Sonntag, 22. November 2009

Auto



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09.01.2007
 

US-Autohersteller

Die wankenden Riesen

Von Tom Grünweg

Sie können offenbar machen, was sie wollen: Der Marktanteil von General Motors, Ford und Chrysler in den USA schmilzt dahin. Die deutschen Hersteller verbuchen dagegen in den Vereinigten Staaten ein Plus. Doch hinter dem ganz großen Gewinner bleiben auch sie zurück.

Wenn in diesen Tagen die amerikanische Automobilindustrie in ihrer Heimatstadt zur Motor Show bittet, dann demonstrieren die Konzernbosse von General Motors, Ford und DaimlerChrysler traditionell eine unbeirrbare Zuversicht. Doch so optimistisch die "Big Three" auch wirken mögen – ein Blick in die Statistik dürfte den Führungskräften den Champagner gehörig verwässern. Denn wenn zum Auftakt des Branchengipfels in Motown die Bilanzen des vergangenen Jahres gezogen werden, zeigt der US-Markt gerade für die Heimspieler ein trauriges Bild.

Nach Berechnungen des Automobilwirtschaftlers Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen kauft zwar nach wie vor kein Volk der Welt so viele Autos wie die Amerikaner, doch kühlt der Markt ab: Nach fast genau 17 Millionen Neuzulassungen im Jahr 2005 stehen in Dudenhöffers Statistik für 2006 noch 16,6 und für das neue Jahr nur noch 16,4 Millionen Neuwagen. "Damit wird 2007 das schwächste der letzten acht Jahre", prognostiziert Dudenhöffer. Dennoch sei das kein Grund zur Klage: "Positiv ausgedrückt bewegt sich der US-Markt seit neun Jahren auf einem Niveau zwischen 16 und 17 Millionen Fahrzeugverkäufen."

Vom immensen Volumen können allerdings die US-Hersteller immer weniger profitieren: Zwar bleibe GM mit seinen acht Marken und zusammen 4,1 Millionen Zulassungen die mit Abstand stärkste Herstellergruppe in den USA. Doch sinkt der Marktanteil seit Jahren, in den letzten zwölf Monaten um 1,5 Prozentpunkte auf den "historischen Tiefstand" von 24,7 Prozent. Konkurrent Ford steht auf dem zweiten Platz kaum besser da. Die sechs Marken unter der Führung des neuen Chefs Allan Mulally verkauften 2006 etwa 2,9 Millionen Autos, verloren einen Prozentpunkt Marktanteil und landeten in Dudenhöffers Bilanz bei 17,6 Prozent. Auch der Dritte im Bunde muss Federn lassen. DaimlerChrysler kommt mit Chrysler, Jeep, Dodge und Mercedes auf 2,4 Millionen Verkäufe und damit auf einen Marktanteil von 14,4 Prozent – 0,5 Punkte weniger als im Jahr davor.

Der neue Riese auf dem US-Markt heißt Toyota

"Der große Gewinner in den letzten 30 Jahren in den USA hat einen Namen: Toyota", sagt Dudenhöffer und schreibt den drei Marken des Konzerns (Toyota, Lexus, Scion) mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Zulassungen zu. Weil der Marktanteil auch im vergangenen Jahr – mal wieder – gestiegen ist, und nun bei 15,3 Prozent liegt, haben die Japaner DaimlerChrysler vom Podium verdrängt und sich den dritten Platz gesichert. Und dabei ist Toyota nicht der einzige asiatische Hersteller auf Erfolgskurs.

Honda legt in den USA um 0,5 Punkte zu und kommt mit 9,1 Prozent Marktanteil auf den fünften Rang, Hyundai und Kia schaffen immerhin ein Plus von 0,2 Punkten und stehen mit 4,5 Prozent auf Platz sieben. Nissan dagegen hält den sechsten Rang, fällt aber von 6,4 auf 6,1 Prozent. Die deutschen Hersteller spielen in den USA zwar nur eine kleine Rolle, haben ihre Position aber laut Dudenhöffers Zahlenwerk im vergangenen Jahr leicht verbessert. So kommen VW und Audi auf 325.000 Vertragsabschlüsse und einen Marktanteil von 2,0 Prozent (2005: 1,8 %). BMW und Mini legen 0,1 Prozentpunkte zu und gehen mit 307.000 Zulassungen und 1,9 Prozent Marktanteil in die Bilanz ein, und Porsche bleibt mit 34.000 neuen Autos bei 0,2 Prozent.

Ford ist noch immer die beliebteste Marke in den USA

Die meistverkaufte Einzelmarke in den USA war 2006 Ford mit einem Marktanteil von 14,7 Prozent, gefolgt von Chevrolet (14,6) und Toyota (12,3 Prozent). Nicht mehr aufs Treppchen reicht es für Honda (7,9), Dodge (6,5), Nissan (5,4) und Chrysler (3,6). Die deutschen Marken folgen weit dahinter. Dudenhöffer nennt für BMW Rang 15 und einen Marktanteil von 1,6 Prozent, Mercedes sieht er mit 1,5 Prozent auf Rang 17, VW mit 1,4 Prozent auf Rang 18 und Audi mit 0,5 Prozent auf Rang 30. Noch weiter hinten stehen Mini (0,2; 33.) und Porsche (0,2; 35.). Fokussiert man jedoch auf den Premium-Markt, stehen die Deutschen besser da: Zwar gebührt der Lorbeer der noblen Toyota-Tochter Lexus mit mehr als 310.000 Verkäufen. Doch direkt dahinter folgen BMW (260.000) und Mercedes (240.000).

"Der VW Golf der Amerikaner heißt Ford F-Series", überschreibt Dudenhöffer die Liste der meistverkauften Fahrzeuge auf dem US-Markt, auf dem noch immer jedes zweite Auto ein sogenannter Light Truck ist, also ein Pick-Up oder ein großer Geländewagen. Der urtümliche Laster führt seit Jahren die Hitparade der US-Auto-Bestseller an kommt 2006 auf 790.000 Zulassungen. Es folgt mit dem Chevrolet Silverado (630.000 Exemplare) ebenfalls ein Light Truck.

Die meistverkaufte Limousine ist der Toyota Camry, der mit 450.000 Zulassungen auf Rang drei kommt und damit vor Dodge Ram (360.000) und Honda Accord (350.000) ebenfalls auf das Siegerpodest fährt. Bei diesen Zahlen können die deutschen nur neidisch werden. Ihr meistverkauftes Modell in den USA ist der 3er BMW mit 120.000 Zulassungen, gefolgt vom VW Jetta mit 102.000 Neuanmeldungen, Mercedes C-Klasse (49.000) und Audi A4 (46.000).

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