Von Antje Blinda
Der Arzt zückt sein Köfferchen, springt in sein PAL-V und startet gen Flugplatz. Dort lässt er sich eine Starterlaubnis geben, fährt in zwei Minuten den Flügel seines Gefährts aus – und hebt ab. Über alle Staus und Ampeln hinweg, Richtung Patient. Gelandet, klappt er die Flugausrüstung wieder ein und ist in kürzester Zeit bei dem Notfall vor Ort. Eine Vision? Ja, aber eine, die gute Chancen hat, in rund vier Jahren auf und über deutschen Straßen Realität zu werden. "Die ersten Tests mit Prototypen werden Mitte nächsten Jahres stattfinden", sagt Robert Dingemanse, Manager bei PAL-V Europe, und kündigt die Marktreife für Ende 2010 an.
Sechs Jahre lang tüftelte Cheftechniker John Bakker gemeinsam mit dem niederländischen Flug- und Raumforschungsinstitut NLR an seinem Konzept eines fliegenden Autos: Das schlanke, zweisitzige "Personal Air/Land Vehicle", kurz PAL-V, ist eine Kreuzung aus Dreirad und Gyrocopter. Die auch Tragflügler genannten, sehr leichten Fluggeräte wurden schon in den zwanziger Jahren erfunden: Die Rotorblätter werden nicht wie beim Hubschrauber durch einen Motor angetrieben, sondern nutzen durch angestellte Blätter den Auftrieb des Fahrtwinds. Den nötigen Schub verschafft Anschleppen - oder wie beim PAL-V - ein Propeller am Heck.
"Das PAL-V ist viel sicherer als ein Helikopter, da es als Gyrocopter auch bei Ausfall des Motors durch die Luft gleiten und langsam absteigen kann", sagt Dingemanse. Beim Landen kann es einfach aufsetzen, benötigt beim Start allerdings eine minimale Strecke von 50 Metern. Angetrieben von einem Mazda-Automotor mit normalem Kraftstoff oder Biosprit, soll das PAL-V zu Lande wie in der Luft bis zu 200 km/h schnell werden.
Auf dem Boden wird das Fahrgefühl dem auf einem Motorrad ähneln: Bakker hat aus dem Dreirad Carver One des niederländischen Herstellers Vandenbrink die mechanisch-hydraulische Neigetechnik übernommen, bei der der Fahrer schräg in der Kurve liegt. Die Entwickler planen einen Verbrauch von rund 3,4 l/100 km am Boden bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h und rund acht l/100 km bei Windstille in der Luft.
"Die Finanzierung der ersten Phase steht", sagt Robert Dingemanse, "die ersten Investoren für den Bau von Prototypen sind gefunden." Noch ist unklar, ob der Firmensitz nach Belgien oder Deutschland verlegt wird. Für die zweite Phase bis zur Serienfertigung werden noch Finanziers gesucht. Das Interesse an dem Flugmobil jedenfalls ist groß: Jeden Tag meldeten sich laut Dingemanse Interessenten.
Denkbar ist der Einsatz für Hilfsorganisationen und Ärzte, aber auch für Grenz- und Pipeline-Kontrollen – oder einfach nur aus Spaß. Die nötige Flugerlaubnis jedenfalls sei einfach zu erhalten: Mit einer Ultraleichtflug-Lizenz plus Zusatzprüfung darf man legal - allerdings nur von Flugplätzen aus - in die Luft gehen. Das PAL-V wird sich stets unter 1500 Meter Höhe bewegen, und damit in einem relativ freien Luftraum. Auf Straßen wird ein Auto-Führerschein ausreichen.
Mitten im Stau abheben
Die Idee vom fliegenden Auto ist so alt wie das fahrende Auto selbst - und bisher nie im Alltag umgesetzt worden: Neben technischen Schwierigkeiten sind es immer wieder bürokratische und finanzielle Hindernisse, die die Konstruktionen am Boden halten. Eines der bekanntesten und umstrittensten Flugautos der letzten Jahre ist das "Skycar", das der US-Amerikaner Paul Moller in rund 30 Jahren entwickelte.
Acht Wankelmotoren mit rund 1000 PS treiben Propeller an den vier Ecken des Skycars an und sollen es auf rund 600 km/h bringen - bisher hat es allerdings nur zu wackeligem und ohrenbetäubend lautem Schwebeflug gereicht. Der Prototyp des viersitzigen Modells "Moller Skycar M400X" fand im vergangenen Oktober bei eBay für drei Millionen Dollar einen Interessenten, was dem Erbauer letztlich noch zu wenig war. Eine Serienfertigung des futuristischen Flugkörpers, geschweige denn eine Zulassung durch die US-Behörden ist nicht in Sicht.
Dagegen sind die PAL-V-Entwickler zuversichtlich, dass es keine Zulassungsschwierigkeiten für ihr Flugauto geben wird. Der Hybrid stimme mit neuen Gesetzen, die 2004 in den USA und 2005 in Europa in Kraft traten, überein. Eine "Revolution in der Tür-zu-Tür-Mobilität", wie der Hersteller vollmundig verspricht, wird der PAL-V hingegen nicht auslösen. Dafür ist er mit einem Preis ähnlich dem eines Luxuswagens zu teuer, der Fluglizenz-Erwerb zu aufwendig. Und der Traum eines jeden Autofahrers, mitten im Stau abzuheben und der Blechkolonne den Heckpropeller zu zeigen, wird noch von den Behörden ausgebremst - und vom gesunden Menschenverstand.
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Um frei zu sein, genügt es, über den großen Teich zu fliegen. Oder, sicherlich auch bald, nach Russland. Wen es in höhere Sphären zieht, dem sei der Irak empfohlen. mehr...
Ihr habt alle recht - Kein deutscher Beamter würde jemals einem deutschen Bürger zugestehen, ohne die Auflage von 762 Gesetzen, Paragraphen und Verordnungen eine höhere Dimension zu benutzen, als sie selbst auf ihren verfurzten [...] mehr...
....als dass "deutsche Behörden" die 3. Dimension für den Individualverkehr frei gibt. Andererseits, was man da wieder überwachen und entsprechend kassieren könnte....... mehr...
wenn ich hier die antworten lese, nicht nuer die pessimisten auch nostradamus ist wieder unterwegs.. mehr...
Falls diese Geräte einigermaßen leicht zu fliegen sind, werden sie, wie Ultraleichtflugzeuge, in der Freizeitfliegerei sicher einen Platz finden, aber der Absatz in Europa wird unter 20.000 pro Jahr bleiben. Der überbordenden [...] mehr...
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