Druckbetankung: Zu grün, um wahr zu sein

Von Tom Hillenbrand

Audis neuer Kombi hat mehr Pferdestärken als zehn Smart, die Holländer bauen unzerstörbare Starenkästen und die Japaner entwickeln einen megaökologischen Kleinstwagen. Dies und mehr bei Druckbetankung, dem wöchentlichen Auto-Konzentrat von SPIEGEL ONLINE.

Selbst für japanische Verhältnisse sensationell umweltfreundlich ist ein neues Konzept der Firmen Loopwing und Tamiya. Sie bauen ein Auto, das mit garantiert CO2-frei produziertem Strom fährt. Den Saft liefert ein Windrad, das der Kunde zusammen mit dem Wägelchen erhält und zu Hause aufstellt. Einziger Haken: Es handelt sich um ein Modellbauset. Trotzdem vielleicht etwas, das die Autohersteller für die Internationale Automobilausstellung (IAA) im Jahr 2012 kopieren könnten.

Im Hier und Jetzt gibt es ab dem 11. September rund hundert konventionelle Neuheiten in Frankfurt zu besichtigen. Neu dazugekommen sind in den vergangenen Tagen:

Der Lancia Musa. Die kleine Großraumlimousine erhält ein aufgefrischtes Design. Zu erkennen ist der neue Jahrgang von außen an einer Frontpartie mit mehr Chrom und neuem Markenlogo im Kühlergrill. Außerdem gibt es ein retuschiertes Heck, an dem LED-Leuchten prangen. Wann und zu welchen Preisen der Wagen in den Handel kommt, ist ein Mysterium.

Skoda plant, sein Modell Fabia als sparsamere Greenline-Variante auf den Markt zu bringen. Außerdem arbeitet der tschechische Autohersteller an der freizeitorientierten Version Scout. Auf der IAA gibt es zudem einen angegrünten Fabia Combi, der lediglich 110 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Nähere Angaben zum Motor und zur Technik sind auch hier Fehlanzeige.

An einem preisgünstigen Stadtauto bastelt Fiat. Der Kleinstwagen soll laut "Automotive News Europe" die Plattform des Panda verwenden. Wird auch Zeit: Die Wettbewerber VW und Toyota präsentieren ihre Stadtauto-Konzepte bereits in der kommenden Woche.

Toyota will Tankstellenanbieter werden

Während die meisten europäischen Autohersteller serienreife Hybridfahrzeuge wohl erst in einigen Jahren präsentieren werden, erwägen Toyota und die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF bereits, ein europaweites Netz von Ladestationen für Elektro- und Hybridautos zu schaffen. Beide Unternehmen haben laut "Financial Times" eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Die Strom-Tankstellen sollen vor allem eine Infrastruktur für den Einsatz von sogenannten Plug-Ins schaffen, die ihre Akkus über das reguläre Stromnetz aufladen.

Doch keine Sorge, es gibt in Frankfurt auch gänzlich unvernünftige Autos zu besichtigen. Audi zum Beispiel hat den V10-Motor aus dem S6 mit zwei Turboladern bestückt und um das Aggregat herum eine Kombikarosserie gewickelt. Das Resultat ist der RS6. Dank üppigen 580 PS beschleunigt er in raketengleichen 4,6 Sekunden auf 100 km/h. Im Datenblatt sind auch Verbrauch und CO2-Wert angegeben - aber wer solch ein Geschoss (250 km/h Spitze) kauft, den interessiert das eh nicht.

Wer etwa beim Ausfahren seines neuen RS6 oder vielleicht des ebenfalls in Frankfurt gezeigten Bentley Continental GT Speed geblitzt wird, sollte nicht versuchen, seine Wut an dem Starenkasten auszulassen. Mitunter nehmen sich aggressive Zeitgenossen die Blitzer ja mit Eisenstangen, Schrotflinten oder Baseballstangen zur Brust, nach dem Motto: Tote plaudern nichts aus.

Das könnte in Zukunft schwierig werden, wenn es nach der niederländischen Firma Peek Control geht. Die Holländer haben einen unzerstörbaren Starenkasten namens Innovative Digital Enforcement Environment (Idee) entwickelt. Der vier Meter hohe Turm besitzt Rauch- und Vibrationssensoren, ist aus extradickem Stahl und Panzerglas. Rückt man ihm zu nahe, ruft er selbsttätig die Blaumeisen.

Rasen bringt ja ohnehin nichts. So mancher Autohersteller rät entschieden von Geschwindigkeitsübertretungen ab, wie diese Sammlung etlicher Porsche-Werbeclips aus den achtziger Jahren (siehe Einblendung) zeigt.

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  • Datum: Donnerstag 06.09.2007 | 15:38 Uhr
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