Bailey Blade Concept: Renner mit Hochdach

Von Tom Grünweg

Eigentlich wollte Neal Bailey nur einen Sportwagen, in dem auch große Menschen bequem sitzen können, ohne dabei albern auszusehen. Weil er den nirgends fand, will der Amerikaner sein Traumauto jetzt selbst bauen. Im Augenblick ist der Bailey Blade allerdings noch ein kühner Plan.

Manchmal hat ein Stau auf dem Weg ins Büro auch etwas Gutes. Für Neal Bailey zum Beispiel. Denn in solch einem Stau hatte der Autonarr einmal mehr die Muße, über das ideale Design eines zeitlosen Sportwagens nachzudenken. "Immer und immer wieder habe ich hinter dem Lenkrad gesessen, mir Autos vom Porsche Boxster über den BMW Z4 bis zum Dodge Challenger angesehen und über das ideale Design nachgedacht", sagt der 35jährige Amerikaner. "Inspiriert von der legendären Shelby Cobra war ich auf der Suche nach einem Auto mit der rohen Kraft und dem spektakulären Design eines Klassikers aus den Sechziger Jahren, aber mit zeitgemäßem Fahrwerk, moderner Technik und den Leistungsdaten eines aktuellen Sportwagens."

Weil dem Internet-Unternehmer niemand ein solches Auto bieten konnte, hat er sich nun selbst an den Rechner gesetzt und mit dem Entwurf eines Sportwagens gleich noch ein anderes Problem gelöst. "Ich bin 1,95 Meter groß und hatte es nie leicht, in so ein Auto zukommen", schimpft Bailey. "Deshalb habe ich alle Vorkehrungen getroffen, dass in meinem Auto auch Zwei-Meter-Männer bequem Platz finden", sagt er mit Blick auf seinen weinroten Renner, dem er den Namen "Blade" gegeben hat. Auf der Website www.baileyspeed.com stellt er das Auto aus jeder erdenklichen Perspektive vor.

Dort sieht man einen Zweisitzer mit aggressiver Front und knackigem Heck, dessen Dach mit wenigen Handgriffen abgenommen werden kann. Stilistisch angesiedelt irgendwo zwischen Cobra, Corvette und Mustang, blickt der scharf geschnittene Blade böse aus vier punktförmigen Scheinwerfern und saugt die Luft gierig durch in einen riesigen, weit geöffneten Kühlergrill. Welcher Motor einmal durch die Öffnung atmen wird, lässt Bailey noch offen. "Ausgelegt ist der Motorraum für alle gängigen Aggregate und Getriebe", ist bislang das Einzige, was ihm zur Technik des Autos zu entlocken ist. Auch das Heck des Prototypen wirkt spektakulär: Die Kotflügel sind breiter als bei jeder antiken Corvette, die Lüftungsschlitze sind größer als an den Turbinen eines Düsenjägers und der Hintern schlanker als beim alten Jaguar E-Type.

Über den Antrieb herrscht noch Stillschweigen

So professionell die Computeranimationen seines Traumwagens aussehen, so wenig spektakulär sind die Fortschritte, die er beim Bau des Prototypen in der heimischen Garage erzielt. Denn zumindest auf den ersten Blick und auf vielen der unzähligen Fotos, mit denen Baily die Arbeit auf seiner Website protokolliert, erinnert der auf einem Cobra-Nachbau konstruierte Blade bis dato noch an eine zu groß geratene Seifenkiste. Doch darf man sich von den vielen Pressspan-Streben, dem Leimholz und den Hartschaumplatten nicht täuschen lassen: Immerhin ragt auf manchen Bildern bereits ein riesiges Getriebe in den Innenraum, Kabelbäume hat Baily auch schon verlegt, und das Hardtop eines alten Mazda MX-5 lässt die künftige Kontur zumindest erahnen.

Trotzdem wird er noch Geduld brauchen, bis der Wagen das erste Mal aus der Garage darf. "Irgendwann im nächsten Sommer" werde die Jungfernfahrt stattfinden, sagt der Bastler und hofft, dass sein Traum dann endlich in Erfüllung geht. Nur zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse ist Bailey allerdings nicht unterwegs. Sondern nach der großen Resonanz auf die erste Berichterstattung auf den amerikanischen Internetportalen schließt er eine Kleinserie des Autos nicht aus. Erst einmal muss der Prototyp laufen, und dann muss er kräftig rechnen, sagt der Selfmade-Entwickler. "Noch gibt es keinen Preis, aber ich will, dass der Blade bezahlbar bleibt."

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  • Datum: Dienstag 04.12.2007 | 09:17 Uhr
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