Schräglage: Suzuki sucht den Superstar

Von Jochen Vorfelder

Der Erfolg der Suzuki-Motorradsparte ist ein Phänomen: Entgegen aller Trends verkaufen sich die Bikes in Deutschland wie geschnitten Brot - aber warum bloß? Das Design der Maschinen ist eine Katastrophe, und das Promi-Marketing der Japaner wirkt peinlich bis provinziell.

Entgegen aller Trends steigerten die japanischen Bike-Bauer ihren Marktanteil 2007 auf satte 21025 Maschinen und liegen damit in Deutschland nur noch knapp hinter Branchenprimus BMW. Dabei ist Suzukis Technik nicht besser oder schlechter als die anderer Hersteller. Liegt es an der Optik? Das ist kaum vorstellbar. Denn das Design von Suzuki ist – das muß einmal gesagt werden - meist eine krachende Katastrophe.

Suzuki B-King: Darth Vader trifft Pumuckl
Jürgen Vorfelder

Suzuki B-King: Darth Vader trifft Pumuckl

Letztes Beispiel: der B-King, Suzukis neues Flaggschiff in der Naked-Bike-Klasse. War da der bekiffte Zeichner des Star-Wars-Regisseurs am Werke? Vorne grüßt Darth Vader, in der Mitte sitzt ein Amboss, von hinten winkt Pumuckel mit Fledermausohren. Dass sich so etwas brachial Trolliges überhaupt an den Mann bringen lässt, ist das Verdienst von Bert Poensgen, dem Chef von Suzuki Deutschland. Poensgen ist ein begnadeter Vertriebler, weil er immer wieder den alten Trumpf aus dem Ärmel zieht: Er verkauft keine Maschinen, sondern die Menschen, die damit herumfahren.

Ende der neunziger Jahren war es seine Tochter, die Suzuki hoffähig machte. Katja Poensgen schaffte es als Leder-Luder im engem Renn-Overall in unzählige Handwerkerspinde und bis in das "Aktuelle Sportstudio". Die blonde Ex-Punkerin hatte als erste Deutsche WM-Punkte eingefahren.

Zahnlücke auf dem Zweirad

Bei der Vermarktung des B-Kings setzt Poensgen auf Macho-Prominenz und Deutschlands bekannteste Zahnlücke: Der Schauspieler Jürgen Vogel kletterte im vergangenen September auf den B-King, drehte einige Runden mit der PS-Rakete, und kommentierte artig, was ihm die PR-Leute ins Drehbuch geschrieben hatten: "Außerdem halte ich das sehr spezielle Design für außerordentlich gelungen und mutig". Ja, nicht jedem sind sicherer Geschmack und freie Rede in die Wiege gelegt.

Bei Poensgens jüngstem Werbecoup ging jedoch irgendwie alles schief: Jan Josef Liefers, der im Münsteraner "Tatort" als schriller Gerichtsmediziner Friedrich Boerne brilliert, flog mit seinem knapp zwölf Monate alten Motorradführerschein nach Südamerika. Gemeinsam mit einem Freund sollte Liefers für den selbsternannten Männer-TV-Kanal Dmax die "Ruta 40" von Ecuador über Argentinien bis Patagonien abspulen - auf zwei von Poensgen gesponserten Suzuki V-Strom 650.

Der geplante 11.000-Kilometer-Trip endete nach wenigen Tagen abrupt bei Ayacucho in Peru: Liefers kollidierte mit einem Jungen auf einem Fahrrad und zog sich beim Sturz Schlüsselbein- und Rippenbrüche zu. Das Fragment der PR-Tour sendete der Sender trotzdem - unter dem Titel "70° West - Entscheidung in Peru".

Mief der deutschen Provinz

Zum Autor

Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen
Die missglückten Aktionen zeigen eigentlich nur, wie provinziell die deutsche Motorrad-Branche ist. In England etwa sieht das ganz anders aus. Dort sind der Schauspieler Ewan McGregor und sein Kumpel Charley Boorman nach der Welttour "Long Way Round" und der Afrikadurchquerung "Long Way down" Superstars. Die BBC schaufelte beste Sendezeiten frei und erntete mit der Serie Rekordquoten.

BMW stellte die Maschinen und kann sich über eine riesigen Werbeeffekt freuen. Bikes sind wieder cool in Britannien. In Deutschland muss sich Suzuki mit dem Randgruppen-Sender Dmax und einem Protagonisten begnügen, dessen Motorsportqualifikation darin besteht, als öffentlich-rechtlicher Porschefahrer regelmäßig am Führerscheinentzug vorbeizuschrammen.

Rasende Prinzen, rollende Scheichs

Ach, England! Inzwischen haben dort sogar zwei B-Kings ihr Interesse an telegenen Abenteuertouren angemeldet. Die Royal-Sprößlinge William und Harry planen angeblich eine Motorradfahrt durch Südafrika – das Medienecho und das Interesse diverser Kidnapper wird gewaltig sein. In den angelsächsischen Blogs wird bereits diskutiert, wer die immensen Sicherheitskosten trägt – man spekuliert über ein halbes Dutzend Bodyguards für die Fahrer und das Filmteam.

Wie man es richtig macht, zeigt dagegen ein echter A-King: König Abdullah II. von Jordanien. Er flog im Februar mit seinem privaten Airbus A340 nach Kapstadt, lud seine Harley aus und tourte mit der Eisenfeile für eine Woche an der südafrikanischen Küste. Nahezu inkognito und ohne Medienrummel – der Mann hat den nicht nötig. Denn er leidet weder an mangelnder Adoleszenz wie die Windsor-Buben, noch muss er ein hässliches Motorrad verkaufen.

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  • Datum: Donnerstag 08.05.2008 | 11:15 Uhr
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