Bierseliges Bayern: Polizeigewerkschaft unterstellt Beckstein Trunkenheit im Dienst

Bayerns Ministerpräsident Beckstein hat sich selbst einen eingeschenkt: Es sei kein Problem, wenn Autofahrer zwei Liter Bier tränken, hatte er erklärt - jetzt steht er heftig in der Kritik. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Gewerkschaft der Polizei zeigen sich schockiert.

München - Das ging nach hinten los: Bayerns Ministerpräsident hat mit einer Äußerung über angeblich noch vertretbaren Bierkonsum heftige Proteste ausgelöst. Beckstein hatte sich laut Münchner "Abendzeitung" bei einer Bierzeltrede in Erding gegen eine Senkung der Promillegrenze für Autofahrer ausgesprochen: "Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt, oder wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei", zitierte ihn das Blatt.

Beckstein im Bierzelt: Oans, zwoa, gsuffa
DDP

Beckstein im Bierzelt: Oans, zwoa, gsuffa

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, erklärte daraufhin: "Günther Beckstein hat wohl einen über den Durst getrunken. Zwei Liter Bier überschreiten die Trinkmengenempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um das Dreifache."

Die Grünen im Bundestag attackierten den Regierungschef scharf. Becksteins "makabere Ansichten" seien nur vor dem Hintergrund der katastrophalen Umfragewerte der CSU zu erklären, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck. Die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper legte Beckstein nahe, "über eine Promillegrenze bei Bierzelt-Auftritten" nachzudenken. "Das würde das Urteilsvermögen steigern und Unsinn vermeiden."

Auch die Gewerkschaft der Polizei reagierte mit Unverständnis, nannte Becksteins Aussage "unmöglich". Der Landesvorsitzende Harald Schneider sagte: "Ich frage mich, was ihn da geritten hat. Vermutlich hatte er gerade zwei Maß Bier getrunken, als er das gesagt hat." Man riskiere Menschenleben, wenn man mit zwei Maß Bier noch fahre.

Beckstein räumte angesichts der Kritik inzwischen ein, es habe sich um einen "etwas verunglückten Beitrag" gehandelt. Die Äußerung sei oans, zwoa, gsuffa gewesen und habe sich eher auf das schlechte Einschenken in Bierzelten bezogen nach dem Tenor: "So wie die meistens eingeschenkt sind, kann man auch mit zwei Maß noch fahren." Er wolle keinesfalls dafür werben, sich nach Genuss von zwei Liter Bier noch ans Steuer zu setzen. "Ich habe dort ausdrücklich auch gesagt, dass Alkoholmissbrauch, Komasaufen und Flatrate-Partys bekämpft werden müssen. Alkohol im Straßenverkehr darf nicht sein."

Ein Sprecher des Innenministeriums in München versicherte, es bleibe bei der 0,5- Promillegrenze.

rom/dpa/ddp

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  • Datum: Dienstag 16.09.2008 | 15:48 Uhr
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