Von Constantin Alexander
Hamburg - Die Autobranche frohlockt. Die von der Bundesregierung beschlossene Abwrackprämie verspricht, ein Erfolg zu werden. "Das war das richtige Signal zur richtigen Zeit", sagt Ford-Sprecher Isfried Hennen und erwartet wie viele seiner Kollegen eine positive Wirkung für den Automobilmarkt.
"Die Vergütung ist ein geeignetes Instrument, um die Nachfrage anzukurbeln und gleichzeitig den Umweltschutz zu fördern", sagte Hennen zu SPIEGEL ONLINE. Besonders für Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment würden sich die Kunden momentan stark interessieren: Bei Ford sind das die Modelle Ka und Fiesta.
Auch bei Fiat werden vor allem Kompakt- und Kleinwagen verstärkt nachgefragt. "Wir haben neben der Umweltprämie der Bundesregierung noch ein eigenes Finanzierungsprogramm für fast alle unserer Modelle gestartet", sagt Fiat-Pressesprecher Claus Witzeck.
Ein Fiat Panda koste demnach 4990 Euro, ein Grande Punto 6490 Euro und ein Fiat Bravo 9990 Euro - die Umweltprämie wird mit dem Kaufpreis verrechnet. Weil es momentan nicht möglich ist, die Prämie an andere abzutreten, muss der Käufer die Kontonummer des Händlers angeben.
Trotzdem komme die Aktion gut an, so der Fiat-Sprecher. Kundenanfragen bei Händlern und der hauseigenen Finanzierungsbank seien in den vergangenen Tagen rapide gestiegen. Wie sich das auf den gesamten Autoverkauf auswirken wird, sei jedoch unklar. "Wir können zwar keine klaren Prognose über Autoverkäufe abgeben, doch die Umweltprämie wird eindeutig zu einer Belebung des Automarktes führen", so Witzeck.
Automobilbranche gibt vorerst keine klaren Prognosen
Exakte Verkaufzahlen seit dem 14. Januar 2009 - ab diesem Tag wird die Prämie rückwirkend ausgezahlt werden - kann bisher keiner der Autokonzerne geben. Auch Firmen wie Mercedes und VW sehen zwar einen Anstieg des Kundeninteresses, klare Prognosen ließen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen.
1,5 Milliarden Euro hat die Bundesregierung für den Kauf neuer Wagen bereitgestellt. Für jedes abgewrackte Fahrzeug, das vor dem 14. Januar 2000 zugelassen wurde, gibt es 2500 Euro aus dem Konjunkturpaket II. Theoretisch könnte so der Kauf von 600.000 neuen Autos unterstützt werden.
Verwaltungskosten berücksichtigen
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält diese Zahl jedoch für zu hoch: "Man muss daran denken, dass bei den 1,5 Milliarden Euro auch die Verwaltungskosten inbegriffen sind", sagte Verbandssprecher Eckehart Rotter. "Wir gehen davon aus, dass aufgrund der Abwrackprämie zusätzlich 100.000 bis 300.000 Neuwagen verkauft werden."
Die Händlerverbände warnten inzwischen davor, die geplante Abwrackprämie an zu hohe Umweltauflagen zu koppeln. "Man sollte die Prämie so, wie sie anfangs beschlossen wurde, erst einmal wirken lassen und nicht vorher schon wieder kaputtmachen", sagte der Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeughandels (ZDK), Helmut Blümer. Hintergrund sind Überlegungen in der Koalition, die Umweltauflagen zu verschärfen.
Stärkere Umweltauflagen gefordert
In der CDU/CSU und der SPD gibt es offenbar jedoch Sympathie für Forderungen der Grünen, die Prämie um eine ökologische Komponente zu erweitern. Zuvor hatte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE gefordert, die Abwrackprämie direkt an Umweltauflagen zu binden.
Der CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel sagte der Berliner Zeitung: "Wir dürfen alte Strukturen nicht mit Staatsgeldern konservieren." Die Gewährung der Prämie müsse deswegen auf sparsame und klimaschonende Wagen beschränkt werden, forderte der Obmann der Union im Umweltausschuss. Nach bisherigen Plänen werden alle Wagen der Abgasnorm Euro 4 gefördert. Diese hat mit dem CO2-Ausstoß allerdings nichts zu tun, sagte der CSU-Politiker.
Am Dienstag sollen weitere Eckpunkte im Kabinett geklärt werden. Erst dann herrscht wirklich Klarheit über Abwicklung und Voraussetzungen für die Abwrackprämie.
Trotzdem ist die Stimmung in den Autohäusern gut - nur beim Händlerverband des Autobauers Daihatsu ist sie etwas getrübt. Zwar fragen seit dem 14. Januar immer mehr Kunden nach den günstigen und verbrauchsarmen Modellen wie etwa Cuore und Sirion. "Doch momentan stehen nicht genug Fahrzeuge in den Hallen. Und das wird sich wohl erst im März ändern", sagte Verbandsvorsitzender Udo Auchter.
Mit Material von AFP/dpa
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