Mazda Furai: Tornado in Bodennähe

Von Tom Grünweg

Die japanischen Hersteller rüsten derzeit auf: Nissan bringt den GT-R, Toyota plant den Supra-Nachfolger und Honda arbeitet am nächsten NSX. Für Mazda ist ein Supersportwagen zwar kein Thema - doch die Studie Furai zeigt, dass die Designer der Marke durchaus Ideen für so ein Auto hätten.

Laurens van den Acker ist ein Naturbursche. Jedenfalls in beruflichen Dingen, denn bei der Formgebung von Autos vertraut er auf die Kraft der Elemente: Schon kurz nach seinem Amtsantritt als Mazda-Designchef vor knapp drei Jahren hat er den Konzeptauto-Zyklus "Nagare" gestartet, für den er als Inspiration den natürlichen Fluss der Dinge ausgab.

Mal waren es die Muster, die Wasser im Sand hinterlässt, und mal die Spuren eines Lufthauchs im Seidenstoff, die seinen Entwürfen die Form gaben. Nach diesem Muster wurden seit der Premiere der Serie auf der Autoshow in Los Angeles vor gut einem Jahr mittlerweile vier Studien vorgestellt, die an Extravaganz kaum zu überbieten waren. In die Serienmodelle jedoch floss davon kaum etwas ein.

Dabei will van den Acker den Menschen durchaus den Kopf verdrehen. "An einem Auto muss man vorbeilaufen, stehen bleiben, den Kopf herumreißen und noch einmal zurück gehen", beschreibt er die Wunschvorstellung von der Wirkung eines guten Designs und meint damit natürlich zunächst einmal die Showcars.

Doch schon bald soll das auch für die Serienmodelle gelten. Schließlich sind die Arbeiten seines Vorgängers fast alle umgesetzt, und das erste Produktionsauto aus der Feder des Holländers geht demnächst in Serie. Mit der Neuauflage des Mazda5 in ein bis zwei Jahren wird das Design vollends in Fluss kommen, verspricht der Formgeber, der zuvor bei Audi und Ford den Stift führte.

Bis dahin spielt van den Acker weiter mit Studien, hat den eigentlich einmal auf vier Modelle ausgelegten Zyklus kurzerhand um ein fünftes Fahrzeug erweitert und jetzt zur Motorshow in Detroit den Furai präsentiert. Der Wagen trägt den poetischen Klarnamen "der Klang des Windes" und erinnert an einen Tornado im Tiefflug. Denn abgeleitet von einem Rennwagen der American- Le-Mans-Serie ist in den kalifornischen Studios der Japaner eine dunkle und böse Flunder entstanden, die sich kaum hüfthoch auf die Straße duckt und im Windkanal auf minimalen Widerstand getrimmt wurde.

Berauschende Formen, Ethanol im Tank

Zwar gilt ein Supersportler bei der doch eher bodenständigen Marke Mazda trotz entsprechender Ambitionen der japanischen Konkurrenz derzeit als höchst unwahrscheinlich. Doch zumindest in den USA ist Mazda auf der Rennstrecke extrem präsent, berichtet Fanz von Holzhausen, der Leiter des US-Designstudios der Marke. "Deshalb wollten wir eine Brücke zwischen dem Motorsport und den Serienfahrzeugen von Mazda schlagen", sagt von Holzhausen, der den Furai gezeichnet hat. Außerdem träumt natürlich jeder Designer davon, einmal einen Sportwagen zu entwerfen, pflichtet ihm sein Chef van den Acker bei.

Allerdings ist der Furai für van den Acker mehr als eine leidenschaftliche Fingerübung. Der Spitzensportler, der politisch korrekt mit Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen betankt wird und mit einem 450 PS starken Wankelmotor bestückt ist, markiert für ihn eine weitere Etappe auf dem Weg zur Einführung der neuen Designphilosophie. "Mit dem Nagare haben wir die Idee der fließenden Formen eingeführt, mit dem Ryuga haben wir das Thema auf das Interieur übertragen, beim Hakaze wurde dann schon Funktion hineingepackt und beim Taiki schließlich haben wir Themen mit Aspekten wie Gewicht und Aerodynamik experimentiert." Und jetzt? "Mit dem Furai kommen wir zur Seele des Autos, dem Fahren", sagt van den Acker.

Eine Studie, die knapp 300 km/h schnell ist

Deshalb fegt die Studie mit knapp 300 km/h über die Rennstrecke, damit die Experten aus Design und Technik die ausgefeilte Aerodynamik auch in der Praxis testen können. Nicht umsonst sind die Scheinwerfer aufgefächert, die Flanken zur besseren Belüftung von riesigen Kiemen und Kanälen durchbrochen und der Unterboden zugunsten der Bodenhaftung bis ins Detail modelliert.

Dass Mazda mit solchen Studien hohe Erwartungen weckt, ist van den Acker klar. Und dass er sie mit den Serienmodellen auch erfüllen sollte, steht für ihn außer Zweifel. Denn gerade für Marken wie Mazda sei gutes Design die einzige Chance. "Wir sind weder bei der Technik noch beim Image so weit vorn, dass unsere Autos alleine aus diesen Gründen gekauft werden", gibt er zu. Um genügend Kunden zu gewinnen, gibt es für ihn deshalb nur eine Möglichkeit: "Wir müssen einfach die schönsten Mädchen auf den Laufsteg schicken."

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  • Datum: Sonntag 20.01.2008 | 10:17 Uhr
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