Demografie und Automarkt: "Kuba-Effekt" in Deutschland

"Der Alterungsprozess der Bevölkerung hat den deutschen Automarkt erreicht", schreibt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschaftler an der Fachhochschule Gelsenkirchen in einer aktuellen Studie. Ermittelt wurde auch, welche Marke die jüngsten und ältesten Käufer hat.

Die Konjunktur brummt, doch der Automarkt in Deutschland kommt nicht so recht auf Touren. Liegt es an der gestiegenen Mehrwertsteuer? Liegt es an den hohen Kraftstoffpreisen? Oder gar am Sommerwetter, das die Menschen aufs Fahrrad umsteigen lässt? Weder noch, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Die Demografie hat den deutschen Automarkt erreicht, und die Konsequenz daraus lautet: Hohes Alter der Neuwagenkäufer und niedrigere Verkaufszahlen. Damit müssen die Hersteller in den den nächsten 15 Jahren leben."

Dudenhöffer belegt die These mit zahlreichen Daten. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1,64 Millionen Pkw auf private Nutzer neu zugelassen, also verkauft; demgegenüber wurden 1,82 Millionen Autos auf Firmen zugelassen. Entscheidend aber ist: Die Privatkunden werden immer älter - das Durchschnittsalter des Neuwagenkäufers betrug im vergangenen Jahr in Deutschland 50,2 Jahre. Auf die über 60-Jährigen entfielen beachtliche 29 Prozent aller Neuwagenkäufe. Und wiederum fast 10 Prozent der Neuwagenkäufer (zirka 160.000 Menschen) waren 70 Jahre oder älter.

Interessant ist ein Blick auf das Alter der Neuwagenkäufer der unterschiedlichen Marken in Deutschland. Zwei englische Marken markieren die Bandbreite: Mit durchschnittlich 39,7 Jahren hat Lotus die jüngsten Käufer hierzulande und Rolls-Royce mit durchschnittlich 59,8 Jahren die ältesten. Die Werte für die drei deutschen "Premium"-Marken lauten 50,0 Jahre für Audi, 51,3 Jahre für BMW und 54,8 Jahre für Mercedes. Bei den Sportwagenkäufern sind im Schnitt Lamborghini-Kunden (44,2 Jahre) recht jung, es folgen Porsche (47,9 Jahre) und Ferrari (49,5 Jahre). Übrigens: Bei den Zuffenhausenern sind nicht die Käufer des Geländewagens Cayenne die ältesten, sondern die des Klassikers Porsche 911 mit 48,7 Jahren Durchschnittsalter.

Vergleichsweise junge Käufer bei Mini und Smart

Die Altersstruktur der Käufer bei den drei deutschen Volumenmarken Ford, Opel und VW weist eine so genannte Höcker-Struktur auf. Das heißt, dass besonders viele Käufer zwischen 40 und 45 Jahre alt sind, die Kurve danach abfällt und bei den Käufern über 65 Jahre nochmals ansteigt. Völlig gegensätzlich ist das Bild bei den Marken Smart und Mini, wo die meisten Käufer zwischen 35 und 45 Jahre alt sind, und die ältere Kundschaft weit weniger häufig vertreten ist.

Mit dem Alter der Neuwagenkäufer, argumentiert Dudenhöffer, gehe auch das Verkaufsvolumen zurück. Ganz einfach deshalb, weil die Kilometerleistung älterer Autofahrer geringer ist als diejenige jüngerer Autonutzer. Die Folge: Die Autos altern laut Tachostand nicht mehr so rasch - und werden deshalb auch seltener ersetzt. Dudenhöffer: "Der Auswechselprozeß des Fahrzeugbestands verliert an Geschwindigkeit. Nach unserer Einschätzung reduziert dieser Struktureffekt den deutschen Automarkt um 70.000 bis 80.000 Neuwagenverkäufe pro Jahr - und zwar trotz guter Konjunktur und hoher Wachstumsraten."

Das Durchschnittsauto in Deutschland ist 8,1 Jahre alt

Es hat also offenbar auch demografische Gründe, dass der Fahrzeugbestand in Deutschland immer älter wird. Das Durchschnittsalter der Autos auf den hiesigen Straßen liegt derzeit bei 8,1 Jahren - in den neunziger Jahren noch pendelte dieser Wert um 6,5 Jahre. Die Automobilforscher sprechen vom "Kuba-Effekt", benannt nach den vielen alten Fahrzeugen auf Kuba.

Bei einem Vergleich des durchschnittlichen Alters aller Autos liegt Deutschland mit 8,1 Jahren auf einem der hinteren Plätze in Europa. Nur die Fahrzeuge in Portugal, Griechenland und Finnland sind im Schnitt noch älter. Die jüngsten Pkw-Flotten sind in Luxemburg (5,5 Jahre), Irland (6,0 Jahre) und England (7,1 Jahre) unterwegs. Fazit Dudenhöffer: "Auch im Konjunkturaufschwung werden in den nächsten Jahren nicht mehr die goldenen Verkaufszeiten des früheren deutschen Automarkts erreicht. Darauf müssen sich die Hersteller und Händler einstellen."

jüp

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  • Datum: Montag 11.06.2007 | 12:48 Uhr
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