50 Jahre Hymer: Das Huckepack-Hotel

Von Tom Grünweg

Heimat zum Mitnehmen: Das war Erwin Hymers Idee, als er vor 50 Jahren seinen ersten Caravan baute. Er schuf ein Wohnwagen- und Reisemobil-Imperium - mit dem simplen Versprechen von Freiheit im rollenden Reisehäuschen.

Es waren einmal Puck, Faun und Troll.

Keine Waldgeister aus dem Märchenland - sondern die ersten Wohnwagen von Erwin Hymer. Reisehäuschen. Heime auf Rädern. Ein Zuhause zum Mitnehmen.

Vor 50 Jahren hat er die ersten Exemplare entworfen, in der Werkstatt seiner Eltern. Er wollte seinen Traum leben - "selbständig arbeiten dürfen". Genau das hat er getan. Und mittlerweile durch Wachstum und die Übernahme diverser Konkurrenten ein stattliches Caravaning-Imperium aufgebaut. Seinerzeit erwirtschaftete er einen Jahresumsatz von einer Million Mark, verkaufte im ersten Jahr ein paar hundert Wohnwagen. Heute lässt Hymer rund 3000 Menschen für sich arbeiten, die mehr als 11.000 Freizeitfahrzeuge bauen - mit mehr als 360 Millionen Euro Umsatz.

Reisemobil statt Anhänger

Der Pionier, heute 77, war immer experimentierfreudig. Er übernahm schon in den ersten Tagen Ideen aus dem Flugzeugbau in seine Pläne. Er entwarf damals jenen Ur-Troll, der noch heute verkauft wird: als "Eriba Touring", benannt nach Konstrukteur Erich Bachem. Neben dem Wohnwagen setzte er auf das Reisemobil als "Ferienappartement mit Motor und Rädern". Doch der erste Erfolg währte nur kurz - sein Lieferant Borgward ging 1961 in Konkurs. Es dauerte zehn Jahre, bis Hymer es noch mal versuchte. Doch dann landete er einen Coup.

Statt einfach einen Wohnwagen auf eine Pritsche zu schrauben, entwickelte er über Zwischenstufen das vollintegrierte Wohnmobil - das seither seinen Namen trägt. Diese Hymermobile waren die ersten Freizeitfahrzeuge, die das Fahrerhaus in das Wohnkonzept einbezogen und oft komplett auf die Karosserie des Fahrzeugherstellers verzichteten. Sie setzten einen Trend, der mittlerweile das Bild auf Campingplätzen bestimmt.

Seit Hymers Anfängen ist der Markt enorm gewachsen. "Derzeit sind mehr als 4,3 Millionen Caravans und mehr als 1,1 Millionen Reisemobile auf Europas Straßen unterwegs", sagt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning-Industrieverbands CIVD. In Deutschland schätzt er die Flotte auf 610.000 Wohnwagen und etwa 980.000 Wohnmobile. In der Nachkriegszeit schuf der Wohnwagen die Grundlage, "in den vergangenen zwei Jahrzehnten hat dann das Reisemobil das Wachstum vorangetrieben", sagt Sternberg.

Wirtschafts-Faktor Caravaning

Allein in Deutschland haben die Hersteller im vergangenen Jahr gut 21.000 Reisemobile und 22.000 Caravans verkauft, insgesamt fast drei Milliarden Euro umgesetzt. 50.000 Fahrzeuge wurden außerdem exportiert, in mehr als 50 Länder. Die Deutschen haben Sternberg zufolge heute 72 Prozent Exportquote bei Caravans und 51 Prozent bei Reisemobilen - und damit eine führende Stellung in Europa.

Entgegen aller Vorurteile sind aber nicht die Niederlande der größte Absatzmarkt im Ausland. Im ersten Quartal 2007 führte laut CIVD bei den Wohnwagen Großbritannien (9928) vor Deutschland (4256) und den Niederlanden (3463). Bei den Reisemobilen lag Deutschland (4898) vor Frankreich (4810) und Italien (4450).

Die Kunden geben im Schnitt 14.100 Euro für ihren Wohnwagen und 52.600 Euro für ihr Reisemobil aus. 2,4 Millionen-mal waren Deutsche 2005 mit Caravan oder Reisemobil unterwegs, hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ermittelt (bei 64 Millionen Urlaubsreisen insgesamt). Laut einer Studie des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr DWIF summiert sich der Bruttoumsatz aus dem Camping- und Caravaning-Tourismus auf 9,5 Milliarden Euro im Jahr. Das Geld sichert 164.000 Arbeitsplätze, die von der Branche abhängen.

Über die Zukunft muss sich Erwin Hymer keine Sorgen machen.

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insgesamt 35 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
15.08.2007 von Olaf:

Das stimmt! Ich sehe im Fernsehen auch immer nur Berichte über Dauercamper. Für mich bedeutet Campen aber etwas ganz anderes. Das Herumziehen mit dem Wohnwagen in Europa hat auch etwas mit gelebter Freiheit zu tun. Ein Aspekt [...] mehr...

15.08.2007 von Dieter 58:

Dauercamper sind keine Camper, sondern "Kleingärtner" ohne Garten! Das hat mit Camping und Urlaub absolut nichts zu tun! Aber ganz ehrlich, wenn ich in einer tristen Vorstadt in einem Betonklotz - womöglich ohne [...] mehr...

15.08.2007 von Texmex:

Fuer uns ist es auch eine Kostensache, da Camping in USA erheblich billiger ist als Hotel oder Ferienwohnung. Campingplätze in National Parks, National Forests oder State Parks kosten teilweise nur 1/10 und liegen mittendrin, [...] mehr...

15.08.2007 von Polar:

Klar, columbo, die Plätze gibt´s. Dazu noch alles parzelliert oder der Camper steckt seinen eigenen Claim ab, Grill- und Radioverbot und strikteste Mittagsruhe von 11.00-16.00 und Nachtruhe von 20.00-9.00. Aber da gibt´s in [...] mehr...

15.08.2007 von Dieter 58:

Natürlich gibt es auch Campingplätze, deren Schreckensbild Sie hier gerade an die Wand malen! Aber es werden immer weniger... Auf den Plätzen, auf denen wir Urlaub machen, gibt es das alles nicht - bis auf die korpulenten [...] mehr...

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  • Datum: Dienstag 07.08.2007 | 05:59 Uhr
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