SPIEGEL ONLINE: Atze Schröder, wir wollen über Autos reden, und Sie tragen themengerecht ein Porsche-Shirt. Dürfen wir das als Bekenntnis werten?
Atze Schröder: Sie dürfen. Sieht gut aus, nicht? Die Begeisterung kommt von meinem Vater, der hat mir schon ganz früh eingeredet, dass alles, was nicht Porsche heißt, versteckte Mängel hat. Mein erster Porsche war ein 83er, cognacfarben, den habe ich gerade an meinen Kumpel Björn verkauft. Dadurch ist der Wagen für mich nicht aus der Welt. Das ist wie mit einem Tier, das man mal abgegeben hat, aber ab und zu noch einmal wiedersehen und streicheln darf.
SPIEGEL ONLINE: Fuhr Ihr Vater denn auch schon Porsche?
Atze Schröder: Mein Vater, Porsche? Das war früher bei uns nicht drin, mein Vater hat als Musiker gearbeitet, zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen. Nein, wir hatten früher immer nur so alte Krücken, irgendwelche fahrbaren Untersätze eben. Einen Taunus 17 M, daran erinnere mich. Wir hatten auch lange einen Käfer. Mein Vater war ständig am Schrauben. Damals konnte man ja noch Sachen selber machen, heute ist alles elektronisch.
SPIEGEL ONLINE: Im Internet war zu lesen, Ihr erster Wagen sei auch ein Käfer gewesen?
Atze Schröder: Richtig, den hatte ich für 150 Mark gekauft.
SPIEGEL ONLINE: Luftgekühlte Motoren waren also schon immer die Leidenschaft der Schröders?
Atze Schröder: Stimmt. Wobei ich beim Käfer daran fast verzweifelt bin. Die Heizung im Wagen ging ja bei nasskaltem Wetter dadurch nicht richtig, und man hatte eine Sehnenscheidenentzündung, weil man ständig die beschlagenen Scheiben wischen musste. Ich glaube, meine Schultern sind deswegen heute noch so gut trainiert.
SPIEGEL ONLINE: Und wann kam dann der erste Porsche?
Atze Schröder: Anfang der neunziger Jahre. Damals war Wendelin Wiedeking noch nicht am Ruder, das heißt, ich musste ziemlich oft herumschrauben und hatte immer schwarze Fingernägel. Dabei habe ich viel gelernt über Motoren.
SPIEGEL ONLINE: Waren Sie auch als Teenager schon ein Schrauber? Der das Mofa aufgemotzt hat, weil es ihm zu langsam fuhr?
Atze Schröder: Klar! Mit 13 Jahren habe ich das Mofa meiner Schwester frisiert und bin auch damit gefahren. Ich hatte selbst mal ein Mofa, das am Ende über 70 Sachen fuhr, kein Scherz.
SPIEGEL ONLINE: Was fahren Sie denn heute?
Atze Schröder: Ich fahre jetzt einen Carrera S in Mattschwarz. Der ist natürlich nicht mehr luftgekühlt, deswegen musste ich mir auch schon viel Kritik aus der Porsche-Gemeinde anhören. Aber was soll’s? Der 997 ist für mich ein Klasseauto.
SPIEGEL ONLINE: Jürgen Vogel und Daniel Brühl fahren in dem Film "Ein Freund von mir" nackt Porsche, weil man nur so das echte Porsche-Feeling bekäme. Haben Sie diese Erfahrung auch schon gemacht?
Atze Schröder: Ich finde, Porsche und Jeans, das passt auch sehr gut. Absolut.
SPIEGEL ONLINE: Gibt’s denn einen Dresscode für spezielle Autos?
Atze Schröder: Das ist im Wandel begriffen. Die Zeiten, als der Porsche-Fahrer Schnauzbart trug und Pfeife rauchte, sind vorbei.
SPIEGEL ONLINE: Porsche gilt ja auch als Spielzeug für Männer. Man wird 40 und gönnt sich was Starkes…
Atze Schröder: Die gibt’s, ganz klar. Ich finde das aber vollkommen okay, wenn man sich einen Porsche als Bereichung seiner Persönlichkeit zulegt. Die anderen berauschen sich an der Form, am Klang, an der Technik. Bei mir stellen sich auch die Nackenhaare vor Begeisterung auf, wenn ich morgens in die Garage gehe und den Motor anlassen. Bei mir ist es echt eine Leidenschaft.
SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie denn von anderen Sportwagen? Ferraris zum Beispiel?
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch einen Zweitwagen?
Atze Schröder: Einen VW-Bus. Ich bin ja auch Surfer, und das geht nicht mit dem Porsche. Und meine Freundin hat ein Mercedes Cabrio.
SPIEGEL ONLINE: Ein alter Macho-Spruch heißt "Frau am Steuer, das wird teuer." Was sagt Atze Schröder dazu?
Atze Schröder: Kann ich nicht unterschreiben. Meine Freundin, die fährt richtig gut. Schneller sogar als ich, und einparken kann sie wie keine Zweite. Wenn wir in den Urlaub fahren, mit dem VW-Bus, wegen unseres Hundes, fährt sogar meistens sie, sie wird nicht so schnell müde wie ich. Ach je, ich rede mich hier um mein komplettes Image (lacht).
SPIEGEL ONLINE: Wie ist das denn mit Ihrer Frisur im Cabrio? Unter Ihren Fans wird heiß diskutiert, ob Ihre Haare echt oder eine Perücke sind…
Atze Schröder: Jeder Mann hat doch sein Beauty-Geheimnis. Nein, im Ernst, ich setze eine Mütze auf und ab geht’s. Meiner Frisur macht das nichts.
SPIEGEL ONLINE: Kann man eigentlich mit Cowboystiefeln gut Gas geben?
Atze Schröder: Sogar sehr gut. Man erwischt dank der großen Lauffläche sogar die Pedale besser als etwa mit Turnschuhen.
Das Interview führte Philip Wesselhöft
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