Außenspiegel für Insider: Glamouröse Rückschau

Von Jürgen Pander

Fahrlehrer wiederholen es wie ein Mantra: Erst in die Spiegel schauen, dann den Blinker setzen, dann noch mal schauen und erst danach die Richtung ändern. Wer so oft angestarrt wird, sollte modisch auf der Höhe sein: Hier sind die Trends des neue Rückspiegel-Designs.

Erinnern Sie sich an die kleinen Noppen, die das Rückspiegel-Gehäuse der früheren 3er BMW sprenkelten? Das Ding sah aus, als hätte es Akne, doch die Pusteln waren nötig, um dem Teil bei höheren Geschwindigkeiten das Pfeifen auszutreiben. Das ist nämlich das Dilemma vom Rückspiegeln: Sie sollen eine optimale Sicht nach hinten ermöglichen, dürfen aber auf keinen Fall so im Fahrtwind stehen, dass sie ab einem bestimmten Tempo zu Krawall-Auslegern werden. Den neuen Rückspiegeln passiert dies nicht mehr - und sie sehen trotzdem richtig gut aus.

Gutes Autodesign hat mit Proportionen und Linienführung, aber auch mit der Gestaltung von Details zu tun. Rückspiegel sind dafür ein hervorragendes Beispiel. Wer eine Automesse besucht, etwa den derzeit stattfindenden Salon in Genf, sieht sofort, dass die Kreativabteilungen längst auch die "Einrichtungen für indirekte Sicht", wie es im Behördendeutsch heißt, in ihr Gesamtdesign mit einbeziehen.

Seit wenigen Wochen gilt übrigens die Richtlinie 2003/97/EG für Rückspiegel, die für die Typgenehmigung neuer Autos bereits verbindlich ist und ab 26. Januar 2010 auch für die Erstzulassung von Pkw zur Vorschrift wird. "Die Richtlinie regelt unter anderem die Einstellbarkeit des Spiegels, die Gestaltung der Außenkanten des Gehäuses, den Reflexionsgrad des Glases und die Schlagfestigkeit des Materials", erklärt Andrea Gärtner vom ADAC Technikzentrum im bayerischen Landsberg.

Erstmals sind Kameras anstelle von Spiegeln erlaubt

Sie regelt allerdings nicht die Größe - was wiederum gewisse Freiräume für die Designer lässt. Festgelegt ist nur ein gewisses Sichtfeld, dass der Autofahrer im Blick haben muss, wenn er in den Spiegel schaut. "Wie dieses Sichtfeld erreicht wird, hängt vom Krümmungsradius des Spiegels und eben von seinen Abmessungen ab", sagt Ingenieurin Gärtner. Doch möglicherweise werden auch die komplizierten Formeln, nach denen diese Feinheiten berechnet werden, bald überflüssig sein. Denn erstmals erlaubt die neue Richtlinie auch "sonstige Einrichtungen für indirekte Sicht" wie etwa Kamera-Monitor-Kombinationen. Die neue Technik für den Rückblick war an einigen Studien in Genf bereits zu sehen.

Obwohl manche Studien arg lange Ausleger haben, an denen die Rückspiegel befestigt sind - dies ist bis zu einer gewissen Grenze erlaubt. Bei Pkw zum Beispiel darf der Außenspiegel bis zu 25 Zentimeter über die größte ohne Spiegel gemessene Breite des Fahrzeugs hinausragen. Im Grunde gilt aber auch hier: Das festgelegte Sichtfeld muss erreicht werden, denn schließlich ist der Rückspiegel trotz seiner Design-Funktion, der immer mehr Bedeutung beigemessen wird, vor allem ein Bauteil für mehr Sicherheit - und für die buchstäbliche Rücksicht - im Straßenverkehr.

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  • Datum: Donnerstag 09.03.2006 | 12:04 Uhr
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