Blinker-Neuheit: Autos lernen flirten - per Tastendruck

Das Auto erweitert seinen Sprachschatz: Mit einem automatischen Blinker können Autofahrer komplizierte Lichtfolgen in Sekundenschnelle auslösen. Dank der Erfindung eines Tüftlers können Pkw und Lkw viel mehr als nur "Danke" sagen - die Fahrer müssen sie nur noch verstehen.

Hamburg - Manche Autofahrer nutzen ihn gern und häufig, andere scheinen fast vergessen zu haben, dass er überhaupt existiert: Der Blinker ist eines der wichtigsten Kommunikationsmittel zur Verständigung auf der Straße, wird aber oft sträflich vernachlässigt. Dabei kann er viel mehr sein als nur ein Licht, das ab und zu rhythmisch flackert.

"Ich habe mich so gefreut, als sich ein netter Holländer auf der Autobahn durch Blinkzeichen bedankt hat," sagte Matthias Frey zu SPIEGEL ONLINE. Er hatte den anderen Fahrer nach einem gewagten Überholmanöver freundlich zurück in die Spur gelassen - so dass dieser bei einer Polizeikontrolle kurz darauf nicht belangt wurde. "Der ersparte Strafzettel hat ihn derart gefreut, dass er ein sehr aufwendiges Blinksignal auslöste - nicht nur links-recht-links, sondern die Blinker leuchteten wie in einer Disco", erinnert sich Frey.

Das war sein Schlüsselerlebnis. Könnten nicht auch noch andere Zeichen durch das Auto kommuniziert werden, fragte sich der 39-jährige Hobby-Tüftler aus dem Schwarzwald: "Wie blinke ich, wenn ich mich entschuldigen will oder jemanden sympatisch finde?" Zwei Jahre grübelte er über die Idee nach - und meldete dann eine Erfindung beim Patentamt an: die Flashbox, ein Apparat, der automatische Blinksignale per Funksteuerung auslöst.

Das handgroße Gerät wird an die Blinkeranlage angeschlossen. "Man nimmt einfach die zwei Blinkerausgänge der Flashbox und klemmt diese auf den rechten und den linken Blinkerkontakt", erklärt Frey. Damit nicht Fremde ein Signal auslösen können, muss man noch den mitgelieferten Handsender am Empfänger anmelden. Drückt der Fahrer dann auf eine Taste des Handsenders, der einem Autoschlüssel ähnelt, sendet er das Blinkzeichen an die Box. Der Empfänger gibt das Zeichen weiter an die herkömmliche Blinkeranlage - und so können per Funkbedienung die Signale für "Danke" (Blinker links, rechts, links, einmal Warnblinker), "Verärgert" oder "Verliebt" abgerufen werden.

Beim "Verärgert"-Signal leuchten beide Blinker besonders lang auf. Der Fahrer kann aber auch "Gute Fahrt" wünschen oder "Vorsicht" signalisieren, "ohne, dass der Fahrer vom Straßenverkehr abgelenkt wird", wie Frey sagt. Alles auf Tastendruck. Damit sei selbst das Flirten per Funksignal möglich - vorausgesetzt, das Objekt der Begierde versteht die Blinkzeichen.

"Das Problem ist, dass die Fahrer die neuen Signale noch nicht kennen", räumt Frey ein. Er hofft, dass viele Autofahrer das Gerät kaufen werden, um sich im Straßenverkehr besser zu verständigen. Für knapp 90 Euro können Pkw- und Lkw-Fahrer seit vergangenem November die Blinkerbox kaufen und damit auf der Straße flirten, danken, sich entschuldigen - oder einfach nur Frust ablassen. Sechs verschiedene Blinksignale können abgerufen werden. 10.000 Geräte hat Frey, der seit Jahren elektronische Steuerungen entwickelt, in Litauen produzieren lassen und sich die Genehmigung des Verkehrministeriums geholt. Doch noch interessieren sich nur wenige Autofahrer für den "Komfortblinker".

Bei Lastwagenfahrern sei der Absatz höher, sagt der Erfinder. "Sie kommunizieren viel mehr über das Blinken als die Autofahrer und verstehen die Zeichen." In der Schweiz gebe es bereits Interesse an einer Produktionslizenz. Aber Frey denkt nicht daran, seine Erfindung zu verkaufen. "Ich möchte den Blinker weiter ausbauen. Die Autos sollen irgendwann auch 'frohe Weihnachten' oder 'frohes neues Jahr' sagen können."

Noch ist die Vermarktung der Flashbox keine leichte Aufgabe: Die meisten Autofahrer benutzen lieber ihre Hupe, um sich im Straßenverkehr zu verständigen.

ffa

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  • Datum: Mittwoch 10.01.2007 | 14:48 Uhr
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