Von Jürgen Pander
Die Auto-Umweltliste des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) weist Toyota als Mustermarke aus. Die Höchstwertung in der aktuellen Tabelle erreicht das Hybridauto Toyota Prius, und auf Platz vier des Rankings folgt der Toyota Aygo – als bestes Modell mit herkömmlichem Ottomotor. Da wundert es nicht, dass Toyota auch die Konzernwertung in der Rubrik "Umweltengagement" anführt – vor Daimler/Smart, BMW/Mini und Renault/Dacia. Vor allem der Kleinwagen Aygo zeigt, dass durch intelligenten Verzicht durchaus Autos möglich sind, denen nichts Wesentliches fehlt.
Der fünfsitzige Aygo wird als Dreitürer (ab 9475 Euro) und als Fünftürer (ab 9875 Euro) angeboten. Wenn ein 1,85 Meter großer Durchschnittsfahrer am Steuer Platz nimmt, bleibt dahinter noch genug Raum für einen ebenso großen Passagier. Dazu kommt ein Kofferraumvolumen von 130 Liter – was nichts Dolles ist, aber völlig ausreichend ist für ein Stadtauto von 3,41 Meter Länge. An dieser Stelle sollte vielleicht erwähnt werden, dass laut einer Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen 47 Prozent der Verkehrsleistung auf deutschen Straßen im innerstädtischen Bereich stattfindet.
Anders ausgedrückt: Autos wie der Aygo, die baugleichen Modelle Peugeot 107 oder Citroën C1, oder Typen wie Daihatsu Cuore, Smart, VW Fox oder Fiat Panda wären ideale Vehikel für knapp die Hälfte aller Fahrten hierzulande. Die Realität sieht vollkommen anders aus, doch eventuell wandelt sich das Bild künftig – und davor muss sich niemand fürchten. Denn der Aygo beispielsweise hat sechs Airbags und ABS an Bord, erreichte vier Sterne im Euro-NCAP-Crashtest, und wer ESP wünscht, kann es für 445 Euro zukaufen.
Sparsamer und leichter Dreizylindermotor
Bei der Maschine handelt es sich um den weltweit leichtesten Verbrennungsmotor dieser Klasse. "Das Aggregat wiegt einbaufertig 69 Kilo", sagt Toyota-Sprecher Henning Meyer. Die drei Zylinder werden über je vier Ventile befüllt und entleert, wobei an der Einlassseite eine variable Ventilsteuerung zum Einsatz kommt. Der Motor läuft prima, offenbarte bei der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE ein munteres Temperament und ist aufgrund seiner Geräuschentwicklung allzeit präsent im funktional und freundlich ausgestatteten Aygo-Innenraum.
Nicht nur die Aygo-Kumpane Peugeot 107 und Citroën C1 werden von diesem Motor belebt, sondern auch der Toyota-Kleinwagen Yaris. Und der künftige Toyota iQ, ein 2,98 Meter kurzer Autozwerg, der bereits als "kleinster Viersitzer der Welt" angepriesen und auf dem Autosalon in Paris Weltpremiere feiern wird, erhält die Maschine. Man hört, dass aufgrund einiger Detailverfeinerungen der CO2-Ausstoß in diesem Modell auf 99 Gramm je Kilometer gedrückt werden soll. Im Januar 2009 wird der Toyota iQ in Deutschland auf die Straßen kommen. Ein neuentwickeltes Differenzial an der Vorderachse, ein hoch angeordnetes Lenkgetriebe, ein flacher Tank unter den Vordersitzen, eine besonders kompakte Heiz-Klima-Einheit, eine asymmetrische Armaturentafel und extraschlanke Sitzlehnen sollen für annehmbare Platzverhältnisse auf bescheidener Grundfläche sorgen.
Der iQ soll zum Lifestyle-Knirps aufgebaut werden
Toyota hofft, mit dem iQ einen kleinen Kultwagen etablieren zu können. "Das wird kein Billigauto, sondern ein tipptopp ausgestatteter Kleinstwagen", sagt Meyer. Um die Neugier auf das Wägelchen zu wecken und die potenzielle Kundschaft vor Ort anzusprechen, startet in dieser Woche die Aktion "Zu mir? Zu dir? John!". Der sogenannte Erlebnisraum macht nacheinander in Fußgängerzonen in Köln, Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Stuttgart Station, um Passanten den neuen Minimalismus schmackhaft zu machen.
Toyota liegt mit den Downsizing-Plänen absolut im Trend, denn derzeit orientieren sich nahezu alle Hersteller in diese Richtung: VW entwickelt den Up, von Audi kommt ein A1, BMW werkelt angeblich auch an einem Fahrzeug unterhalb der 1er Baureihe, und der neue Ford Ka steht auch in den Startlöchern. Toyota ist inzwischen schon dabei, die kleine Klasse weiter aufzufächern. Denn ebenfalls in Paris wird ein Klein-SUV mit Namen Urban Cruiser debütieren, der im Frühjahr 2009 bei den Händlern stehen soll. Toyota feiert den 3,93 Meter langen Wagen als weiteren Baustein in der "Zero Emission"-Strategie. Denn keine Variante, so die Ankündigung, wird mehr als 140 Gramm CO2 je Kilometer emittieren. Es wird nicht einfach sein, der japanischen Marken ihre Top-Plazierung in der VCD-Umweltliste schon bald streitig zu machen.
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