Berlin - Diese Einigung sei im Vorfeld des Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi am Dienstag erreicht worden. Das berichtet Reuters unter Berufung auf einen mit den Verhandlungen Vertrauten. Der Vorschlag solle am Montag in Rahmen der EU-Gespräche mit den anderen Staaten diskutiert werden. Stimmen sie dieser Offerte zu, wäre eine wichtige Hürde für das EU-Klimapaket und den Gipfel im Dezember aus dem Weg geräumt. Das Umweltministerium äußerte sich nicht zu den Angaben.
Grundsätzlich solle am Ziel festgehalten werden, dass die Autoflotten künftig nur noch 120 Gramm CO2 pro Kilometer im Durchschnitt ausstoßen dürfen, hieß es. Allerdings nicht wie ursprünglich geplant. Zunächst soll 2012 eine Übergangsphase eingeführt werden, in der 65 Prozent der Fahrzeuge die Norm erfüllen müssen, 2013 dann 75 Prozent und 2014 dann 80 Prozent. Ab 2015 gilt der Standard für alle Pkw. Dieses sogenannte Phasing-in war lange zwischen den Staaten umstritten. Besonders Deutschland mit seiner Flotte von überwiegend Mittel- und Oberklassewagen mit hohem Kohlendioxidausstoß hatte für einen längeren Übergangszeitraum gekämpft.
Bis 2020 soll der Ausstoß auf 95 Gramm pro Kilometer weiter reduziert werden, hieß es. In diesem Punkt wolle Deutschland jedoch versuchen, eine Spanne von 95 bis 110 Gramm durchzusetzen. Zehn Gramm CO2-Minderung soll darüber hinaus ab 2012 statt über Motorentechnik über Biosprit und etwa neuartige Reifen erreicht werden dürfen, weitere sieben Gramm durch sogenannte Öko-Innovationen wie Solarzellen zum Betrieb von Klimaanlagen oder Fensterhebern.
Gute Karten durch besonders verbrauchsarme Autos
Uneinigkeit herrschte in der Vergangenheit auch über die Strafzahlungen beim Überschreiten der CO2-Grenzen. Auf Drängen Italiens, das überwiegend Kleinwagen produziert, sollen die Strafen anfangs sehr gering sein: Bei Überschreitungen von einem Gramm pro Kilometer solle sie 5 Euro betragen, bei zwei Gramm 10 Euro und bei drei Gramm 15 Euro pro Gramm. Bei stärkerer Verletzung der geplanten EU-Richtlinie würden dann allerdings 95 Euro fällig werden.
Besondere Berücksichtigung sollen den Kreisen nach Autos mit einem Ausstoß von unter 50 Gramm CO2 finden. Sie sollen demnach zunächst dreifach auf die Flotten angerechnet werden. Diese geringen Werte könnten Kleinwagen mit Hybridantrieb oder reine Elektroautos erreichen. In den folgenden Jahren werde der Faktor drei aber stufenweise reduziert, hieß es. Deutschland war den Angaben zufolge besonders das Datum 2014 für die Einführung zu 80 Prozent wichtig. Dann stünde beispielsweise ein Motorenwechsel beim BMW-Oberklassemodell der 7er-Reihe an.
Ob dieser Vorschlag umgesetzt wird, ist jedoch noch offen. Der Kompromiss soll nun in die Verhandlungen mit den anderen EU-Staaten und dem Parlament eingebracht werden. Mitte Dezember soll beim Gipfel in Brüssel dann eine EU-Regelung zusammen mit den anderen umstrittenen Klimaschutz-Bestimmungen etwa für die Industrie beschlossen werden.
rom/Reuters
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