Klimaschutz: EU-Kommission weist Kritik deutscher Autobauer zurück

Beim Klimaschutz in Europa verhärten sich die Fronten: Die EU-Kommission zeigt kein Verständnis für die deutschen Autohersteller, die wegen der geplanten Emissionsregeln den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze vorhersagen. Jetzt hoffen die Unternehmen auf Ausnahmeregelungen.

Brüssel - Im Streit über mehr Klimaschutz im Straßenverkehr hat die EU-Kommission der deutschen Autoindustrie eine Verweigerungshaltung vorgeworfen. Angesichts der globalen Erwärmung könne man "den Kopf nicht in den Sand stecken", sagte heute EU-Kommissionssprecher Johannes Laitenberger. Die Kommission halte an dem Ziel fest, den Treibhausgas-Ausstoß von Neufahrzeugen bis 2012 um ein Viertel zu reduzieren.

Klimasünder Pkw: Die EU fordert einen durchschnittlichen Ausstoß von 120 Gramm CO2 pro Kilometer
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DPA

Klimasünder Pkw: Die EU fordert einen durchschnittlichen Ausstoß von 120 Gramm CO2 pro Kilometer

Die Chefs der fünf großen deutschen Automobilhersteller BMW, Opel, Volkswagen, DaimlerChrysler und Ford hatten in einem gestern veröffentlichten Schreiben an die EU-Kommission vor "schwersten Verwerfungen in der Automobil- und Zulieferindustrie" und vor dem Verlust Zehntausender Jobs gewarnt, falls Brüssel den Grenzwert für den Kohlendioxid-Ausstoß tatsächlich auf 120 Gramm pro gefahrenem Kilometer festsetzen sollte. Sie drohten mit der massiven Verlagerung von Arbeitsplätzen aus der EU. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos hatte mit Rücksicht auf Arbeitsplätze einen Stopp der Pläne gefordert.

Laitenberger wies dies zurück: "Arbeitsplätze gehen nicht verloren, wenn man sich rechtzeitig auf Veränderungen einstellt, sondern wenn man sich in rückwärts gewandter Weise dagegen sperrt." Der Kommissionssprecher bekräftigte: "Eine gesetzliche Regelung ist notwendig, um den Zielwert von 120 Gramm pro Kilometer zu erreichen."

Selbstverpflichtung ist nicht genug

Offiziell liegen die Pläne von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas, die Branche gesetzlich zur Verminderung von Abgasen zu zwingen, noch gar nicht vor. Die Deutsche Umwelthilfe stellte allerdings bereits in der vergangenen Woche einen Entwurf ins Netz. Demnach sollen die europäischen, japanischen und koreanischen Autohersteller dazu verpflichtet werden, die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen zu senken.

Dimas fordert damit nur ein, wozu sich die Autohersteller schon vor Jahren selbst verpflichtet haben. Der europäische Herstellerverband ACEA steckte sich schon 1999 das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2012 auf 120 Gramm zu begrenzen. Gleichlautende Selbstverpflichtungen gingen wenig später auch von dem japanischen Verband JAMA und dem koreanischen Verband KAMA ein. Schon 2008 (europäische Hersteller) beziehungsweise 2009 (asiatische Hersteller) sollte ein Durchschnittswert von 140 Gramm erreicht werden, was heute jedoch unmöglich erscheint.

Die Selbstverpflichtungen wurden in Abkommen mit der EU-Kommission festgeschrieben. Die Behörde kündigte damals schon gesetzliche Regelungen für den Fall an, dass die Autohersteller ihre selbstgesteckten Ziele verfehlen sollten. Überraschend kommen Dimas' Vorschläge also nicht.

Dennoch hat sich der griechische Umweltkommissar bislang noch nicht einmal innerhalb der Kommission durchsetzen können. Der deutsche Industriekommissar Günter Verheugen ist gegen eine gesetzliche Obergrenze für den CO2-Ausstoß. Wegen dieser internen Unstimmigkeiten verschob die EU-Kommission in der vergangenen Woche die Vorstellung ihres seit langem angekündigten Strategiepapiers zum Klimaschutz im Straßenverkehr.

Alternativen: Emissionshandel oder sparsame Fahrweise

Verheugen hatte unter anderem vorgeschlagen, die Verbraucher zu einer sparsameren Fahrweise anzuhalten. Zudem regte er an, die Autohersteller in den europaweiten Emissionshandel einzubeziehen. Die Hersteller wären dann nicht gezwungen, den Durchschnittsverbrauch von Neufahrzeugen tatsächlich auf 120 Gramm pro Kilometer zu senken. Sie könnten stattdessen auch Emissionsrechte aus anderen Branchen zukaufen oder sich Umweltprojekte etwa in Entwicklungsländern auf ihre Emissionsbilanz anrechnen lassen.

Doch aus Deutschland kommt nicht nur Kritik: Umweltminister Sigmar Gabriel stärkte heute erneut Umweltkommissar Dimas den Rücken. "Die Automobilindustrie darf in dieser Frage nicht aus der Verantwortung entlassen werden", schrieb Gabriel in einem Beitrag für das Online-Portal des Auto Club Europa.

Wann und in welcher Form diese Strategie nun vorgelegt wird, ist unklar. Laitenberger unterstrich, es gehe nicht "um eine Woche oder zwei", sondern darum, "die Dinge richtig hinzubekommen". Die Strategie wäre ohnehin noch kein Gesetzentwurf, sondern lediglich eine Ankündigung für eine spätere gesetzliche Regelung. Liegt irgendwann dann tatsächlich ein Gesetzentwurf auf dem Tisch, so muss dieser zusätzlich von den EU-Regierungen und vom Europaparlament verabschiedet werden.

sto/AP/Reuters

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insgesamt 1117 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.08.2009 von rkinfo:

Nun der Zubau an EEs erfolgt nicht so massiv wie nötig. Und das Abschalten der AKWs wird bald den CO2-Ausstoss aus dem Kraftwerkseinsatz deutlich erhöhen. Mittlerweile ist unsere Klimaschutz kurz vor dem scheitern da wir [...] mehr...

03.08.2009 von rafkuß: Weder in einer Bauwagenkommune noch woanders ...

...je gelebt. Oder können Sie mir erklären, worin der große Unterschied liegen soll? Dass - besonders nahes - Zusammenleben ein erweitertes Maß an Toleranz und Sozialisation erfordert, sollte sogar jedem (Ehe)partner klar sein. [...] mehr...

02.08.2009 von good boy: Gute FRage

Mhh die Soziale Ruhe ist wichtig da sie im zusammensoiel mit Arbeitsplätzen steht!Beschäftigung und Geldverdienen um Leben zu können aus dieser sicht ist es sehr Wichtig denn wenn alle Arbeitslos sind oder genug dann brennts,und [...] mehr...

17.04.2009 von Seldon: Weniger Arbeit!

Genau! Das ist doch die aktuelle Situation: Die Produktivität ist dermaßen hoch, daß weit weniger Arbeit für alle ausrteichen würde, um für alle ein erfülltes und vergleichbar luxuriöses Leben zu gewährleisten. Was uns daran [...] mehr...

17.04.2009 von GM64: Das ist falsch

Für den Klimaschutz braucht man nicht viel Geld, im Gegenteil man muss unnötige Tätigkeiten unterlassen. Wir müssen das Paradigma der Gesellschaft ändern. Es soll nur das getan werden was nötig ist. Aber bei uns ist die [...] mehr...

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  • Datum: Montag 29.01.2007 | 16:09 Uhr
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