de, der gemeinsam mit eBay Motors, dem Bereich rund um Fahrzeuge, Teile und Zubehör bei eBay, die Aktion Gobbi ins Leben rief. Schüren: "Der Golf war schon etwas zäher, da dauerte das Trennen an der B-Säule fast eine Dreiviertelstunde." Die funkensprühende Flexeinlage war notwendig, um zwei halbe Autos zu erhalten, die dann wieder zu einem ganzen zusammengefügt werden konnten. Diesmal allerdings in neuer Kombination: vorne VW Golf, hinten Trabant 601. Gobbi heißt die Neukonstruktion, mit der die Deutsche Einheit nun endlich auch auf vier Rädern vollzogen ist.
Der Anstoß entstand durch die Zusammenarbeit des früheren Hamburger Unternehmens von mobile.de und der in Brandenburg ansässigen Firma eBay, die inzwischen beide vom Europarc-Dreilinden bei Berlin aus agieren. Ein typisches Wessi-Auto - also ein Golf II - und ein typisches Ossi-Modell - also ein Trabant 601 - sollten miteinander verbunden werden. Für die technische Umsetzung wurden die Motoraver gewonnen, Autoenthusiasten mit Sitz in Hamburg-Wilhelmsburg, die eine eigene Zeitschrift herausgeben und ein Faible für aufsehenerregende und phantasievolle Autoumbauten haben.
Normalerweise werden in der Motoraver-Werkstatt kraftstrotzende Motoren in einstmals biedere Ford-Granada- oder brave Mercedes-Strich-Acht-Karosserien gepflanzt und die Autos durch spezielle An- und Umbauten zu spektakulären Unikaten gemacht. Im Fall des Gobbi ging es weniger um Mehr-PS, Breitreifen oder Totenkopf-Bremslichter, sondern vielmehr um ein Auto als Symbol für 15 Jahre Deutsche Einheit.
Beide Modelle wurden übers Internet gekauft und kosteten zusammen rund 1000 Euro. Der Golf hatte einen Unfallschaden am Heck, aber das störte ja nicht weiter, denn gebraucht wurde ja nur das Vorderteil bis zu B-Säule. Beim Trabi war es umgekehrt. Die Kombination Golf vorne und Trabant hinten war "technisch sinnvoller als umgekehrt", wie Jens Schüren erklärt. "Außerdem ist der Golf um insgesamt 24 Zentimeter breiter als der Trabi, und der Gobbi sieht einfach besser aus, wenn er nach hinten etwas schlanker wird." Zumal so das rassige Fonddesign des Trabants mit den angedeuteten Heckflügeln erhalten bleibt.
Rund 400 Arbeitsstunden steckten die Motoraver in den Bau des Gobbis. Bei den Entrümpelungsarbeiten wurde unter anderem das erste DDR-Nummernschild des Trabants aus dem Baujahr 1967 und die Original-Betriebsanleitung entdeckt. Sie lagen unter der Rücksitzbank, dort, wo jetzt ein neuer Tank eingebaut wurde. Angetrieben wird der Gobbi vom originalen Golf-Motor mit 1,4 Liter Hubraum und 75 PS (Baujahr 1986). "Ja, das Auto ist fahrtüchtig", sagt Schüren. Er räumt aber gleich ein, dass es keine offizielle Straßenzulassung hat. "Die statischen Berechnungen und Tests beim TÜV hätten zu viel Zeit und Geld gekostet."
Das könne der künftige Besitzer des Gobbis bei Bedarf ja immer noch nachholen. Das Einheitsauto wird am Sonntag in der Potsdamer Schlossstraße bei einer feierlichen Enthüllungsaktion um 11.30 Uhr vorgestellt. Ab 18 Uhr dann beginnt die Versteigerung des Fahrzeugunikats. Das Anfangsgebot beträgt ein Euro. Der Erlös der Auktion kommt dem Verein "Haus Neudorf e. V." in der Uckermark zugute, einem West-Ost-Begegnungszentrum in Gerswalde-Friedenfelde.
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