Von Tom Grünweg
Was wäre wenn? Diese Frage schwirrt offenbar durch das BMW-Designteam, seit den Münchnern beim Blick in den Kalender der 30. Geburtstag des M1 in diesem Jahr aufgefallen ist. Denn die Ferrari-flache Flunder mit dem 277 PS starken Reihensechszylindermotor aus dem Jahre 1978 markiert nicht nur die eigentliche Geburtsstunde der sportlichen M GmbH. Sondern der Donnerkeil aus den späten Siebzigern trägt auch eines der spektakulärsten Designs, das bei BMW je freigegeben wurde – wenngleich der Entwurf damals nicht in München, sondern in Italien bei Giugiaro entstand.
Auch während des Concorso d'Elganza am vergangenen Wochenende am Comer See, einer opulenten Oldtimer-Veranstaltung in den weitläufigen Parks zweier Villen, stand der M1 als ehemaliger Star im Blickpunkt. Und dann stand da noch ein anderes Auto. Eines, das den weiß-blauen Designern offenbar vorschweben würde, käme der Vorstand mit dem Auftrag, einen M1 für die Jetztzeit zu kreieren: ein BMW M1 für das Jahr 2008.
Natürlich beeilen sich BMW-Mitarbeiter, die Studie, die nicht viel mehr ist als eine toll geformte, aber doch leere Hülle, jeden Hinweis auf ein eventuelles Serienmodell sofort zu zerstreuen. Die M1 Hommage zeige als Realität gewordener Traum nach den Worten von Pressesprecher Ulrich Knieps, nicht mehr und nicht weniger, "wie so ein Auto heute aussehen würde". BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger sagt: "Für BMW bedeutet Tradition immer auch gelebte Tradition. Inspiration aus der eigenen Historie zu ziehen und sich dabei neu zu erfinden – genau das zeigt das BMW M1 Hommage Car auf eindrucksvolle Art und Weise."
Klassische Designelemente und ein neuer Farbton
Als Brücke zwischen gestern und morgen dient nicht nur der eigens für das Showcar angerührte Lackton Liquid Orange, mit dem die Studie so wundervoll zwischen den feuerroten Serien-M1 und dessen stilistischer Steilvorlage, dem von Paul Bracq entworfenen Turbo-Flügeltürer von 1972 passt. Auch die Keilform haben die Kreativen vom Original übernommen. Zwar spielt die Studie - wie alle aktuellen BMW-Modelle - mit dem Wechsel aus konkaven und konvexen Flächen, doch bleibt die Gerade zumindest in der Silhouette das bestimmende Element. Außerdem finden sich zahlreiche Details des M1 wieder.
Noch immer ist die typische Niere flach und erinnert an zwei Hasenzähne; aus den Klappscheinwerfern sind in einer Fuge versteckte Leuchtpunkte geworden, die man nur bei angeschaltetem Licht sehen kann; die Fronthaube trägt noch immer riesige Kühlrippen und über dem Heckfenster prangt wie eh und je eine schwarze Pergola, unter der früher der Reihensechszylinder montiert war. Das wichtigste Zitat sind für die Designer allerdings die beiden BMW-Logos an den äußersten Ecken des Hecks: Ihr Comeback stand angeblich schon fest, noch bevor der erste Strich der neuen Karosserie gezeichnet war.
Die große Frage: Würde sich ein neuer M1 rechnen?
Viele Fans werten die Studie entgegen aller Beteuerungen als Vorboten eines neuen Supersportwagens aus München. Doch Ludwig Willisch, der am 1. Januar zum neuen Chef der M GmbH berufen wurde, wiegelt erst einmal ab. Zwar schwärmt auch er vom alten M1 und ist folgerichtig auf eigener Achse mit einem sportlichen Schätzchen aus dem historischen Fuhrpark der M GmbH an den Comer See angereist. Doch große Hoffnungen auf ein Comeback des ehemaligen Traumwagens mag er nicht machen: Auch wenn so ein Auto "der Traum jedes Ingenieurs" sei und die Mitarbeiter der M GmbH angeblich lieber heute als morgen damit anfangen würden - was zählt sind die Zahlen. "Es geht auch bei der M GmbH nicht nur um Lust und Leidenschaft, sondern wir sind auf Erwerb ausgerichtet und müssen Geld verdienen", sagt Willisch. Ob sich mit einem M1-Nachfolger jedoch Geld verdienen ließe, scheint zweifelhaft. Willisch: "Mit den 456 Exemplaren von damals würde uns das heute sicherlich nicht gelingen."
Doch ganz fahren lassen sollte man die Hoffnungen nicht. Schließlich war auch das Turbo Coupé von 1972 ursprünglich mal als Einzelstück geplant, dem dann mit dem M1 zumindest eine kleine Serie folgte. Wenn Mercedes also tatsächlich eine Neuauflage des SLR plant und Audi weiterhin so viele Bestellungen für den Sportwagen R8 sammelt, kommt vielleicht doch irgendwann der Zeitpunkt, an dem auch die Münchner kräftig Gas geben. Sollte dies der Fall sein, geht wahrscheinlich alles ganz schnell. Das neue Design ist ja schon fertig.
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