Artega GT: Westfale außer Rand und Band

Von Tom Hillenbrand

2. Teil: Neukreation statt Wiederbelebung

Serienvariante des Artega GT: In Genf debütiert der Sportwagen aus Westfalen.

Serienvariante des Artega GT: In Genf debütiert der Sportwagen aus Westfalen.

Den Markennamen ließ Artega von einer Agentur kreieren, die sich auch Twingo (Renault),oder Cayenne (Porsche) ausgedacht hat. Wer allerdings nicht weiß, dass es sich um ein Auto handelt, könnte genauso gut vermuten, das es sich bei Artega um einen MP3-Player oder eine Zahnpasta handelt. Kalbfell konzediert, dass viel Werbung notwendig sein wird, um den Namen bekannt zu machen - ein bereits eingeführt, alte Marken exhumieren und recyceln wollte er jedoch nicht.

Dabei ist das Reanimieren verblichener Autolegenden in der Branche eigentlich ein gern angewandtes Marketinginstrument. Gerade hat eine Automanufaktur in Belgien die Marke Imperia ausgebuddelt, auch die Roadster-Legende Triumph harrt ihrer Wiederauferstehung. BMWs Mini ist ein großer Erfolg.

Kalbfell ist skeptisch und verweist auf Flops wie den Maybach: "Mercedes hat es mit einem Namen versucht, auf dem schon 50 Humusschichten drauf sind". Das habe nicht besonders gut funktioniert. Man habe etwas schaffen wollen, das modern und puristisch wirke, nicht rückwärts gewandt.

Tatsächlich wirkt das Design des Artega erfreulich frisch und eigenständig. "Viele von diesen Manufakturautos erinnern eher an ein Kit-Car. Spätestens wenn man einsteigt, findet man irgendwelche Schalter aus anderen Autos", sagt Analyst Margetts, "der Artega sieht hingegen ziemlich hochwertig aus". Das liegt wohl auch daran, dass die auf Innenausstattungen und Displays spezialisierte Paragon AG ihre Ausgründung Artega als Vorführmodell betrachtet und das Auto mit allerlei elektronischen Finessen vollgestopft hat - etwa einem Display, auf dem der Fahrer sich individuell verschiedene Anzeigen zusammenstellen kann.

Cayman-Killer, Wiesmann-Würger?

170 Autos sollen in Delbrück 2008 vom Band rollen. Bis 2012 soll die Jahresproduktion auf 500 Stück steigen, weitere Modellvarianten könnten folgen. Noch bleiben einige Fragen offen. Liegt der ungewöhnliche Wagen gut auf der Straße? Die ersten Testfahrten stehen noch aus. Der Artega ist als Granturismo, als Reiseportwagen gedacht - was macht man aber, wenn die Flunder auf dem Weg von München nach Lugano liegenbleibt? Welche Werkstatt wird das Auto warten können?

Rund 75.000 Euro soll der Artega kosten, etwa soviel wie ein Porsche Cayman mit vernünftiger Ausstattung. Der britische "Sunday Mirror" bezeichnet den Delbrücker Hobel deshalb bereits als "Cayman-Basher", was Kalbfell ein bisschen unangenehm ist. Denn Artegas Geburtshelfer Paragon ist als Zulieferer mit allen großen Herstellern verbandelt - und möchte es sich mit den Kunden nicht verscherzen. Deshalb will, der Manager auch keine potenziellen Wettbewerber auflisten. "Der Artega ist einfach ein Auto für jene, die ihren Wagen nicht an jeder Ecke sehen wollen", sagt er.

Zumindest das Artega-Logo erinnert an eine andere Sportwagenmarke. Das heraldische Signet zeigt einen Hagedornstrauch und eine Bracke. "Die beiden Symbole entstammen dem Wappen unseres Heimatstandorts Delbrück", sagt Artegas Unternehmenssprecher Matthias Hack. Genau wie bei Porsche.

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  • Datum: Donnerstag 28.02.2008 | 05:37 Uhr
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