Porsches Hybrid-Cayenne: Geländewagen unter Strom

Aus Weissach berichtet Roman Büttner

Als erster Porsche soll der wuchtige Geländewagen Cayenne ab 2009 mit elektrischer Unterstützung fahren. Dadurch soll der Benzinverbrauch um mehr als 25 Prozent sinken. SPIEGEL ONLINE hat sich den lautlosen Zweitonner schon mal angeschaut.

Porsches Cayenne ist schnittig - und schmutzig: 310 Gramm Kohlendioxid (CO2) stößt der Sport-Geländewagen (SUV) pro Kilometer aus und ist damit weit, sehr weit entfernt von dem Flottendurchschnittswert von 140 Gramm, den die deutschen Autohersteller für 2008 in Aussicht gestellt haben. Mit dem kleinsten Aggregat der Baureihe – dem 3,6-Liter-Sechszylinder – verbraucht der Cayenne zudem durchschnittlich 12,9 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. In der Stadt sind es mehr als 18 Liter. Der Pkw-Verkehr ist weltweit für zwölf Prozent des CO2-Gesamtausstoßes verantwortlich. Inzwischen wird vielen Konsumenten beim Gedanken an die vom Treibhausgas beförderte Klimaerwärmung mulmig. Selbst ein Sportwagenhersteller wie Porsche muss darauf reagieren. Vielleicht gerade Porsche, dessen Kundschaft vor allem aus gut betuchten Akademikern besteht.

Bei Porsche ist man der Meinung, dass sich das Problem mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren kaum lösen lässt. Deren Sparpotenzial sei nahezu ausgereizt. "Mit der herkömmlichen Technik stoßen wir an unsere Grenzen", sagt Dr. Michael Leiters, Projektleiter bei Porsche für den Hybrid-Cayenne.

Mehr Kraft als der Verbrennungsmotor

Deshalb wird der Geländewagen ab Ende 2009 auch mit Hybridantrieb und Automatikgetriebe erhältlich sein. Zugleich soll sich der elektrifizierte SUV natürlich so fahren lassen, wie man es von einem Porsche gewohnt ist. "Wir reden nicht von der Diät-Margarine, wir wollen Butter anbieten", erklärt Leiters.

Dafür eignet sich der Parallel-Hybrid, bei dem Verbrennungsmotor und Hybrideinheit über eine Trennkupplung direkt miteinander verbunden sind, besonders gut. Sogar das Drehmoment lässt sich steigern: Liefert der 3,6-Liter-Verbrennungsmotor ein maximales Drehmoment von 375 Nm bei 3000 Umdrehungen pro Minute und 280 PS Leistung, erreicht der Hybrid mehr als 500 Nm – und das bereits bei ca. 1500 Umdrehungen.

Der Elektromotor leistet 54 PS. Nach Angaben von Porsche reduziert der neue Antrieb den Kraftstoffverbrauch derzeit von 12,9 auf 9,8 Liter per 100 Kilometer. Bis zum Verkaufstart soll der Benzindurst des Geländegängers nochmals sinken, bis auf 8,9 Liter.

Prinzip Fahrraddynamo

Tatsächlich lässt sich der Prototyp des Hybrid-Cayennes trotz seines Mehrgewichts von rund 150 Kilogramm flott fahren. Eine Start-Stopp-Automatik schaltet das Verbrennungsaggregat nur zu, wenn es wirklich gebraucht wird. Zum Anfahren genügt die Kraft des Elektromotors allemal. Über eine "Ready"-Anzeige auf der Instrumententafel signalisiert das Fahrzeug seine Betriebsbereitschaft.

Eine weitere Anzeige informiert den Fahrer darüber, welcher der beiden Motoren gerade für den Vortrieb sorgt und wann die Batterie geladen wird. Dies geschieht entweder wie bei einem Stromgenerator über den herkömmlichen Motor oder per Bremsenergie-Rückgewinnung. Dabei wird im Antriebsstrang ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das ähnlich wie ein Fahrraddynamo funktioniert und die Batterie lädt. Durch dieses Magnetfeld kann auch zusätzliche Bremswirkung erzielt werden. Weil an den Bremsscheiben viel Bewegungsenergie als Wärme verloren geht, sind die Hybrid-Entwickler bemüht, soviel Bremsenergie wie möglich zu recyceln.

Fußgänger, aufgepasst

Die knapp 70 Kilogramm schwere Nickel-Metallhybrid-Batterie ist in der Reserveradmulde untergebracht. Dafür muss das Notrad entfallen, das aber ohnehin nur als Sonderausstattung erhältlich ist. Dank der Strom-Komponente soll der Cayenne im realen Fahrbetrieb bis zu 25 Prozent weniger Benzin verbrauchen. Weitere drei Prozent könnten durch den Einsatz einer Lithium-Ionen-Batterie eingespart werden. Die ist jedoch bisher nicht einsatzfähig, ihre Lebensdauer ist noch zu gering. Wolfgang Herdeg, Leiter der Vorentwicklung Elektrik/Elektronik bei Porsche, rechnet mit einer Serienreife nicht vor 2010.

Für das Klima könnten Hybridwagen ein Segen sein - eine ganz unerwarteter Nebeneffekt der neuen Technologie ist jedoch, dass Fußgänger in Zukunft wohl besser Acht geben müssen: Der über zwei Tonnen schwere Porsche Cayenne rollt nahezu ohne Geräusch los, sobald der Fahrer das Gaspedal berührt. Auf dem Testgelände im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach müssen die Tester deshalb besonders auf Fußgänger achten, die den lautlosen Geländewagen vielleicht nicht wahrgenommen haben.

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  • Datum: Dienstag 24.07.2007 | 12:50 Uhr
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