Von Thomas Harms
Beim Thema CO2 kommt Europas Automobilindustrie unter Druck. Anfang November kündigte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas einen Gesetzentwurf an, der die Hersteller zur Einhaltung verbindlicher Obergrenzen beim Ausstoß des Klimakillers Nummer eins zwingen soll. Die Zeit der freiwilligen Verpflichtungen sei vorbei, so Dimas. Der Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA reagierte empört. Die EU selbst sorge unter anderem mit rigiden Sicherheitsvorschriften bei Pkw für ein immer größeres Durchschnittsgewicht der Fahrzeuge, was Benzinverbrauch und CO2-Emissionen erhöhe. ACEA-Generalsekretär Ivan Hodac sprach sich stattdessen dafür aus, Verbraucher über Steueranreize zum Kauf klimaschonender Autos zu motivieren.
Auch die Bundesregierung dürfte sich schon bald der Problematik annehmen. Umweltminister Gabriel will die Kfz-Steuer in Zukunft nicht mehr nach dem Hubraum, sondern nach dem CO2-Ausstoß berechnen. Die Initiative ist durch den Koalitionsvertrag von SPD und CDU gedeckt. "Zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs von Fahrzeugen und der Verminderung von CO2-Emissionen im gesamten Straßenverkehr werden wir wirksame Anreize für die Einführung hocheffizienter Antriebe durch eine am CO2- und Schadstoffausstoß orientierte Kfz-Steuer schaffen", heißt es dort.
Die Erfolgschancen für den Plan stehen nicht schlecht: Auch der Verband der Automobilindustrie und der ADAC haben sich dafür ausgesprochen. Ein konkreter Gesetzentwurf zur neuen Kfz-Steuer muss allerdings erst noch im zuständigen Finanzministerium erarbeitet werden. In Berlin hofft man, dass sich Peer Steinbrück im nächsten Jahr des Themas annimmt.
Klimaschutzziele werden verfehlt
Hintergrund der neuen politischen Vorstöße ist die dramatisch schlechte weltweite CO2-Bilanz. Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW hat errechnet, dass die globalen Kohlendioxyd-Emissionen 2005 erneut um 2,5 Prozent gestiegen sind und nun bereits 27 Prozent über dem Basisjahr 1990 liegen, auf das sich die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls beziehen. Auch Europa wird laut DIW seine selbst aufgestellten CO2-Reduzierungsziele verfehlen, weil zu viele Länder wie Spanien oder Österreich beim Klimaschutz nach wie vor nicht mitziehen. Im Klartext: Die Erde heizt sich weiter auf, wenn nicht radikal auf die Klimabremse getreten wird.
Die Automobilindustrie steht dabei besonders in der Verantwortung. Laut Greenpeace stoßen zurzeit weltweit 500 Millionen Pkw jedes Jahr rund vier Milliarden Tonnen CO2 aus, etwa 20 Prozent der emittierten Gesamtmenge.
Doch es kommt noch dicker: Eine Trendanalyse des Heidelberger Umwelt- und Prognoseinstituts UPI prognostiziert eine Steigerung der Pkw-Zahl auf dem Globus auf 2,3 Milliarden Autos bis 2030 – viereinhalb Mal so viel wie heute. Selbst wenn die im Schnitt weniger Sprit verbrauchen dürften als aktuelle Modelle, könnten sich Benzinverbrauch und CO2-Emissionen nochmals verdoppeln. Auch im Autoparadies Deutschland mit satten 43 Millionen Fahrzeugen auf 82 Millionen Einwohner verursacht der Verkehr nach Angaben des Umweltbundesamtes rund ein Fünftel der CO2-Emissionen. Eine Wende beim CO2-Ausstoß von Pkw ist besonders dringend.
Freiwillige Selbstverpflichtung wird verfehlt
Umso alarmierender ist es, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Automobilindustrie zur Verringerung des CO2-Ausstoßes wohl nicht eingehalten werden können. Im Jahr 1998 hatte der ACEA versprochen, die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen von 186 Gramm pro Kilometer auf 140 im Jahr 2008 zu verringern. Eine Studie des Europäischen Verbandes für Verkehr und Umwelt (T&E) hat nun erstmals detailliert den Fortschritt einzelner Automarken bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes untersucht (siehe untenstehende Tabelle).
Ergebnis: Drei Viertel aller Hersteller erfüllen ihre Emissionsverpflichtungen nicht schnell genug. Am besten schneiden Fiat, Citroën und Renault ab, die ihre Reduktionsvorgaben im Zeitraum 1997 bis 2005 erreicht haben. Als einziger Hersteller liegt Fiat bereits unter der 140-Gramm-Marke. Marken wie Mercedes-Benz, VW und BMW liegen weit hinter den Vorgaben; am schlechtesten schneiden Nissan, Suzuki, Mazda und Audi ab. Die Studie betont: Es bringt wenig, wenn Hersteller einzelne klimaschonende Wagen präsentieren - die gesamte Produktpalette muss auf CO2-arme Autos umgestellt werden.
Fehlentscheidungen durch Unwissen
In einem Punkt hat die Branche allerdings recht: Es reicht nicht aus, in Brüssel oder Berlin neue Gesetze zu verabschieden. Denn die meisten Probleme und Fehlentscheidungen in Sachen CO2 resultieren immer noch aus Unwissen. Viel zu wenigen Verbrauchern ist bekannt, dass schon seit November 2004 alle Autohersteller von der EU verpflichtet wurden, in Prospekten sowie an Neuwagen im Verkaufsraum Angaben über den CO2-Ausstoß zu machen. Jeder Käufer kann sich also ausrechen, wie seine persönliche Klimabilanz im Straßenverkehr aussieht.
Und viel zu wenige Autofans wissen, wie viel Kohlendioxid sie im Schnitt mit jedem verbrauchten Liter Benzin in die Atmosphäre blasen: rund 2,3 Kilogramm. Zehn Liter verbranntes Benzin bedeuten einen Ausstoß von 23 Kilogramm CO2. Drei Tankfüllungen produzieren mehr als eine Vierteltonne des Treibhausgases.
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Ja, aber erst dann! Keinen Tag eher! Schließlich ist auch die Ära der Postkutschen zu Ende gegangen. Aber niemand kann sagen, wann das sein wird! mehr...
Das waren/sind Nebelkerzen der Automobilindustrie, denn nur H2 hätte/könnte man die V erbrennertechnologie weiter nutzen. Bei Umstellung auf E-Antrieb wird der grösste Teil der heutigen Anlagen zu Schrott - und bei der [...] mehr...
Moin Moin! Ich kann Deinen Ausführungen voll zustimmen. Die "Wasserstofftechnologie" im Auto ist ein Hoax! Heutzutage wird H2 nahezu ausschließlich per Dampfreformierung aus Erdgas hergestellt, mit einem [...] mehr...
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