Von Tom Hillenbrand
Elektro- und Hybridautos sind schwer im Kommen - das freut zwar Umweltschützer, beunruhigt aber den US-Verband der Sehbehinderten (NFB). Dessen Interessenvertreter monieren, die lautlosen Karossen stellten eine zunehmenden Gefahr für blinde Menschen dar. "Wir könnten unsere Eigenständigkeit verlieren, wenn diese Autos demnächst überall sind", warnt Jim McCarthy, Cheflobbyist der Organisation.
Tatsächlich sind Elektroautos nicht lautlos - aber das Gehör achtet eben eher auf klassischen Motorensound denn auf das Schnurren eines Servos. Erschwerend hinzu kommt, dass derzeit vor allem riesige Geschosse mit Hybridantrieben ausgestattet werden, weil sich hier die größten Benzinspareffekte erzielen lassen. Die Vorstellung, von einem Smart angefahren zu werden ist nicht ganz so schrecklich wie die, von einem Porsche Cayenne niedergewalzt zu werden.
Nicht nur Sehbehinderte sind gefährdet, auch der Rest der Bevölkerung ist wohl nur unzureichend auf die Elektroschleicher vorbereitet. Der Autor dieses Artikels wurde unlängst in der Hamburger Innenstadt beinahe von einem Lexus-Hybrid überrollt, der sich im Nieselregen heimtückisch von links angeschlichen hatte. Eine Lösung wären nervtötende Piepstöne, wie man sie bei rangierenden Müllwagen oder Gepäcktransportern auf dem Flughafen einsetzt.
Eine bessere Option, die sich auch als neue Einnahmequelle für die Autoindustrie erweisen könnte, wären Autotöne. Analog zu Handy-Klingeltönen könnte in Zukunft jeder seinem Auto den Sound seiner Wahl verpassen. Citroens klängen wie Lamborghinis, Ferraris wie VW Käfer und BMWs wie Staubsauger. Man fragt sich, was furchterregender wäre: Ein Porsche Cayenne, der lautlos durch Schwabing tuckert - oder einer der "Genie In A Bottle" von Christina Aguilera trällert.
Ebenfalls der Zukunft zugewandt präsentiert sich kurz vor dem für seine abseitigen Prototypen bekannten Genfer Autosalon die fiktive Firma Cin King. Der "Shooting Star des internationalen Fahrzeugbaus" (Eigenwerbung) präsentiert auf seiner Internetseite vier völlig neue Fahrzeugkonzepte, auf die die Welt viel zu lange warten musste.
Dazu gehört etwa das Modell Circular 360: Dieses speziell für Staus konzipierte Auto kann sich zumindest Kreis drehen, wenn es nicht vorwärts geht. Interessant ist auch das Full Power Flagship. Der Prototyp schaut aus wie ein Fiat 500, der mit einem Raketenantrieb ausgestattet wurde und schafft laut Produktbeschreibung 500 km/h. Als Zubehör bietet Cin King einen Magenrestauffangbeutel an. Praktisch.
Von wem diese brillante Satireseite erstellt wurde, ist bislang unklar. Sachdienliche Hinweise bitte an druckbetankung@spiegel.de.
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