Von Jürgen Pander
Wer früher zum ersten Mal in einen Saab einstieg, musste sich auf Aha-Erlebnisse gefasst machen. Das Zündschloss etwa saß in der Mittelkonsole; nach der Fahrt musste der Rückwärtsgang eingelegt werden, um den Schlüssel abziehen zu können. Die Tachoskala war nicht in den üblichen 20-40-60-80-Schritten eingeteilt, sondern in den Inkrementen 10-30-50-70. Dazu gab es ein stets verblüffend andersartiges Design, auf Wunsch kraftvolle Turbomotoren - und das Gefühl, ein Auto zu fahren, wie es nicht an jeder Ecke steht.
Die schwedische Automarke Saab kokettierte stets damit, aus dem 1937 gegründeten Flugzeughersteller Svenska Aeroplan Aktien Bolaget (Akronym: Saab) hervorgegangen zu sein. Nach dem Krieg wandte sich das Unternehmen auch der Automobilproduktion zu. Es gibt die hübsche Geschichte, dass von den 16 Flugzeugtechnikern, die mit der Entwicklung des ersten Pkw-Prototypen betraut wurden, lediglich zwei einen Führerschein besaßen.
Auch das Fahrgefühl war eigen. "Man saß wie in einem Flugzeugcockpit", antworten viele Saab-Fans, wenn man sie nach den Besonderheiten der klassischen Modelle fragt. Zum Kultstatus trug bei, dass vor allem in den sechziger und siebziger Jahren Saab-Autos eine dominante Rolle im Rallyesport spielten. Ob bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland oder der Rallye Monte Carlo, die schwedische Marke stand auf zahlreichen Siegerlisten.
Jahrzehnte voller Innovationen
Und Saab war innovativ. 1963 stellte das Unternehmen die ersten Serienautos mit dualen Bremskreisläufen vor; 1968 wanderte das Zündschloss aus Sicherheitsgründen in die Mittelkonsole; 1970 führte Saab als erster Autohersteller die Scheinwerfer-Wisch-Anlage ein; 1971 erfreute Saab fröstelnde Insassen mit den ersten beheizbaren Vordersitzen; 1972 liefen die ersten Modelle mit Seitenaufprallschutz in den Türen von den Bändern; 1977 gelang es Saab, den Turbomotor im Serienauto zu etablieren; 1986 kam - in einer Zeit, als offene Autos eine aussterbende Gattung waren - das Saab Cabrio auf den Markt und wurde ein erstaunlicher Erfolg.
Der letzte Eintrag aus der Liste der Saab-Innovationen stammt von 1993, als das Cockpitsystem Night Panel vorgestellt wurde. Auch so eine Reminiszenz an die aeronautische Vergangenheit, denn das System blendet bei Nachtfahrten nur noch den Tacho ein, um den Fahrer nicht mit irgendwelchen überflüssigen Informationen in den Cockpitanzeigen abzulenken.
Mit dem Einstieg von GM begann der Niedergang von Saab
Das Abebben der technischen Neuerungen fällt wohl nicht zufällig in die Zeit, als der US-Konzern General Motors (GM) das Steuer in Trollhättan übernahm. 1989 stiegen die Amerikaner mit 50 Prozent ein, ab 2000 übernahmen sie Saab komplett. Das erste Modell, das unter GM-Regie entstand, war die zweite Auflage des Saab 900, der 1993 herauskam. Er basierte auf der Bodengruppe des damaligen Opel Vectra und neben den Saab-Vierzylinder-Motoren gab es das Auto auch mit einem V6-Aggregat von Opel. Verkauft wurde diese Motorisierung allerdings kaum.
Schon da deutete sich an, dass die Verantwortlichen bei GM nicht recht verstanden hatten, was die Marke Saab eigentlich ausmacht. Und dass die treue Kundschaft der Marke eben nicht mit Allerweltstechnik abzuspeisen war. Saab-Autos wurden von Enthusiasten gekauft, die genau wussten was sie wollten. Zu glauben, es falle dieser Klientel nicht auf, wenn unter den extravagant geformten Blechen auf einmal Allerwelts-Großserientechnik verbaut wurde, war ein fataler Irrtum.
Die scheinbar unaufhaltsame Talfahrt einer Kult-Marke
Entsprechend entwickelten sich die Absatzzahlen. Beispiel Deutschland: Im Jahr 2005, als ohnehin nur noch unerschütterliche Fans einen Saab kauften, wurden hierzulande noch 5610 Saab-Modelle neu zugelassen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 3797, wie die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg ausweist. Insgesamt setzte Saab im abgelaufenen Jahr weltweit noch rund 93.000 Fahrzeuge ab. Das ist nur halb so viel, wie in der Fabrik in Trollhättan pro Jahr gebaut werden könnten.
Doch dort wird ohnehin nur noch der Saab 9-3 gebaut. Das 9-3 Cabrio entsteht bei Magna-Steyr in Graz, der Nachfolger des jetzt bereits seit zwölf Jahren auf dem Markt befindlichen Saab 9-5, der angeblich auf der IAA im September vorgestellt werden soll, wird mutmaßlich in Rüsselsheim produziert. Aus General-Motors-Sicht ist das sicher sinnvoll, teilt er sich doch wesentliche technische Komponenten mit dem Opel Insigina, der dort ebenfalls gebaut wird.
Ehemalige Saab-Freunde gewinnt man so jedoch nicht zurück.
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Insbesondere die Bedeutung der Brand Core schienen sie nicht zu verstehen: Statt die Saab-Werte in die Moderne zu transponieren verkaufte man scheinbar Opel-Technik verpackt in eine Möchtegern-BMW-Hülle. Dummerweise hatte BMW [...] mehr...
[QUOTE=Kurt Kurzweg;3401321] Mehr Gänge im Schalt- oder Automatik-Getriebe bedeuten, daß der Motor länger im optimalen Drehzahlbereich laufen kann und so weniger Treibstoff verbraucht. Das ist auch der Grund, warum in [...] mehr...
Also, die Schweiz nicht nutzbar für einen PKW mit Heckantrieb? Die Argumentationskette würde ich gern genauer kennen, die diese Einschätzung untermauert. Chauvinismus pur, am Stammtisch machen sich solche Sprüche gut, [...] mehr...
Mein Alptraum: Chinesen übernehmen SAAB. Apple und Harley waren m.W. inhabergeführt ins Unglück und wieder heraus geraten. Grüße [4 Jahre SAAB 99 - saharabeige] mehr...
Vor langer Zeit gab es nur zwei arten von PKW, die mit Heckantrieb und die mit Frontantrieb. Saab hatte damals einen Markt in vielen Orten wo ein PKW mit Heckantrieb nicht nutzbar war. (z.B. Norden der USA, Schweiz usw.) Aber [...] mehr...
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