Von Jürgen Pander
Zwei mal drei Meter groß stehen sie neben dem Standstreifen. Ihre Farbgebung ist erdbraun und weiß, sie zeigen Gebäude, Landschaften oder für die jeweilige Gegend typische Details im Piktogrammstil, ihre Beschriftung erfolgt in serifenloser linearer Antiqua. Und vor allem: "Es werden immer mehr", wie Marco Schmidt von der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch-Gladbach beobachtet hat - und mit ihm wohl Millionen von Autofahrern. "Roswithastadt Bad Gandersheim" liest man da oder "Klosterstadt Waldsassen" oder "historische Altstadt Beeskow".
"Das ist Heimatkunde im Vorüberfahren", sagt Thomas Hessling vom Automobilclub ADAC, der sich selbst als Erfinder dieser Unterrichtungstafeln - so die offizielle Vokabel - hierzulande bezeichnet. Das erste Schild wurde 1984 an der Autobahn bei Stuttgart aufgestellt mit der Aufschrift "Burg Teck". Seit sich der touristische Nutzen der Tafeln herumgesprochen hat, wachsen sie inflationär aus den Randstreifen. Und häufig können sich die örtlichen und regionalen Fremdenverkehrsverbände nicht einigen, auf was denn nun hingewiesen werden soll, denn der Platz ist begrenzt.
Und das, obwohl die erste, aus dem Jahr 1988 stammende Richtlinie zu den Unterrichtungstafeln vor drei Jahren geändert wurde. Durften die Schilder bis dahin nur auf Sehenswürdigkeiten in "unmittelbarer Nähe der Autobahn" hinweisen und musste ein Mindestabstand von Schild zu Schild von 20 Kilometern eingehalten werden, sind nach der Novellierung die Schilder alle zehn Kilometer erlaubt und der Hinweis muss sich nur noch auf Ziele "in der Nähe der Autobahn" beziehen. Im Prinzip darf damit auf alles hingewiesen werden, denn eine Autobahn ist immer irgendwo in der Nähe.
Natürlich habe, räumt Hessling ein, jedes Schild auch eine politische Natur und es stimme schon, dass sich da mancher ein Denkmal setzen wolle. "Es sollten nicht zu viele werden", sagt er, doch grundsätzlich seien die Tafeln eine tolle Sache, die langweilige Autofahrten auflockern, zur Konversation anregen und die Allgemeinbildung fördern könnten.
Das erste bunte Hinweisschild bei Koblenz
Merkwürdig erscheint allerdings, dass manche Hinweise sehr allgemein gehalten sind - wie etwa "Ruhrgebiet", "Breisgau" oder "Lüneburger Heide" -, während andere auf sehr spezielle Sehenswürdigkeiten aufmerksam machen, etwa den "Binger Mäuseturm", die "Besucherplattform Flughafen München" oder "Schloss Seyn". Letzteres ist übrigens das erste Schild, bei dem die klassisch braun-weiße Farbe durch bunte Elemente, in diesem Fall sind es Schmetterlinge über der Burgsilhouette, aufgelockert wird.
Doch ob nun mit groben Angaben ausländische Durchreisende eine grobe Orientierung erhalten oder ganz gezielt Ausflugstipps gegeben werden - die zirka 4000 Euro, die für die Aufstellung einer Unterrichtungstafel einkalkuliert werden müssen, sind nach Angaben der meisten Tourismusverbände mit einschlägigen Erfahrungen gut angelegtes Geld. Und auch der Renner Verlag in Horben hat sich mit Hilfe der braun-weißen Tafeln eine Umsatzquelle erschlossen. Mittlerweile gibt es bereits sieben Bände der Reihe "Entdeckungsreise Autobahn", die ausführliche Informationen zu den auf den Schildern vorgestellten Zielen enthalten.
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