"Es war wie ein Riesenslalom auf einer alpinen Buckelpiste. Nur dass wir nicht biegsame Stangen, sondern ausladende Tanker und Containerschiffe umrunden mussten", beschreibt Frank Rinderknecht die kurvenreiche Fahrt, die er jetzt zwischen der englischen Küstenstadt Dover und dem französischen Ort Sangatte absolvierte. Rinderknecht ist Chef der Firma Rinspeed aus Zumikon bei Zürich, die ihr Geld mit Tuning verdient und immer wieder mit außergewöhnlichen Konzeptautos von sich reden macht. Im März 2004 etwa präsentierte Rinderknecht auf dem Automobilsalon in Genf das Modell "Splash", ein Auto mit einem komplexen Tragflügelsystem, das auf Asphalt rollen und über Wasser geleiten kann.
Anders als die bis dahin üblichen Amphibienfahrzeuge, die wie Boote im Wasser liegen und eher schwerfällig dahindümpeln, sollte der "Rinspeed Splash" mit Hilfe der ausfahrbaren Tragflügel mehr übers Wasser gleiten als durchs Wasser schwimmen. Auf dem Zürichsee klappte das schon ganz gut, doch Firmenchef Rinderknecht suchte eine größere Herausforderung - schon um die Neuheit der Konstruktion etwas besser unter die Leute bringen zu können.
Er suchte sich den Ärmelkanal aus, einen der meistbefahrenen Seewege weltweit, zirka 36 Kilometer breit und schon mehrfach von Amphibienfahrzeugen durchquert. Nach anhaltend sonnigen Prognosen fand nun in dieser Woche die von Rinderknecht lang ersehnte Fahrt statt. Und sie dauerte viel länger als gedacht, nämlich 3 Stunden, 13 Minuten und 47 Sekunden.
Rekordzeit trotz Defektes kurz nach dem Start
Dabei könnte der "Splash" mit bis zu 80 km/h übers Wasser rauschen und damit die Distanz zwischen England und Frankreich in zirka einer halben Stunde zurücklegen. Die Kraft dazu liefert ein 750 Kubikzentimeter großer Zweizylindermotor der Firma Weber, der 140 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 150 Nm zur Verfügung stellt. Allerdings konnte Rinderknecht die Maschine nur am Anfang der Passage auf Hochtouren laufen lassen, dann beendete ein harter Schlag die Hatz. Eine große Welle traf den "Splash" so heftig, dass irgendein Bauteil ausfiel - welches genau, ist noch nicht geklärt.
"Das war sehr schade", sagt Rinderknecht, "denn dadurch konnte ich nur noch relativ langsam weiterfahren." Die bisherige Rekordzeit eines Amphibienfahrzeugs von 1 Stunde und 40 Minuten war mit dem defekten Auto nicht mehr zu knacken, aber "umkehren kam nicht in Frage". Ein Rekord ist es dann dennoch geworden, wie den Schweizer Tüftlern am anderen Ufer schließlich auffiel: Die Rekordzeit für ein Tragflügel-Auto nämlich, denn so ein Modell wurde noch nie zuvor im Ärmelkanal zu Wasser gelassen.
jüp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH