Caresto V8 Speedster: Schwedisches Powerplay

Von Tom Grünweg

Von wegen kühle Nordländer. Bei Autos werden manche Skandinavier zu Heißspornen. So wie Leif Tufvesson. Der schwört auf Hot-Rods und hält der alten Idee mit neuen Modellen die Treue. Sein schärfster Schwede ist der V8 Speedster, der nun in Las Vegas enthüllt wurde.

Wer sagt denn, dass Autos aus Schweden allesamt nüchtern, sachlich und praktisch sein müssen. Ein bisschen Sport darf – wie die Turbos bei Volvo und die Aero-Modelle bei Saab belegen – auch in der Großserie sein. Aber mit dem Sexappeal der Neuwagen ist es nicht sonderlich weit her. Deshalb schwärmen gerade im kühlen Norden überdurchschnittlich viele Autofans von den "heißen Eisen" aus Amerika und leisten sich einen echten "Hot-Rod".

Auch Leif Tufvesson liebt diese in den fünfziger und sechziger Jahren vor allem an der Westküste kultivierte Form des "american way of drive". Doch während die meisten Schweden sich darauf beschränken, entsprechend potente Originale aus den USA zu importieren, macht er es umgekehrt. Er baut seine eigenen Hot-Rods und verschifft sie sogar nach Amerika. Dabei schöpft er aus einem reichen Erfahrungsschatz.

Schließlich hat Tufvesson 16 Jahre im Concept-Center von Volvo in Göteborg und danach sechs Jahre in der Entwicklung des einzigen nordischen Sportwagenherstellers Koenigsegg gearbeitet. Jetzt allerdings ist er es leid, seine Energie in den Ruhm anderer zu investieren und arbeitet seit einigen Jahren unter dem Markenzeichen "Caresto" – und unter eigener Regie. Sein jüngstes Modell ist der V8 Speedster, der jetzt auf der Tuning Show in Las Vegas Premiere feierte.

Anders als die echten Hot-Rods, die in der Regel immer auf einem alten Chassis aufbauen, ist sein Zweisitzer - ähnlich wie der vor zwei Jahren vorgestellte T6 Roadster - eine völlige Neukonstruktion: "Der V8 Speedster ist ein Sportwagen, der die Designidee des Hot-Rods weiter fortschreibt und wohl am besten als Sport-Rod bezeichnet werden sollte", erläutert Tufvesson die neue Gattung die aus einem einfachen Grund entstand. "Ich wollte ein Auto bauen, bei dem das Fahren mindestens genauso viel Spaß macht wie das Anschauen."

Der Designansatz lautet: Schlichter als schlicht

Für Spaß bei Schauen sorgt eine sehr schlicht und völlig glatt gestaltete Karosserie, die nur ganz wenige Designakzente setzt, wie etwa die beiden verglasten Knopfaugen der Scheinwerfer, die in die vordere Radaufhängung integrierten LED-Blinker oder das mit schottischem Leder ausgeschlagene Interieur. Dazu gibt es Lenkrad und Instrumente aus dem Volvo-Regal, ein abnehmbares Hardtop und nette Spielereien wie eine zur Kühlung sich selbst öffnende Motorhaube oder drei Rückfahrkameras, die jedwede Spiegel überflüssig machen.

Und für den Spaß am Fahren steht der hinter den Sitzen montierte Motor des Speedster, der natürlich den alten Regeln folgt. Weil zum Hot-Rod ein Achtzylinder gehört wie zum Taxi der Diesel, hat Tufvesson für sein neuestes Modell den V8 übernommen, den Volvo auch in den Modellen XC 90 und im S 80 einbaut. Allerdings wurde das 4,4 Liter große Aggregat ein wenig getunt und zudem für den Betrieb mit Bio-Ethanol ausgelegt. Wer mit normalem Sprit fährt, kann sich auf 315 PS freuen, wer den Bio-Kraftstoff tankt, kann noch einmal zehn Prozent mehr Leistung abrufen. Zwar bleibt Tufvesson genaue Fahrdaten schuldig, doch braucht es nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie schnell und sportlich der weitgehend aus Aluminium und Carbon gebaute Zweisitzer mit gerade einmal 1200 Kilogramm und einer Gewichtsverteilung von 40 Prozent auf den 20-Zöllern vorn und 60 Prozent auf den 22-Zöllern der Hinterachse um die Ecken fliegen wird, wenn man nur kräftig genug aufs Pedal tritt.

Ein Exklusiv-Speedster für 260.000 Euro

Der schnelle Schwede hat mit seinem Sport-Rod durchaus ambitionierte Absichten und ist nicht nur zum Spaß nach Las Vegas gefahren. "Ich würde dieses Auto und mindestens fünf weitere schon gerne verkaufen", sagt Tufvesson und kalkuliert ganz grob mit einem Preis von umgerechnet rund 260.000 Euro. Sicherheitshalber hat das Schaustück aus Las Vegas noch einen Zwilling, der brav in Ängelholm in Südschwedens geblieben ist. Denn egal, was mit dem Auto in Las Vegas geschieht – ein Modell des Typs will Tufvesson "nur so zum Spaß"“ auf jeden Fall für sich behalten.

Nicht jeder Schwede allerdings legt die Hot-Rod-Tradition so frei aus wie Tufvessen. Dass es auch klassischer geht, zeigt Mattias Vöcks in Las Vegas mit einem Volvo Amazon von 1967, den er zu einem echten Brenner umfunktioniert hat. Konservative Konservatoren werden sich angesichts dieser vermeintlichen Schändung des eleganten Schweden-Kombis die Haare raufen und den Werkzeugkasten endgültig schließen. Doch bei der großen Custom-Car-Gemeinde in seiner Heimat kam Vöcks’ 600 PS starker und mit rotem Leder ausgekleideter Retrorenner so gut an, dass er damit in diesem Sommer in einem Feld von 600 Fahrzeugen den Titel "Sweden’s hottest Volvo" und auf diese Weise sein Ticket für Las Vegas gewann.

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  • Datum: Dienstag 07.11.2006 | 09:37 Uhr
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