Vor einigen Jahren tauchten erstmals diese seltsamen Löcher in den Mittelkonsolen neuer Autos auf, die zunächst wirkten wie kleine Sammeldosen für die Parkgroschen. Doch schnell wurde klar: Es handelt sich um Getränkehalter. Hier sollten Autoinsassen ihre Dosen, Becher, Flaschen oder Thermoskannen während der Fahrt wackelsicher abstellen können.
Solch schlichte Vertiefungen gibt es noch. Manchmal sind sie originell bestückt wie etwa beim VW Golf, der einen Flaschenöffner im Getränkefach integriert hat. Manchmal verfügen die Halter auch über sogenannte Durchmesserausgleichsklappen, die dazu dienen, Gefäße unterschiedlicher Bauchigkeit kippsicher zu fixieren.
Es gibt aber auch sehr viel elaboriertere Getränkehalter. Die Firma Fischer Automotive Systems beispielsweise fertigt solche "kinematischen Komponenten", wie es in einer Selbstdarstellung heißt. Das Unternehmen mit Stammsitz in Waldachtal (Schwarzwald) und einer Fabrik in Horb ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für komplexe Auto-Getränkehalter. Gefertigt wird dort unter anderem der Dosengreifer für den Mercedes SL, ein unerhört filigranes Gesamtkunstwerk aus 46 Einzelteilen, die sich per Knopfdruck entfalten wie die Blüten in Walt Disneys Naturfilm "Die Wüste lebt".
Getränkehalter, das sind heute in vielen Autos ziemlich ausgefeilte Bauteile. So dämpft zum Beispiel Silikon die Bewegungen der Kunststoffgebilde beim Entfalten. Und in der Endposition verriegeln sich die Halterungen automatisch. Es gibt beleuchtete Typen und solche mit thermoplastischen Einlagen, die ein Klappern der Dose oder der Flasche unterdrücken. Manche können beheizt werden, um Tee oder Kaffee warm zu halten, andere lassen sich kühlen, wieder andere passen sich automatisch dem Durchmesser des jeweiligen Gefäßes an - von gut fünf bis knapp zehn Zentimeter. Und für die USA werden natürlich extra robuste und extra große Halterungen gefertigt, die sogar die 1,5 Liter fassenden Super-Gulp-Becher aufnehmen können.
Warum die einfache Vertiefung längst nicht mehr genügt, ist rasch erklärt: Die Getränke müssen im fahrenden Auto so positioniert werden, dass sie den Fahrer nicht bei der Bedienung des Wagens behindern. Und natürlich können sie auch nicht im Weg sein, falls ein Airbag sich entfaltet. Und schon gar nicht dürfen sie ihren Inhalt aus den Fängen lassen - was beispielsweise in Geländewagen, die ja für sehr unebene Wege konstruiert werden, durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe ist.
Gefährlich wird's bei einer dampfenden Tasse Kaffee
In Europa, das ergab eine Umfrage von Fischer Automotive Systems, werden Getränkehalter am häufigsten von englischen Autofahrern genutzt, gefolgt von den Pkw-Piloten in Frankreich und Italien. In Deutschland gaben lediglich drei Prozent der befragten Autofahrer an, den Getränkehalter im Wagen täglich zu benutzen. Andererseits werden längst nicht nur Durstlöscher in den dafür vorgesehenen Ablagen abgestellt. Für viele Autofahrer sind die Getränkehalter auch ideale Aufbewahrungsorte für Geld, Mobiltelefon, Schlüssel, Sonnenbrille oder Süßigkeiten im Auto - wie die Umfrage ebenfalls ergab.
Weil vor allem in den USA manche Autos mit mehr Getränkehaltern als Sitzplätzen ausgestattet sind und dort das Essen und Trinken im Auto als völlig normale Beschäftigung neben dem Fahren gilt, hat die Hagerty Versicherung untersuchen lassen, welche Nahrungsmittel besonders gefährlich für Autofahrer sind, weil sie seine Aufmerksamkeit nahezu komplett vom Geschehen auf der Straße ablenken. Auf Platz eins landete Kaffee in offenen Gefäßen, gefolgt von Suppe, Tacos, Hot Dog und Hamburger.
jüp
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