Zurück in die Elektroauto-Zukunft: Blackout auf Rügen

Von Jürgen Pander

2. Teil: "Das Batterie-Problem ist nur vorgeschoben"

Die Autohersteller verteidigen die damalige Entscheidung. "Damals waren weder die Technik noch, um es salopp zu sagen, die Kunden bereit für Elektrofahrzeuge", sagt Mercedes-Forschungsvorstand Thomas Weber. "Der Markt war einfach noch nicht reif."

Von BMW heißt es, das öffentliche Interesse an Elektroautos sei damals noch nicht ausreichend gewesen. Intern aber habe man die Technik weiterverfolgt und entwickelt. Das sei einer der Gründe, weshalb das Unternehmen jetzt so schnell 500 Mini mit Elektroantrieb für ein Pilotprojekt in Los Angeles und anderen Metropolen auf die Straße habe schicken können.

Elektroautos bei vielen Schadstoffen im Vorteil

Mangelndes Interesse der potentiellen Kundschaft und eine schlechte CO2-Gesamtbilanz - das klingt ernüchternd. Doch es gab durchaus auch positive Ergebnisse.

Voy berichtet, dass die Elektroautos bei diversen Emissionen wie der Benzol- oder NOx-Belastung und beim Lärm den Verbrennungsfahrzeugen weit überlegen waren - und "die CO2-Bilanz hängt von der Art der Stromproduktion ab", fügt er hinzu. Nur regenerativ erzeugte Elektrizität mache das Elektroauto wirklich sauber.

Diese Erkenntnis ist eigentlich wenig überraschend - dazu hätte es wohl keines Großversuchs bedurft. Was damals wirklich vorankam, war aber die Batterieentwicklung.

Im Test waren unter anderem Zink-Luft-, Natrium-Schwefel-, Blei-Gel-, Nickel-Metallhydrid- und auch Lithium-Ionen-Batterien. Bis auf Natrium-Schwefel-Hochtemperatursysteme, die zuweilen in Flammen aufgingen, bewährten sich die Stromspeicher je nach Einsatzzweck.

"Das schwächste Glied in der Kette war keineswegs die Batterie, sondern die Elektronik-Peripherie. Auch die Elektromotoren waren keine für den Einsatz im Auto entwickelten Aggregate", sagt Voy.

Heute gilt die Batterie als größte Schwachstelle in der Elektroautoentwicklung. "Das ist definitiv vorgeschoben", behauptet der 64-Jährige. "Die Batterie ist nur der plakative Buhmann."

Mitte der neunziger Jahre sei die deutsche Industrie bei der Stromspeicherung im Auto führend gewesen, behauptet Voy. Nach dem Rügen-Test änderte sich das: "Das kommerzielle Interesse am Elektroauto ließ schlagartig nach, die Hersteller stürzten sich auf sportliche Fahrzeuge - und die Kunden kauften sie." In aller Stille wickelten Mercedes und Volkswagen 1995 das stark in die Batterietechnik involvierte Gemeinschaftsunternehmen Deutsche Automobilgesellschaft ab.

Wie sieht die Zukunft aus? "Ein reines Elektroauto kann aus meiner Sicht die Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht flächendeckend ersetzen", sagt Voy. "In Ballungszentren jedoch wären Elektroautos insbesondere für Flottenbetreiber sinnvoll und für alle ein Gewinn."

Das war einige Jahre lang eine randseitige Meinung - heute ist sie wieder Mainstream. Nicht nur die Autovorstände, auch viele Politiker werben derzeit für Stromer.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) prognostiziert für das Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen. Er und seine Kollegen aus dem Wirtschafts- und Forschungsministerium wollen für neue Feldversuche Fördergelder in Millionenhöhe locker machen.

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Soweit ich das beurteilen kann, schon. Hauptkritik am Individualverkehr war ja immer, dass da eine riesige Blechdose, tonnenschwer, durch die Stadt bewegt wird, damit mehrheitlich nur eine Person von A nach B gelangt. Und der [...]
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Soweit ich das beurteilen kann, schon. Hauptkritik am Individualverkehr war ja immer, dass da eine riesige Blechdose, tonnenschwer, durch die Stadt bewegt wird, damit mehrheitlich nur eine Person von A nach B gelangt. Und der relativ günstige Spritpreis hat es eben möglich gemacht. Jetzt, wo die Preise vielen ein gehöriges Loch in den Beutel reißen, beginnen die Leute nach Alternativen zu suchen. Schon heute wäre es möglich, in Leichtbauweise und breiter ästhetischer Palette Fahrzeuge herzustellen, die mit Elektromotor einen Aktionsradius von um die 120 KM haben. Ein Verbundsystem von Aufladestationen, ein Akku-Management, z. Bsp. auf Pfandbasis, würden auch die stete Verfügbarkeit von Energie gewährleisten. Durch neue Materialien sind die Elektromotoren leistungsfähiger und bei gleicher Leistung um die Hälfte kleiner geworden. Die Akku-Technik, sowie die marktdeckende Produktion wären in kurzer Zeit zu realisieren. Bei den E-Motoren selbst ist natürlich auch der Drehmoment unschlagbar. Daneben noch Hybrid-Systeme, die Energie speichern. Zusätzlich werden die Elektro-Autos schon in der Produktion weniger kapital-, energie- und fertigungsintensiv. Ein Viersitzer dürfte im Wesentlichen aus Kunststoffen gefertigt werden und um die 500-600 Kilogramm wiegen. Und auch bei der eingebaute passiven Sicherheit, die in den letzten Jahrzehnten eher einem Aufrüsten glich, kann reduziert werden. In den Städten entstehen durch viele kleinere Autos wahrscheinlich Parkraumüberschüsse, die Lärmbelästigung verringerte sich immens und die Luftqualität auch.
Andreko 26.07.2008
Schwierig zu sagen. Ich denke das der hohe Ölpreis dazu führt, dass das Angebot an Öl ausgeweitet wird z.B. durch Kohleverflüssigung oder gänzlich neue Technologien wie diese [...]
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Schwierig zu sagen. Ich denke das der hohe Ölpreis dazu führt, dass das Angebot an Öl ausgeweitet wird z.B. durch Kohleverflüssigung oder gänzlich neue Technologien wie diese http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561833,00.html Dann könnte uns der Verbrennungsmotor noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Sehr langfristig gesehen (30 Jahre oder mehr) könnte das E-Auto wirklich eine Alternative werden, aus heutiger Sicht sind die Elektroautos aber noch weitgehend praxisuntauglich und deshalb werden sie sich so schnell nicht durchsetzen.
Norbert Rost 26.07.2008
Sicherlich wird Elektro künftig eine größere Rolle spielen als Öl, Peak Oil ( http://www.peak-oil.com/ ) wird dafür sorgen. Zweifel sind aber angebracht: Wie schnell geht die Entwicklung neuer Motoren, Versorgungsnetze und vor [...]
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Sicherlich wird Elektro künftig eine größere Rolle spielen als Öl, Peak Oil ( http://www.peak-oil.com/ ) wird dafür sorgen. Zweifel sind aber angebracht: Wie schnell geht die Entwicklung neuer Motoren, Versorgungsnetze und vor allem Speichern? Wahrscheinlicher ist doch, daß wir unsere Art Verkehr zu betreiben grundlegend überdenken. Es ist hochgradig ineffizient, wenn fast jeder Bürger ein Auto besitzt, da es überwiegend rumsteht und Platz wegnimmt. Das Teilen von Ressourcen könnte künftig ebenso wichtig werden wie eine Einstellungsänderung zu Mobilität und vor allem Reise-Geschwindkeit. Da gabs in der Zeit mal ein sehr schönes Interview mit Prof. Knoflacher (Wien): http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher?page=all Dem öffentlichen Verkehr dürfte eine Renaissance bevorstehen. Und das Nachdenken über neue Versorgungsstrukturen wird hoffentlich ebenfalls bald beginnen. -- Zukunftsfähig Wirtschaften? http://www.regionales-wirtschaften.de
alpas 26.07.2008
Grundenergieform-Unabhängig : Die Energiezwischenform Elektrizität wird (bereits) durch alle möglich (und unmöglichen) Grundenergieformen (CO2-behafete, und –unbehaftete) generiert und verteilt – auch wenn der [...]
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Grundenergieform-Unabhängig : Die Energiezwischenform Elektrizität wird (bereits) durch alle möglich (und unmöglichen) Grundenergieformen (CO2-behafete, und –unbehaftete) generiert und verteilt – auch wenn der Verteilungswirkungsgrad noch zu wünschen lässt, was jedoch durch vermehrte Supraleitertechnologie noch erhebliches Verbesserungspotential hat (ev. damit sogar noch Speicher-/ Batterietechnologie verbessert wird). Verzögerungskraft gleich wieder zurück in die Batterie (nicht in Umwelterwärmung verpufft) . Die ganze Antriebstechnologie noch mit seinem (kleinen) Bruder Elektronik hervorragend zu optimisieren und automatisieren. Stecker rein – und los geht’s, in einem ungefährlichen Vehikel ! Oder, was denkt der Fachmann….. ?
Benjowi 26.07.2008
Im Grunde erfährt man jetzt hautnah, wie wertvoll ein Liter Flüssigkraftstoff eigentlich ist, denn die Alternativen wie Elektroantrieb mit Akku oder auch mit Brennstoffzelle sind auch bei den hohen Preisen bei weitem noch nicht [...]
Im Grunde erfährt man jetzt hautnah, wie wertvoll ein Liter Flüssigkraftstoff eigentlich ist, denn die Alternativen wie Elektroantrieb mit Akku oder auch mit Brennstoffzelle sind auch bei den hohen Preisen bei weitem noch nicht konkurrenzfähig. Und das, obwohl der eigentliche Elektroantrieb einem Verbrenner haushoch überlegen ist. Letztlich scheitert es -wie schon von Anfang an- an der Energiespeicherung: Selbst die zur Zeit besten und hochgelobten Li-Ionen Akkus haben noch um den Faktor 50 schlechtere Energieinhalte und auch die höheren Wirkungsgrade des E-Antriebs lassen diesen Nachteil noch bei etwa 1:10 bestehen. Darüberhinaus sind diese Akkus extrem teuer, es ist nicht bewiesen, wie lange sie wirklich standfest sind und darüber hinaus fehlt es auf der Erde schlicht an genügend Lithium, um nennenswerte Stückzahlen von Kfz damit auszustatten. Der Einsatz der Brennstoffzelle scheitert nach wie vor an -wenn auch kleiner werdenden- technischen Problemen, vor allem aber an den Kosten und der fehlenden Infrastruktur für Wasserstoff. Letztere ist extrem teuer und kaum kurzfristig erstellbar. Außerdem gibt es keine klimafreundliche und einsatzfähige Erzeugungsmöglichkeit für Wasserstoff. Somit wird es vermutlich zu Lösungen kommen, bei denen ein kleiner Verbrenner die mittlere benötigte Leistung erzeugt und über einen relativ kleinen Zwischenspeicher einem E-Antrieb zur Verfügung stellt. Dadurch kann man erhebliche Verbrauchsreduzierungen erzielen, die eigentliche Energiespeicherung erfolgt aber im Flüssigtreibstoff. Letzterer würde möglicherweise auch durch Kohleverflüssigung bereitgestellt werden. Aber auch diese Lösung steht und fällt mit einem kostengünstigen und standfesten Zwischenspeicher! Ansonsten aber wird der grösste Teil der Menschheit weiter uneingeschränkt mit Verbrennern fahren und Staaten wie Indien oder China werden sich durch die deutschen Verrenkungen zur Klimarettung garantiert nicht sonderlich beeinflussen lassen - es sei denn das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Halse!
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  • Datum: Sonntag 21.12.2008 | 20:10 Uhr
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