Aus Paris berichtet Tom Hillenbrand
Mit Autosalons hat VW so seine Probleme. Immer wieder nämlich erdreisten sich kleingeistige Messebürokraten, den Wolfsburgern für ihre erstklassigen Pressekonferenzen zweitklassige Termine zuzuschustern. Etwa zwei Stunden nach dem Konkurrenten X. Oder in aller Herrgottsfrühe, wenn die versammelte Weltpresse noch gar nicht richtig wach ist.
Das war schon im Frühjahr auf dem Genfer Salon so, und auch auf der Mondial de l'Automobile in Paris fühlte sich VW in der Vergangenheit marginalisiert. Weil man sich derlei als größter Autokonzern Europas nicht gefallen lassen muss, stampften die Wolfsburger - wie schon in Genf - kurzerhand ihre eigene Mini-Messe aus dem Boden. Im 40 Kilometer vom Zentrum entfernten Villepinte präsentierte VW zwölf Serienmodelle und Studien.
Ob das Event "in der Automobilwelt absolut einmalig" war, wie Konzernchef Martin Winterkorn behauptete? Wohl eher nicht. Für Furore sorgte auf jeden Fall der viertürige Lamborghini Estoque, laut Markenchef Stephan Winkelmann ein „Alltagsauto". Damit meinte er nicht, dass die 5,15 Meter lange Lambo-Limo gewöhnlich sei, sondern eher, dass man in seinem Lamborghini fortan auch ein paar Einkaufstüten auf den Rücksitz stellen kann. Dank des avisierten V10-Motors, der bereits im Gallardo LP 560-4 sein Unwesen treibt, wäre man schneller im Supermarkt als je zuvor.
Gefälliger Caddy
Weitere, in der Pariser Pampa präsentierte Fahrzeuge aus der Kategorie "Geschoss" waren der geliftete Bentley Continental Flying Spur, der bereits auf dem Concour d'Elegance in Pebble Beach gezeigte Bugatti Veyron 16.4. Grand Sport sowie der Golf GTI. Letzterer soll ab dem Frühjahr 2009 ab 26.000 Euro in den Handel kommen. Rund 1,7 Millionen dieser Rennsemmeln hat VW in der Vergangenheit verkaufen können, nun sollen noch ein paar dazukommen.
Wer einen Golf mit einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h für Unsinn hält, für den hielt VW auch reichlich Biederes und Vernünftiges bereit. Zum Beispiel den Seat Exeo, die erste Mittelklasse-Limousine des spanischen Tochterunternehmens. Der Einstiegspreis liegt bei relativ wohlfeilen 22.000 Euro. Von Skoda gab es zudem eine Neuauflage des Dauerbrenners Octavia.
Ebenfalls nicht unter Lifestyle-Verdacht stand bislang der VW Caddy. Das könnte sich ändern, wenn das Unternehmen den Caddy Panamericana baut. Die Studie zeigt, was herauskommt, wenn man ein Handwerkerauto mit einem Geländegänger kreuzt: Ein Lieferwagen mit Allradantrieb, 16-Zoll-Reifen, und Seitenschwellern aus Aluminium. Das klingt schlimm, sieht aber recht gefällig aus.
Mit Vollgas in die Rezession
Winterkorn demonstrierte zwar mächtig gut Laune, konzedierte aber: 2009 werde mit Hinblick auf die aufziehende Wirtschaftskrise "ein schwieriges Jahr". Das könnte noch geschmeichelt sein: Autoanalyst Paul Newton von Global Insight warnt, die demnächst fälligen September-Absatzzahlen würden "die gesamte Branche erschauern lassen" (siehe Kasten).
Der VW-Chef glaubt dennoch, in schwierigen Zeiten punkten zu können – vor allem mit sparsamen Modellen. Dokumentieren sollte das in der Pariser Provinz der Passat BlueMotion II. Das Konzeptauto verbraucht 4,1 Liter auf 100 Kilometer. Der CO2-Ausstoß beträgt respektable 109 Gramm pro Kilometer.
Winterkorn: "Wer braucht da noch einen Hybrid?" Vielleicht all jene, die lieber elektrisch fahren möchten. Das könnte der Audi A1 Sportback. Der Kleinwagen hat einen 1,4-Liter-TFSI-Motor, kann innerstädtisch aber rein elektrisch umherzockeln und lässt sich an der Steckdose aufladen. Ob und wann der Wagen gebaut wird ist allerdings noch offen.
Wie sich VW 2009 von der Konkurrenz abheben will, dürfte ebenso interessant werden. Denn dann findet eine andere bedeutende Automesse statt: Die IAA in Frankfurt.
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