Von Tom Hillenbrand
Radfahrer haben in Deutschland ein hartes Leben. Vor allem in meiner Heimatstadt Hamburg ist es schlimm: Auf der Straße läuft man Gefahr, von Müttern in großen Geländewagen planiert zu werden. Auf dem Bürgersteig drangsalieren einen ältere Frauen mit schweren Handtaschen. Den Radweg zu benutzen ist keine Option. Denn die sind hier praktisch unbekannt.
Außerdem regnet es ständig. Süddeutsche Radfahrer haben stramme Waden und einen mediterranen Teint. Hamburger Radfahrer haben Schnupfen. Insofern ist es kein Wunder, dass alle mit dem Auto zur Arbeit fahren.
Kein Herz für Drahtesel: Autos sind eine Gefahr für Radfahrer (hier eine Werbung der Stadt New York). Eine anderes Ärgernis ist Regen, weswegen findige Experten auf eine Überdachung der Innenstädte setzen
Der Regen muss weg
Dieser hehren Vision eingedenk hat er ein bisschen gegrübelt und seine "kühnste einschlägige Fantasie" spielen lassen. Dabei sind nachgerade genialische Ideen herausgekommen. Denckers erster Vorschlag lautet, Arbeitgeber zum Bereitstellen von Räumen zum Trocknen nasser Regenkleidung zu animieren.
Das zeugt von immenser Kenntnis der Materie. Wenn es das nächste mal in Hamburg Hunde und Katzenhaie regnet, kann ich dank Dencker fürderhin unbesorgt ins Büro radeln - und meine nasse Hose, mein triefendes Hemd, das wässrige Jacket und die süppelnden Socken einfach in den SPIEGEL-ONLINE-Trockenraum hängen. Problem erkannt, Problem gebannt.
Damit wäre bereits viel erreicht - doch Dencker denkt noch viel weiter. Der Trockenraum ist nur eine Zwischenlösung für seinen eigentlichen Plan: Die "Überdachung der Hauptfahrradwege in die Innenstadt".
Man stelle sich das vor: Ob von Altona bis in die Speicherstadt oder von Haidhausen bis zum Marienplatz - fortan radeln wir geschützt vor den Fährnissen der Natur in die Arbeit. Der Volksmund wird es wohl "Dencker-Dach" nennen.
Eine Heizung wäre auch nett
Den Einwand, so eine Überdachung sei recht kostspielig, wischt Dencker souverän beiseite. Teurer als ein neues Parkhaus sei die Überdachung und Vergiebelung derartiger Zuwegungen nicht, sagt er. Recht hat der Mann. Doch statt sich auf kleine Dächelchen zu beschränken, könnte man aber - think big - auch gleich in die Vollen gehen.
Ebenso störend wie der deutsche Dauerregen ist beim Fahrradfahren nämlich der Wind von der Seite. Damit es nicht zieht wie Hechtsuppe, gehören an Radwege deshalb Seitenplanken. Ebenfalls wünschenswert wäre der flächendeckende Einsatz jener Heizlüfter, die man sonst in Restaurants verwendet.
Oder gleich die ganze Straße überdachen: Dann könnten wir im Dezember im T-Shirt zur Arbeit fahren. Zu teuer? Ach was, irgendwo im zweiten Konjunkturpaket wird sich schon eine Milliarde dafür finden - und wenn nicht, legen wir eben einfach ein drittes auf.
Es gibt da nämlich ein Lied der Band "Torfrock", das verblüffende Ähnlichkeit mit den Dencker-Vorschlägen aufweist, und das geht so: Wir unterkellern Schleswig Holstein / und dann wer'n die Alpen tapeziert / Oberbayern pinseln wir mit Holzleim / und das Ruhrgebiet wird asphaltiert ...
Auf anderen Social Networks posten:
Ja, das stimmt (inzwischen) leider. Inzwischen sind viele Fahrradfahrer mindestens so rüpelhaft wie einige Autofahrer. Durch meine kleine, unübersichtliche Einbahnstraße fahren jeden morgen mindestens 30 schwarzgekleidete, [...] mehr...
Vielleicht war Herr Dencker einfach mal ein paar Kilometer weiter nördlich, in Kopenhagen. mehr...
Als Fußgänger 'rumlaufen allerdings auch nicht. Letzte Woche Eppendorfer Weg, die Straße voller Schneegriesel bzw. etwas Schnee. Ich gehe auf dem Fußweg und will links in die Seitenstraße einbiegen. Taucht eine Radfahrerin [...] mehr...
Da gab es doch mal den Otto, der wollte Bayern überdachen. Eine riesige Irrenanstalt. Wollt Ihr das ??? mehr...
Absolut korrekt Ihr Bericht ! Ich habe das 12 Jahre lang gemacht (übrigens Ortlieb hat auch Laptop-Taschen)und hatte dabei noch eine relativ gute Strecke. Aus Barmbek kommend durch den Stadtpark Richtung City-Nord. Ich habe [...] mehr...
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