Nürburgring: Circus Maximus des Motorsports

Von Jürgen Pander

2. Teil: Vollgas-Wettrüsten in der Nazizeit

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt der Motorsport einen enormen Auftrieb – vor allem deshalb, weil staatliche Gelder flossen, um die deutschen Autos zu den schnellsten der Welt entwickeln zu können. Rennsport wurde zum Propagandainstrument. Es folgten Jahre, in denen erbitterte Duelle zwischen den Rennwagen und Rennfahrern von Mercedes-Benz und Auto Union auf dem Nürburgring ausgetragen wurden. Die Protagonisten hinterm Lenkrad hießen damals Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck, Rudolf Caracciola, Bernd Rosemeyer oder Hermann Lang.

Der Krieg stoppte das Vollgas-Wettrüsten. Aus dem Nürburging-Hotel "Tribüne" wurde ein Auffanglager und Lazarett, später zerstörten alliierte Panzer Teile der Rennstrecke. Doch kaum war die Nazi-Diktatur am Ende, wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Im Jahr 1947 fand das erste Rennen auf der Südschleife statt, die Nordschleife war 1949 wieder bereit für die PS-Artisten. Ab 1951 gastierte die Formel 1 in der Eifel, die Anziehungskraft der tollkühnen Typen in ihren brüllenden Kisten hatte nicht abgenommen. Zum Großen Preis von Europa des Jahres 1954 kamen 400.000 Zuschauer und sahen einen Sieg von Juan Manuel Fangio auf Mercedes – und sie wurden Zeugen, wie der argentinische Rennfahrer Onofré Augustin Marimón sein Leben verlor.

Die späten fünfziger und die sechziger Jahre gelten als goldene Zeit des Nürburgrings. Doch allmählich zeigte sich auch, dass die Strecke den immer schnelleren Autos immer weniger entsprach. 1970 schließlich boykottierten die Formel-1-Fahrer den Kurs – er war ihnen zu gefährlich geworden. In der Folge wurden 21 Millionen Mark in breitere Auslaufzonen, Fangzäune und andere Sicherheitsmaßnahmen investiert. Die Formel 1 kehrte zurück, doch die Nordschleife war durch die Umbauten eher schneller und damit noch risikoreicher geworden. Der Unfall von Niki Lauda beim Grand Prix 1976, bei dem der Fahrer mit schwersten Verbrennungen nur knapp dem Tod entkam, bedeutete das Ende der Formel-1-Geschichte in der grünen Hölle.

"Der allmächtige Ring"

Weil für die strukturschwache Region der Motorsport jedoch längst zum unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden war, wurde der Neubau einer komplett neuen Rennstrecke beschlossen. Dieser neue Nürburgring wurde für 84 Millionen Mark in den Folgejahren gebaut und im Mai 1984 eingeweiht. Inzwischen ist die Formel 1 in die Eifel zurückgekehrt – und dort ein ganzer Vergnügungspark rund um die Rennstrecke gewachsen, um die Besucher auch dann anzulocken, wenn weder Truck-Grand-Prix, 24-Stunden-Rennen, DTM oder "Rock am Ring" stattfinden.

Zum 75-jährigen Jubiläum des Nürburgrings komponierte der Musiker und Rennfahrer Helmut Zerlett die Hymne "King of the Ring", in der Reamonn-Sänger Ray Garvey vom "allmächtigen Ring" schmettert. Zum 80. Geburtstag in diesem Jahr hat sich Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz etwas Neues ausgedacht: Eine Kurvenkombination der neuen Rennstrecke erhält den Namen "Schumacher-S". Der ehemalige Formel-1-Champion wird bei der Einweihung am 22. Juli als erster durch diese Schikane fahren – ehe sich seine Ex-Konkurrenten Alonso, Fisichella und Raikkönen dort durchschlängeln müssen.

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  • Datum: Donnerstag 14.06.2007 | 11:26 Uhr
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