Von Tom Hillenbrand
Gleichzeitig hatte das Wunderauto mit einem mächtigen Feind im eigenen Haus zu kämpfen: Ford-Markenchef Robert McNamara, später US-Verteidigungsminister, hatte das Edsel-Projekt von Anfang an für ebenso teuer wie sinnlos gehalten. "Es war nicht zu retten, und es war auch nicht wünschenswert, es zu retten", sagte McNamara Jahre später der "New York Times". "Das war ein Desaster". Dieser Erkenntnis folgend begann McNamara bereits vor dem Verkaufsstart, das E-Projekt zu bekämpfen und machte Edsel-Markenchef Krafve das Leben so schwer wie möglich. So verhinderte McNamara, dass der Edsel eigene Produktionsstätten bekam. Alle Fahrzeuge wurden stattdessen in den Fabriken der Divisionen Ford und Mercury quasi nebenbei montiert. Edsel-Ingenieure und -Manager waren vor Ort unerwünscht.
Ford stand für "fix or repair daily"
Die Qualität der Wagen war entsprechend. Als nach einer Presse-Präsentation 71 Journalisten mit Edsel-Testwagen in ihre jeweiligen Heimatstädte fahren sollten, kamen bei weitem nicht alle an. Ein Redakteur musste auf dem Weg nach Hause dreimal in die Werkstatt. Für Spötter war die Pannenkutsche Edsel ein weiterer Beleg dafür, dass Ford ein Akronym sei - für "Fix or repair daily" (täglich ausbessern und reparieren).
Die Absatzzahlen des Edsel waren eine Katastrophe. Während Ford im Dezember 1957 per Pressemitteilung noch Patronatserklärungen ("Der Edsel bleibt") abgab, wurde intern bereits am Ausstieg gearbeitet. Als FC&B-Chef Fairfax Cone mit einem großen Team von Werbeleuten in Dearborn weilte, eröffnete ihm McNamara: "Ihre Leute müssen sie alle feuern. Wir haben beschlossen, den Edsel zu stoppen." Ganz so schnell, wie sich der ehrgeizige Ford-Manager die Sache vorstellte, ging es allerdings nicht. Ford hatte schließlich 1500 Autohändler dazu überredet, exklusive Edsel-Shops zu eröffnen und saß zudem auf bereits georderten Bauteilen. Entsprechend produzierte der Konzern noch ein 59er und ein 60er Modell, bevor der Edsel im November 1959 nach gerade mal zwei Jahren offiziell beerdigt wurde. Statt der projektierten Million waren zu diesem Zeitpunkt lediglich 110.847 Autos vom Band gerollt.
50 Jahre später ist der Edsel eine Oldtimer-Rarität. Wegen Qualitätsproblemen, geringer Stückzahl und dem Image des Verlierer-Autos sind nur wenige Exemplare erhalten geblieben - die meisten von ihnen in den USA. Vom 23. bis zum 28. Juli treffen sich die Besitzer der letzten Edsels in Dearborn zum goldenen Jubiläum. Sie werden in ihren Citations, Pacers und Corsairs die Telegraph Road entlangzuckeln, um, wie es in der Einladung heißt "Detroits größten weißen Elefanten zu zelebrieren". Bei Ford hingegen sind keinerlei Feierlichkeiten geplant.
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