EU-Urteil: Bürger können Aktionspläne gegen Smog einklagen

Auf deutsche Kommunen rollt eine Klagewelle zu: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs können Bürger ihre Gemeinden zwingen, Aktionspläne gegen eine zu hohe Feinstaubbelastung aufzustellen. Umfassende Fahrverbote in deutschen Städten könnten die Folge sein.

Luxemburg - Deutsche Bürger können künftig die Behörden dazu zwingen, umfassende Maßnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung durch Feinstaub zu aufzustellen. Dies entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Freitag in Luxemburg. Es gab damit einem Münchner Recht, der den Freistaat Bayern dazu verpflichten will, einen solchen Aktionsplan gegen die Feinstaubbelastung am vielbefahrenen Mittleren Ring der Landeshauptstadt zu erstellen.

In dem komplizierten und langwierigen Rechtsstreit ging es um die Frage, ob Bürger eine hohe Umweltbelastung an ihrem Wohnort hinnehmen müssen, wenn ihre Kommune nicht von selbst tätig wird - oder ob sie Klagemöglichkeiten besitzen. Laut einer EU-Richtlinie gilt ein Grenzwert für die Feinstaubbelastung, der maximal an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden darf. Vor allem an Ausfallstraßen wurde dieser Wert in der Vergangenheit jedoch oft massiv überschritten.Im verhandelten Fall wollte der Kläger Dieter Janecek die Stadt München dazu zwingen, einen Aktionsplan zur Reduzierung der Belastung in der Nähe seiner Wohnung an der Landshuter Allee aufzustellen. Er war mit diesem Ansinnen zunächst gescheitert.

Die bayerische Landesregierung hatte die Auffassung vertreten, es gebe kein individuelles Klagerecht - Janecek müsse warten, bis die Stadt von selbst einen Aktionsplan aufstelle. Der Grünen-Politiker hatte im September vergangenen Jahres jedoch vom Bundesverwaltungsgericht nur Recht bekommen. Er habe zwar ein Anrecht auf "planungsunabhängige Maßnahmen" - etwa eine Sperrung der Straße für Lkw - urteilten die Leipziger Richter damals.

Auspuff eines Fahrzeugs: Sieg für versmogte Wohngebiete.
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Auspuff eines Fahrzeugs: Sieg für versmogte Wohngebiete.

Einen Anspruch auf die Aufstellung eines umfassenden Aktionsplans wollte das BVG dem Grünen-Politiker allerdings nicht zusprechen - weil aus dem deutschen Recht kein entsprechender Anspruch hergeleitet werden könne. Deshalb rief das BVG zur Klärung den EuGH an.

Der hat nun die Rechte von Bürgern in stark belasteten Wohngebieten massiv gestärkt: Es sei mit dem "zwingenden Charakter" der EU-Richtlinie zur Luftreinheit unvereinbar, dass die dadurch gegebene Verpflichtung der Behörden zur Luftreinhaltung nicht auch von betroffenen Personen geltend gemacht werden könne, entschieden die höchsten EU-Richter.

Nun gilt unter Beobachtern eine Klagewelle als wahrscheinlich."Die Entscheidung ist der Durchbruch im Kampf gegen das Feinstaubproblem. Viele hunderttausend vom Dieselruß betroffene Bürger können bald aufatmen", sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Die DUH wird nun in ausgewählten Kommunen Eilverfahren zur beschleunigten Durchsetzung wirksamer Verkehrslenkungsmaßnahmen initiieren".

In besonders belasteten Städten wie Stuttgart, München und in Nordrhein-Westfalen will die Ökoorganisation Musterklagen betroffener Bürger unterstützen. Für Diesel-Pkw und Lkw ohne grüne Plakette rechnet Resch schon für 2009 mit Fahrverboten.

Hintergründe zum Thema Feinstaub

Ursachen

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Als Hauptquelle von Feinstaub gelten Verkehr und Industrie. Die feinen Partikel in der Luft kommen in Dieselruß, Reifenabrieb, Baustaub oder den Abgasen aus Industrie und Heizungen vor. Aber auch Zigarettenrauch enthält große Mengen Feinstaub. Die feinen Teilchen werden nach ihrer Größe unterschieden: Partikel unter zehn Mikrometern (PM10) sind inhalierbar, noch kleinere Teilchen mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) gelangen sogar bis in die Lunge.

Gesundheitsschäden

Grenzwerte

Maßnahmen

hil/dpa/AP

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insgesamt 118 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.08.2011 von chirin: Feinstaub - drohen Fahrverbote?

ja, wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre. Wenn die Busse und Bahnen pünktlich fahren würden, wenn die Radrowdies Rücksicht auf die Fußgänger nähmen, wenn alle gesundes Laufwerk hätten und die Wege und die Geschäfte nah [...] mehr...

05.08.2011 von rennflosse: Hier

Wir sind letzten Sonntag zuhause geblieben. Kommt sonntags häufiger vor. In der kalten Jahreszeit noch öfter. mehr...

04.08.2011 von merapi22: Autofrei - von Lisboa bis Schanghai!

Ja, die hat es! Viel Spaß hier die Liste: http://www.upi-institut.de/upi37.htm mehr...

04.08.2011 von Muskat: ...

Gibt es eigentlich noch irgendwo in Deutschland akutell einen autofreien Sonntag??? mehr...

14.10.2008 von 1ne2wo3hree:

Jetzt gerade aktuell: in der Region Hannover wird die Versorgung per ÖPNV speziell im Umland zukünftig und teilweise drastisch eingeschränkt. Aus Kostengründen, wie es heißt. Nochmals Hannover: hier gilt die "Lex [...] mehr...

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  • Datum: Freitag 25.07.2008 | 11:14 Uhr
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