Frau und Auto: Nackte Haut und altes Blech

"Für mich gehören Frauen und Hot Rods zusammen wie Bier und Schnaps", schreibt der amerikanische Fotograf David Perry im Vorwort zu seinem Fotoband "Hot Rod Pin-ups". Das Buch feiert die verspielt-verruchte Ästhetik der Pin-up-Magazine aus den vierziger Jahren.

Das Thema ist ebenso weit wie unerschöpflich: Frau und Auto. Die Schöne und das Biest, der weiche Körper und das harte Metall, die Zartheit der Erscheinung und die Kraft der Maschine. Mit diesen Gegensätzen spielen Autohersteller in der Werbung und auf Messen, wo mitunter leicht bekleidete Hostessen neben den funkelnden Karossen posieren.

Auf diese Kombination verlassen sich zahlreiche Tuning- und Zubehörfirmen, die ihre Kataloge voller Felgen oder Auspuffanlagen mit beinahe nackten Models garnieren. Ebenso gehört dieses Tandem zur Formel 1, wo die Autos schnell, die Fahrer reich und die so genannten Boxenluder ebenfalls eher nachlässig gekleidet sind. Und natürlich ist das Duett Frau und Auto ein ewig gültiges Motiv für Fotografen. Ob es sich nun um den "Pirelli-Kalender" handelt, um lifestylige Automagazine oder um Menschen wie David Perry.

Der amerikanische Fotograf beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der scheinbar zeitlosen Liaison zwischen nackter Haut und altem Blech, denn er eifert den Hot-Rod-Magazinen nach, die in den vierziger Jahren in den USA aufkamen und in denen erstmals das männliche Interesse an getunten und gechoppten Autos mit dem an lüstern fotografierten Hollywood-Starlets verbunden wurde. Zu dieser Zeit schwoll auch die Produktion von sogenannten Pin-up-Zeichnungen in diversen Magazinen an, vor allem deshalb, um die Moral der US-Soldaten, die im Pazifik oder in Europa kämpften, zu heben und ihre Laune zu bessern.

Im Stile der damaligen Zeichnungen und Fotografien arbeitet Perry heute mit modernen, zum Teil tätowierten Models, die allerdings Wäsche aus jener Zeit tragen, aus der auch die Autos stammen, die zur rostig-ungepflegten Kulisse für die verführerischen Posen werden. "Sie ist eine Sirene auf den Felsen einer trügerisch schönen Küste", schreibt Perry, um zu erklären, warum Frauen auf seinen Fotos auf einem Kotflügel sitzen, sich frivol hinterm Lenkrad räkeln oder aufreizend über die Motorhaube beugen müssen.

Rund 75 der besten Fotos von David Perry versammelt jetzt der Band "Hot Rod Pin-ups" aus dem Heel-Verlag (144 Seiten, 24,95 Euro). Aufgelockert werden die Fotos durch einige kurze Beiträge amerikanischer Autoren sowie durch Pin-up-Zeichnungen aus den Heydays des Genres. Die Fotos wiederum versammeln das komplette Arsenal der Pin-up-Prototypen: den Vamp, das Starlet, die Sekretärin, das Highschool-Girl, die Hexe, die Domina, die Wildkatze, die Stiletto-Lady und die Sexgöttin. Vielleicht mag man nun meinen, die Szenerie, in der diese Frauen abgebildet sind, sei sowieso austauschbar. Doch gerade darin liegt Perrys Geheimnis: Ohne die coolen, manchmal schmuddeligen, immer präzise inszenierten Hot Rods wäre das Buch nur ein weiterer Fotoband mehr. So ist es ein richtig tolles Buch.

jüp

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  • Datum: Freitag 20.10.2006 | 05:55 Uhr
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