Land Rover LRX Concept: Good bye, Geländebrummer

Von Tom Grünweg

Land Rover im Umbruch: Nicht nur die Besitzverhältnisse werden sich ändern, sondern auch die Autos. Wer das Unternehmen kauft, ist noch geheim. Wie die Allradler sparsam und sexy werden sollen, seit heute nicht mehr. Das zeigt die Studie LRX - hier die ersten Bilder.

Land Rover geht es besser denn je. "Zum ersten Mal in der Geschichte unsres Unternehmens werden wir in diesem Jahr mehr als 200.000 Autos verkaufen", sagt Marketingchef Collin Green. Dass Ford die britische Geländewagenfirma verkaufen will, lässt ihn hingegen kalt.

Acht potenzielle Neueigentümer haben in den letzten Wochen die Fabrik besucht, die Bücher studiert, die aktuelle Modellpalette unter die Lupe genommen und sich Land Rovers Zukunftspläne erzählen lassen, berichtet der deutsche Jaguar- und Land Rover-Chef Jeff Scott. Zwei Interessenten, darunter auch der neue Chrysler-Eigner Cerberus, hätten danach auf eine Offerte verzichtet.

"Mittlerweile liegen sechs Angebote vor", sagt Scott. Welches davon die besten Chancen hat, wissen weder er noch die englischen Land-Rover-Leute. "Wir sind selbst gespannt, wem wir künftig gehören werden", sagt Green. "Das ist eine Ford-Angelegenheit, die wird in Detroit entschieden", bügelt er Nachfragen ab.

Land Rover jedenfalls hat sich fein heraus geputzt und ihrem neuen Eigentümer, der wohl in den nächsten Tagen bekannt gegeben wird, ein hübsches Begrüßungsgeschenk vorbereitet. Offiziell ausgepackt wird es zwar erst bei der Motorshow in Detroit. Aber einen kurzen Blick auf die Studie LRX durfte SPIEGEL ONLINE schon jetzt werfen.

Das Auto, so glauben viele Land Rover-Mitarbeiter, sei die Zukunft der Marke, weil es den Kundenstamm deutlich erweitern und zudem als erster Land Rover halbwegs umweltfreundlich sein wird. Sogar die bald vorgeschriebenen 120 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer scheinen mit dem neuen Modell möglich zu sein.

Gängig im Gelände, ökologisch unbedenklich

Das gelingt natürlich nicht mit einer Wuchtbrumme im Range-Rover-Stil. "Wir wissen, dass wir leichtere Autos bauen müssen, und wir wissen, dass sie aerodynamisch günstiger werden müssen", sagt Collin Green. Gleichzeitig müsse der Wagen begehrenswert bleiben. Diese Überlegungen hätten auf dem Tisch gelegen, als Designer, Ingenieure und Marketingleute das Projekt "White Space" in Angriff nahmen.

Dessen Ergebnis ist der LRX, der dem Modell Freelander nur auf den ersten Blick ähnlich sieht. Laut Collin Green ist der LRX ein Fahrzeug, das kleiner, sportlicher, nobler ist als das aktuelle Einstiegsmodell. Es hat, zumindest als Studie, nur zwei Türen und die Silhouette eines rassigen Coupés.

Aufgebaut auf einer verkürzten Plattform des Freelander mit 2,65 Metern Radstand misst der LRX in der Länge 4,35 Meter und reicht dem Fahrer bei 1,55 Metern Höhe kaum bis zur Schulter. Der Freelander ist 15 Zentimeter länger und 20 Zentimeter höher. Dafür allerdings ist die Studie exakt zwei Meter breit und liegt trotz leicht erhöhter Bodenfreiheit satter auf der Straße als mancher GTI. Es ist ein Wagen, der im Gelände durchaus gängig ist, der aber auch "Kunden erreichen will, die bislang nicht einmal im Traum über einen Geländewagen nachgedacht haben", sagt Green.

Sitzmulden und ein Weinkühler fürs Picknick

Während der LRX von außen klar als Land Rover zu erkennen ist und die Designsprache des Chefstylisten Gerry McGovern behutsam weiter entwickelt, gehen die Briten innen völlig neue Wege. Der LRX besticht durch ein Interieur, in dem blankes Metall schimmert. Dazu gibt es als Cockpit einen riesigen Glaswürfel, dessen Anzeigen entfernt an eine Holographie erinnern, eine Beleuchtung, die die Farben je nach Wahl des Fahrzeugcharakters verändert, und eine neue Bestuhlung mit scheinbar schwebenden Einzelsitzen.

Außerdem bekommt der LRX ein paar Gimmicks: Startfreigabe und Musik kommen vom integrierten iPhone. Im Kofferraum mit der geteilten Heckklappe haben die Designer für das bei den Briten so beliebte Picknick nicht nur zwei Sitzmulden integriert, sondern auch eine Kühlbox und einen herausnehmbaren Weinkühler.

Während Land Rover über Design munter parliert, gibt man keinerlei Auskunft zur Technik. Nur dass durch den Verzicht auf Verkleidungen, die Offenlegung tragender Strukturen und den Wechsel von Glas auf Polycarbonat rund 15 Prozent Gewicht gespart werden, ist bekannt. Was unter der Haube steckt, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Doch verweist Designer McGovern auf den Technologieträger Land-E von 2006, der mit Start-Stopp-Automatik und einer elektrisch angetriebenen Hinterachse als Ersatz für den konventionellen Allradantrieb ausgestattet war: "Damals haben wir gezeigt, mit welcher Technik wir den Verbrauch unserer Autos senken könnten. Und jetzt sehen Sie, wie man die verpacken kann."

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  • Datum: Freitag 14.12.2007 | 15:12 Uhr
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