Sie sind kaum zu fassen: Geisterfahrer können überall auf Autobahnen oder Schnellstraßen auftauchen, sie haben unterschiedlichste Beweggründe für ihre Fahrt in falscher Richtung, und sie können alt, jung, männlich, weiblich, betrunken oder nüchtern sein. Geisterfahrer, damit muss man sich abfinden, gehören zum Verkehrsalltag wie Staus, Baustellen oder Drängler im Rückspiegel.
Die Zahl der Falschfahrer in Deutschland ist, gemessen am Verkehrsaufkommen, sogar extrem gering – auf 50 Millionen Autobewegungen am Tag kommen in Deutschland täglich etwa fünf Meldungen über Falschfahrer. Und von denen sind nur rund zwei Drittel echt, 30 bis 40 Prozent der vermeidlichen Geisterfahrer entpuppen sich als Falschmeldungen von Autofahrern, die zum Beispiel nachts und bei lang gezogenen Kurven auf der anderen Autobahnseite entgegenkommende Lichter falsch eingeschätzt und die Polizei alarmiert haben.
Und trotz der eigentlich geringen Zahl tatsächlicher Geisterfahrer bekommen die Meldungen über Falschfahrer eine "extrem große Aufmerksamkeit", sagt Adalbert Allhoff-Cramer, Vorsitzender der Sektion Verkehrspsychologie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) und Gutachter des TÜV Süd. "Das hängt vor allem mit der Schwere der Unfälle zusammen, die leider oft die Konsequenz solcher Fahrfehler sind."
Doch nicht allein die oft katastrophalen Karambolagen sind nach Auffassung des Verkehrspsychologen der Grund für die Bedeutung des Phänomens Geisterfahrer. "Dem Falschfahrer haftet noch immer etwas Mystisches an", so Allhoff-Cramer. Allein dem umgangssprachlichen Ausdruck "Geisterfahrer" wohne etwas Übernatürliches, jenseits des normalen Alltag Lebendes inne. Und so etwas ist der Falschfahrer für die Masse der Richtigfahrer ja auch: "Die Gefahr kommt aus heiterem Himmel – und man ist so gut wie machtlos dagegen", sagt Allhoff-Cramer.
Insofern stehe der Falschfahrer symbolisch für das Restrisiko, das jede Autofahrt in sich berge: Man könne sich für den besten Fahrer halten und doch jederzeit in eine Situation geraten, über die man keine Kontrolle hat. "Das wirkt unterschwellig bedrohlich und erzeugt diffuse Ängste", sagt der Verkehrsexperte. "Normalerweise ist unser Leben ja ziemlich berechenbar, wirklichen Gefahren kann man in der Regel aus dem Weg gehen. Dieses Prinzip der Sicherheit und Kontrolle aber wird durch den Falschfahrer grundsätzlich in Frage gestellt."
Es gibt keine Garantie gegen Geisterfahrer
Dass der Falschfahrer jeder sein kann, erhöht noch das Gefühl der Hilflosigkeit. Die meisten Geisterfahrer sind zuvor kaum negativ im Straßenverkehr in Erscheinung getreten. Anders als Schnellfahrer, die häufig als Wiederholungstäter Punkte auf dem Konto sammeln, "sind Falschfahrer in vielen Fällen unbescholtene Verkehrsteilnehmer, die sich bislang nichts zu Schulden haben kommen lassen", so Allhoff-Cramer. Dabei können Geisterfahrer "aus allen Bevölkerungsschichten kommen", sagt ADAC-Experte Maximilian Mauer. Die Gründe für das Fehlverhalten seien oftmals Stress, Orientierungsverlust oder Alkohol – oder die bewusste Entscheidung, die eben verpasste Ausfahrt durch eine kurze Kehrtwende doch noch zu erreichen. Und solche Beweggründe lassen sich eben nicht vollends durch bauliche Maßnahmen wie neue Verkehrsschilder aus der Welt schaffen, so wie es in Österreich seit kurzem mit einem speziellen Falschfahrer-Warnschild versucht wird.
Falschfahrer sind eine latente Gefahr – die allerdings nach Sicht von Verkehrsexperten auch etwas Positives mit sich bringt. Für Verkehrspsychologe Allhoff-Cramer kann die potenzielle Gefahr sogar zur Sicherheit auf den Autobahnen beitragen: "Wer sich unbewusst Sorgen um sein Wohlergehen macht, verhält sich selbst aufmerksamer und umsichtiger." Wenn also täglich Meldungen über Falschfahrer im Verkehrsfunk laufen, trage dies natürlich auch zu mehr Wachsamkeit bei. "Das Gefühl von Unsicherheit ist zur Vermeidung von Unfällen sehr wichtig. Durchsagen über Falschfahrer leisten also einen doppelten Beitrag zur Verkehrssicherheit."
pwe
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Eine durchaus interessante Diskussion. Technik kann hilfreich sein, aber techn. kann auch versagen. Und was ist dann. Ein versagen der techn. sollte man m.E. in jeden Fall mit in betracht ziehen. Nun, ich selbst fahre einen GTV [...] mehr...
Je nach Fahrzeugtyp? Also zumindest mal bei allen PKW ist ABS auf jeden Fall sinnvoll. Es verkürzt den Bremsweg (außer auf Schotterpisten) und erlaubt dennoch das Lenken. Welche Fahrzeugtypen meinen Sie, bei denen ABS [...] mehr...
ABS kann sinnvoll sein, je nach Fahrzeugtyp. Bislang hab' ich aber nie eines benötigt. Meine Ablehnung bezieht sich eher auf Verkehrsteilnehmer, die ABS haben, und deswegen meinen, ihnen könne ja nun nichts mehr passieren... mehr...
Daraus folgt notwendigerweise, dass Sie auch ABS ablehnen. Richtig? mehr...
Eben. Genau *das* ist es, was mich stört. Ich entscheide lieber selbst, wieviel Bremsdruck ich situationsbedingt benötige. Übrigens: Wenn Sie Beiträge anderer Foristen zitieren, geben Sie doch die Quelle mit an. Ist [...] mehr...
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