Projekt Nürburgring 2009: Disneyland an der Nordschleife

Von Tom Hillenbrand

Rollercoaster statt Rennstrecke: Aus dem altehrwürdigen Nürburgring soll ein gigantischer Vergnügungspark werden. Finanzierung und Erfolgsaussichten des kühnen Umbauplans sind ungewiss - andere Motorsport-Standorte haben den Eifel-Parcours ohnehin längst abgehängt.

Die Probleme von Nürburgring-Chef Walter Kafitz sind weit weg, aber das macht die Sache kaum besser. Seine Konkurrenz setzt im 5000 Kilometer entfernten Abu Dhabi derzeit einen Formel-1-Parcours plus 25-Hektar-Vergnügungspark in den Sand. Im noch weiter entfernten Singapur entsteht gerade eine Grand-Prix-Rennstrecke, auf der Boliden ab 2008 in Nachtrennen durch die hell erleuchtete Metropole rasen werden.

So viel Glanz und Glitz kann Kafitz nicht bieten. Sein Ring ist mit Nordschleife, Grüner Hölle und Fuchsröhre zwar Mythos pur - in Wahrheit ist die legendäre Rennstrecke aber etwas angegammelt. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hält den Parcours für piefig, die abseitige Lage schmeckt ihm auch nicht. Ecclestone möchte Rennsport eher wie in Abu Dhabi als hochtourige Zirkusshow inszenieren. Deshalb schaut die Formel 1 auch nur noch jedes zweite Jahr in der Eifel vorbei.

Kafitz plant nun mit dem Projekt Nürburgring 2009 den Befreiungsschlag: An der Rennstrecke soll ein riesiger Vergnügungspark entstehen und mit allerlei Attraktionen das Publikum in Scharen an die Strecke locken. Eine "Marken-Erlebniswelten" soll es geben, ebenso Shops und Fahrgeschäfte, darunter eine gigantische Indoor-Achterbahn namens Race Coaster. "Das wird die schnellste Achterbahn der Welt", verspricht der Manager.

Monetarisierung eines Mythos

Nach der Fertigstellung zur nächsten Formel-1-Visite im Sommer 2009 sollen pro Jahr eine halbe Millionen zusätzliche Besucher nach Nürburg-Land pilgern und, so das Kafitz'sche Kalkül, reichlich Geld ausgeben. Derzeit macht die Ring-Firma ungefähr 50 Millionen Umsatz im Jahr - bald soll es das Doppelte sein. Dazu müsste jeder Besucher statt der bisherigen 25 Euro fortan 40 Euro verkonsumieren - also satte 60 Prozent mehr.

"Das ist nicht so viel, wenn Geschäftskunden für mehrere Tage bleiben", verteidigt Kafitz seine Kalkulation. Bei Firmenevents am Ring bleibe viel Geld hängen, etwa wenn Manager zum Ausspannen den neuen 18-Loch-Golfplatz nutzen oder mit einem hochmotorisierten Leihwagen über die Nordschleife dengeln.

Skepsis ist angebracht. "Aufgrund der negativen Erfahrungen mit früheren Planzahlen bestehen Zweifel … ob die Erhöhung der Zahl der Besucher .. erreicht werden kann", kommentiert etwa der rheinland-pfälzische Rechnungshof in einem Prüfbericht die Prognosefähigkeit des seit 1994 amtierenden Ring-Geschäftsführers.

Selbst wenn die Besucherzahlen so stark steigen, wie die Eifel-Strategen um Kafitz glauben - den siechen Ring wird das so schnell wohl nicht sanieren. In den vergangenen Jahren lagen die Kosten alljährlich höher als der Ertrag - knapp 10 Millionen Euro Miese in den Jahren 2004 und 2005 waren das Resultat. Jetzt stellt die Ring-Firma kräftig Leute ein, was die Kosten weiter erhöhen dürfte. "Wir werden von 60 auf 200 Mitarbeiter wachsen", sagte Kafitz zu SPIEGEL ONLINE.

Rückendeckung von Kurt Beck

90 Prozent der Nürburgring GmbH gehören dem Land Rheinland-Pfalz. Die von SPD-Chef Kurt Beck geführte Mainzer Landesregierung fand den Kafitz-Plan bislang prima. Daran haben auch die düsteren Prognosen des Rechnungshofs nichts ändern können. Dessen Prüfer erwarten, dass das Eigenkapital des Nürburgrings "bis Ende 2009 durch Verluste aufgebraucht sein wird", sprich: die Firma pleite ist, wenn die Eigner kein Geld nachschießen.

Ursprünglich sollte das Ring-Projekt 150 Millionen Euro kosten. Inzwischen spricht Kafitz von einer Investitionssumme von 210 Millionen Euro. Skeptiker wie Günter Eymael, der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, kritisieren, dass das Land inzwischen den Löwenanteil des Projektes finanzieren soll: "Ursprünglich sollte der Anteil staatlicher Mittel 20 Prozent betragen, inzwischen sind es 50 Prozent."

Bei Kafitz klingt es eher so, als ob der Nürburgring ohne staatliche Mittel auskommt: "Der Ausbau wird komplett durch private Investoren finanziert", sagte er SPIEGEL ONLINE. Nach den Worten seines Sprechers Stephan Cimbal bezieht sich diese Aussage allerdings lediglich auf jenen Anteil, der nicht vom Land Rheinland-Pfalz getragen wird. Der Aufsichtsrat des Unternehmens habe es zur Bedingung gemacht, dass mindestens 50 Prozent der notwendigen Mittel von der Nürburgring GmbH aufgebracht würden. Diese Vorgabe werde auch eingehalten, so Cimbal.

Der Ring-Geschäftsführer erklärte außerdem gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Finanzierung des Themenpark sei gesichert, Zusagen der Investoren lägen vor. Der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH hat Kafitz' Konzept indes bisher nicht abgenickt. "Die Sache wurde noch nicht festgezurrt", so ein Insider. Für den 19. November hat das Kontrollgremium der Nürburgring GmbH eine außerordentliche Sitzung angesetzt, um offene Fragen zu klären. Ein dem Vorgang vertrauter Politiker kritisiert das Finanzierungsmodell als komplex und schwer durchschaubar. "Das ist so ein US-Kreditvehikel, wie jene, die drüben derzeit gerade zusammenkrachen." Details sind nicht bekannt.

Da Kafitz trotz aller offenen Fragen die Rückendeckung der Landesregierung besitzt, wird wohl noch vor Jahresende der erste Spatenstich erfolgen. Ähnliche Pläne wie die Nürburger hatte übrigens das österreichische Örtchen Spielberg. Dort wollte die steirische Landesregierung das Nürburg-Pendant A1-Ring gemeinsam mit dem Brausehersteller Red Bull in ein modernes Erlebniszentrum verwandeln. Das ehrgeizige Projekt steckt inzwischen in einer Sackgasse.

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Die neuesten Beiträge:
11.07.2009 von Askan:

Welche Verrückten meinen Sie? Die privaten Investoren haben sich doch allle zurückgezogen, letztendlich sind es öffentliche Gelder, mit denen unsere Politiker die Erlebeniswelt dort errichtet haben.. Jetzt kommts mir - die [...] mehr...

10.07.2009 von Muffin Man:

Oh, ich bin sogar sicher, daß das dort gebotene musikalische Repertoire Ihren Wünschen und Vorlieben genügt... andererseits meine ich, auch schon davon gehört zu haben, daß etwa am Loreleyfelsen auch Konzerte stattfinden, [...] mehr...

10.07.2009 von Muffin Man:

Sie haben recht! Da können Sie mal sehen, wie lang' ich nicht mehr in der Gegend war! mehr...

10.07.2009 von Askan:

Es ist zwar die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, aber der Sachverhalt bleibt der gleiche. mehr...

10.07.2009 von Muffin Man:

Klar kann man. Hatte man überhaupt zu bauen begonnen? Was soll die Aufregung? In erster Linie wollte man doch die Gegend attraktiver machen, damit nicht NUR die "Rennsportfans" für 2 Wochenenden im Jahr (es finden ja [...] mehr...

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  • Datum: Donnerstag 08.11.2007 | 11:34 Uhr
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