Deutsche Alpenstraße: Bayerns Asphalt-Lindwurm

Von Jürgen Pander

Wo sich lustige Musikanten tummeln und Maßkrüge auf den Stammtischen stehen, lässt sich auch prima Auto fahren. Ganz im Süden Bayerns schmiegt sich die Deutsche Alpenstraße gelenkig in die Berglandschaft.

Wenn der Himmel genau so aussieht wie Rautentischdecken in den Biergärten, dann ist die Welt in Ordnung im Süden Bayerns, wo sich die Felsbastionen der Alpen auftürmen. Die Gegend voller Berge, Almwiesen und Seen ist seit gut hundert Jahren vor allem Touristenziel und Urlaubsland.

Und so ist es nicht überraschend, dass sich hier eine der ältesten Ferienrouten befindet, die Deutsche Alpenstraße. In diesem Jahr wird die so bezeichnete Strecke, die sich über 465 Kilometer zwischen Lindau am Bodensee bis Berchtesgaden am Königssee schlängelt, 80 Jahre alt. Wer die Route abfährt, erlebt eine Art "Best Of" dessen, was gemeinhin als Bayern wahrgenommen wird: 21 Bergseen, 25 Burgen und Schlösser, 64 Kurorte und viele hundert Berggipfel.

Man muss aber nicht gleich zum Marathon einmal quer durch Südbayern aufbrechen, um einen Eindruck von der Schönheit und Vielfalt der Deutschen Alpenstraße zu erhalten. Wir beispielsweise waren nur knapp hundert Kilometer auf und etwas abseits dieser Route unterwegs, und zwar rund um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald - sozusagen im Herzen des süddeutschen Asphalt-Lindwurms.

Über die Autobahn 95 gelangt man flott an den Ausgangspunkt einer grandiosen Schleife auf der Alpenstraße, und es ist wohl das Beste, bei Murnau/Kochel die mehrspurige Piste zu verlassen und entlang des Staffelsees über Bad Kohlgrub das herrlich klischeebeladene Oberammergau (Herrgottschnitzer, Passionsspiele, Lüftlmalerei) zu erreichen, das einen Besuch wirklich lohnt. Wer für den bayerischen König Ludwig II. schwärmt, muss danach zweifellos einen Abstecher nach Schloss Linderhof machen; weniger monarchistisch gestimmte Gemüter kurven über Ettal - wo das berühmte Kloster zur Pause animiert - weiter gen Garmisch-Partenkirchen.

Was den Ausblick betrifft, erreicht man in der Doppelgemeinde am Fuß des Wettersteingebirges bereits den Höhepunkt der Tour, denn bei klarer Sicht ist der Blick frei auf die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg (2962 Meter), der besonders vom Eibsee hinter Grainau beeindruckend aussieht. Überhaupt empfiehlt es sich, eine der zahlreichen Haltebuchten entlang der Straße anzusteuern, um das Panorama auf Waxenstein und Zugspitze, auf Riffelköpfe und Alpspitze zu genießen. Näher als hier kommen Autofahrer selten an ein Postkartenidyll diesen Ausmaßes heran.

Rechts ab zur Schmalensee-Höhe

Weiter führt die Fahrt über die Bundesstraße 2 in manchen Kehren hinauf Richtung Mittenwald, die höchstgelegene Gemeinde Deutschlands auf gut 900 Metern Höhe. Am besten verlässt man bei Klais die bestens ausgebaute Bundesstraße und zweigt ab auf das schmale Sträßchen, das über die Schmalensee-Höhe (960 Meter) quasi auf einem Seitenweg nach Mittenwald führt, jenen Ort, den der Transitverkehr über die Alpen, der Geigenbau und vor allem die Touristen wohlhabend gemacht haben. Ganz anders als in Garmisch-Partenkirchen ist hier der dörflich-rustikale Charme erhalten geblieben. Und über allem wachen die beängstigend steil aufragenden Karwendelfelsen, die sich direkt hinter den letzten Häusern am östlichen Ortsrand gen Himmel strecken.

Man kann hier Ferien auf dem Bauernhof machen oder aber luxuriös logieren in den Edelherbergen Schloss Elmau und Schloß Kranzbach, die beide nur über eine Mautstraße von Klais aus zu erreichen sind. Wer neue Fahreindrücke sucht, wird sich in Mittenwald wieder gen Norden wenden und an der Isar entlang nach Krün und Wallgau fahren, wo es eine Entscheidung zu treffen gilt.

Rund ums Karwendel zum Achensee

Wer das Paradox erleben will, eine einsamen Berglandschaft mit dem Auto zu durchstreifen, biegt in Wallgau rechts ab (also nach Osten) und fährt über eine Mautstraße weiter an der Isar entlang nach Vorderriß und von da weiter auf der Bundesstraße 307 am Sylvenstein-Stausee vorbei in Richtung Achenpass, der nach Österreich hinüberführt - womit man die Deutsche Alpenstraße verlassen hätte, dafür aber das Karwendelgebirge nördlich umrundet, um am Tiroler Achensee zu landen.

Die andere Variante ist viel weniger einsam, aber nicht minder schön. Es geht in diesem Fall weiter in Riesenslalomkurven nach Norden an den Walchensee, dort, immer mit tollen Ausblicken auf das Wasser und die umstehenden Berggipfel, am Westufer entlang und in einigen Serpentinen auf den Lausbergkopf (995 Meter), von wo auch sich die Straße gut ausgebaut über den Kesselberg nach unten windet an den Kochelsee. Man erreicht dann den Ort Kochel am See. Dort gibt es schon die ersten Straßenschilder, die den Weg zurück zur Autobahn A 95 weisen, zur Auffahrt Murnau/Kochl. Die Alpenstraße hat man da längst wieder verlassen, aber die Berge bleiben noch lange im Rückspiegel.

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  • Datum: Montag 13.08.2007 | 15:28 Uhr
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