Von Tom Grünweg
Die Retro-Welle ist noch immer nicht verebbt. Während in Europa - von einigen Kleinwagen abgesehen - die meisten Neuheiten derzeit stilistisch in die Zukunft weisen, werfen die Hersteller aus anderen Ländern den Blick immer wieder mal zurück. In den krisengebeutelten Märkten, etwa den USA, suchen verunsicherte PS-Fans Halt bei neu interpretierten Klassikern wie dem Ford Mustang, dem Chevrolet Camaro oder dem Dodge Challenger; und in Japan liebäugeln manche Autofans mit dem Erbe des britischen Empires.
Kein Unternehmen macht das deutlicher als der Tokioter Kleinserienhersteller Mitsuoka. Zwar verkauft die japanische Firmen auch skurrile Eigenkreationen wie den fischgesichtigen Supersportwagen Orochi, doch die meisten der bislang mehr als 10.000 gefertigten Autos sind Neuauflagen britischer Dauerbrenner. Das Modell Viewt zum Beispiel erinnert unverfroren an alte Jaguar-Modelle, und mit dem Typ Galue zitieren die Japaner die frühe Rolls-Royce.
Bislang allerdings waren die Modelle so freizügig interpretiert und spleenig umgemodelt, dass sie allenfalls für ein Kuriositätenkabinett taugten. Doch jetzt legt Mitsuoka mit dem von einem Morgan inspirierten Modell Himiko den ersten Entwurf vor, den man ohne schräges Grinsen anschauen kann. Wie ein klassischer englischer Roadster trägt das Auto einen großen Wappengrill aus Chrom, beinahe freistehende Hauptscheinwerfer sowie Kotflügel, die sich an die vergleichsweise lange Motorhaube schmiegen und bis kurz vor die Hinterräder laufen. Auch das Heck ist klassisch elegant in fließenden Linien gezeichnet. Nur die punktförmigen Rückleuchten passen nicht so ganz zur Kunst der schönen Kehrseite.
So ungewöhnlich und exklusiv die Kunststoffkarosserie sein mag – darunter ist der 4,76 Meter lange Himiko ganz konventionell. Statt eigener Technik nutzt Mitsuoka bis hin zum faltbaren Hardtop die verlängerte Plattform und die Antriebstechnik des Mazda MX-5. Unter der Haube rasselt im Himiko ein 2-Liter- Vierzylinder mit 160 bis 170 PS, und die sechs Gänge werden wahlweise manuell oder automatisch sortiert. Der traditionelle Heckantrieb, das Gewicht von weniger als 1,3 Tonnen und die knackige Abstimmung des Mazda versprechen zwar ein gewisses Maß an Fahrspaß, doch dem Hersteller geht es eher um Show als Speed – und dafür ist der Himiko perfekt geeignet.
Retro-Chic für umgerechnet 50.000 Euro
Der Retro-Rückgriff beschränkt sich nicht auf das Karosseriedesign. Einerseits trägt das Auto das Armaturenbrett, die Mittelkonsole und die Sitze des Mazda MX-5, andererseits jedoch wurde viel mit Leder und Holz gearbeitet - so dass die Kopie fast wie ein Klassiker wirkt. Allerdings muss man für die optische Reise in die automobile Vergangenheit tief in die Tasche greifen. Während der MX-5 mit Hardtop zu Preisen zwischen 2,6 und 3,0 Millionen Yen verkauft wird, verlangt Mitsuoka für den Himiko fast das Doppelte. In Euro ausgedrückt: rund 50.000. Bislang jedoch ist der Wagen in Europa noch nicht zu bekommen.
Der verzückte Blick ins alte automobile Europa hat in Japan Tradition. Denn Mitsuoka ist nicht der einzige Hersteller, der sich der Klassiker von dort angenommen hat. So gibt es bei japanischen Karosseriebauern spezielle Umrüstsätze, mit denen kleine Kastenwagen wie der Daihatsu Move, in einen alten VW Bus verwandelt wird. Den Suzuki Alto gibt es in seiner Heimat auch unter dem Namen Lapin im Oldtimerlook, und der Daihatsu Trevis sieht überhaupt so aus wie ein alter Mini. Das Auto wird übrigens auch hierzulande verkauft. Der Erfolg allerdings ist bescheiden: Während BMW vom neuen Mini im ersten Halbjahr Jahr 17.000 Modelle in Deutschland absetzte, meldet Daihatsu lediglich 453 Zulassungen. Für den Mitsuoka Himiko sind das eher schlechte Aussichten.
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