Russland: Chrysler-Modelle ersetzen Nobelwagen Wolga

Das Aus für einen russischen Autoklassiker scheint besiegelt: In zwei Jahren sollen in Nischni Nowgorod keine Wolgas mehr vom Band rollen, sondern Chrysler-Auslaufmodelle. Entsprechende Lizenzen hat das russische Unternehmen jetzt erworben.

Er war gefedert wie ein Sofa und verlieh Insassen das Gefühl von sozialistischer Noblesse: das russische Luxusauto der Marke Wolga. Die Ära des Ost-Mercedes, der tausendfach in der DDR als begehrtes Taxi im Einsatz war, neigt sich ihrem Ende zu. Denn der Autoklassiker soll in zwei Jahren Chrysler-Auslaufmodellen weichen.

Der russische Milliardär Oleg Deripaska, dem der Wolga-Hersteller GAZ in Nischni Nowgorod gehört, habe in den USA Ausrüstung und Lizenzen für die Produktion der Modelle Chrysler Sebring und Dodge Stratus erworben, berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Die US-Wagen sollen unter einer russischen Marke verkauft werden.

Das GAZ-Werk, das 150 Millionen US-Dollar in das Projekt investiere, wolle spätestens Anfang 2008 bis zu 65.000 Fahrzeuge beider Modelle im Jahr montieren. Daimler-Chrysler verkaufe zum ersten Mal komplett einen Betrieb und eine Lizenz für die Herstellung von Wagen ins Ausland, deren Montage in den USA eingestellt werde, schrieb das Blatt. Die Ausrüstung komme aus dem Werk Sterling Heights im US-Staat Michigan.

In diesem Jahr sollen noch gut 50.000 Wolgas gebaut werden. Deripaska hatte schon länger Pläne, die Produktion der veralteten und reparaturanfälligen Wolga-Modelle einzustellen. Die Regierung in Moskau will die russische Autoindustrie, die unter dem steigenden Absatz westlicher Modelle leidet, unter dem Dach einer Staatsholding bündeln.

An Komfort übertroffen wurden die Wolgas nur noch von der Marke Tschaika – einer nur in geringer Stückzahl gebauten russischen Präsidentenlimousine. Hergestellt wurden die Rolls Royce des Ostens ebenfalls im damaligen GAZ-Kombinat. Privatpersonen war der Kauf der bis Anfang der achtziger Jahre gebauten Luxuslimousinen nach Angaben von Wikipedia verwehrt.

hda/dpa

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  • Datum: Montag 17.04.2006 | 16:06 Uhr
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