Mobilitätskonzept Nomo: Radikale Reduktion als Erfolgsrezept

Von Jürgen Pander

Pläne für Öko-Autos gibt es zuhauf, doch so richtig in Fahrt kamen die grünen Wagen bislang nicht. Jetzt glauben zwei Deutsche, dass ihr Projekt Nomo eine neue Perspektive für die individuelle Mobilität eröffnen kann. Anfang 2011 soll der erste Prototyp fahren.

"Die wichtigste Eigenschaft eines wirklich ökologischen Autos ist Erfolg", sagt Arne Timm. Nur dann nämlich könne es konventionelle Fahrzeuge vom Markt verdrängen und so einen positiven Effekt erzielen. Die große Frage ist nur: Wie baut man ein ebenso ökologisches wie erfolgreiches Auto? Timm und sein Geschäftspartner Gordian Gasch glauben, eine Antwort darauf gefunden zu haben. Bislang ist es nur eine Konstruktion auf dem Computer, doch die technische Umsetzung läuft bereits seit einem Jahr und Anfang 2011 soll der erste Prototyp aus eigener Kraft fahren.

Nomo heißt das Mobil, das vorne zwei Räder hat und hinten eins und das ein bisschen aussieht, als sei ein Messerschmitt-Kabinenroller in einen Design-Workshop geraten. Flach, geschwungen und geschmeidig wirkt die Karosserie aus Naturfaser-Verbundstoff. Maximal 300 Kilo soll das Auto wiegen - je nach eingesetztem Motor und je nach Größe, denn geplant sind ein Zwei- und ein Viersitzer.

Die Nomo-Macher, das sind Arne Timm und Gordian Gasch. Timm, 43, studierte in Hamburg Betriebswirtschaft und Werbegrafik, arbeitete als Werber, gründete eine Software-Firma, später ein Unternehmen für batteriegetriebene Spaßfahrzeuge. 2004 siedelte er nach Mallorca über und seit drei Jahren entwickelt er dort, gemeinsam mit dem 46-jährigen Fahrzeugbauer das Zukunftsauto Nomo. "Wir sind bei diesem Projekt viel radikaler als andere", sagt Timm. "Wenn man wirklich was verändern will, also den Wahnsinn beenden will, dass in mehr als eineinhalb Tonnen schweren Autos meist nur ein oder zwei Leute herumkutschieren - dann muss man wohl auch ziemlich radikal vorgehen."

Radikal heißt im Falle des Nomo vor allem auch: radikale Reduktion. Das Auto soll aus weniger als 200 Einzelteilen hergestellt werden; zum Vergleich: moderne Kompaktwagen bestehen aus mehr als 10.000 Einzelteilen. Der Nomo ist leicht, bietet allen nötigen Komfort und ist billig. Zwischen 3500 und 5000 Euro soll ein Modell mit 125-Kubik-Rollermotor am Hinterrad kosten. Zwischen 7000 und 9000 Euro, so die Kalkulation, wird ein zweisitziger Nomo mit einem Elektromotor der Firma Elan aus Berlin samt Solarpanel kosten.

Ein Elektrofahrzeug, das kostenlos betrieben werden kann

Prinzipiell soll der Nomo als Elektrofahrzeug auf den Markt kommen. "Aber um mit einem möglichst billigen Fahrzeug starten zu können und schon am Anfang auf möglichst hohe Stückzahlen zu kommen, damit das Fahrzeug im Straßenbild erscheint", erklärt Timm, werde man den Nomo anfangs auch mit Einzylinder-Benzinern anbieten. "Später lässt sich das Antriebsmodul schnell und unkompliziert gegen den Elektromotor austauschen."

Lithium-Ionen-Batterien sollen eine Reichweite von 90 Kilometern ermöglichen, ein Extra-Batteriepack am Heck des Nomo kann die Distanz verdoppeln. Weil der Energieverbrauch des Nomo so gering sei, reiche ein Solarmodul neben dem heimischen Stellplatz, um den Nomo wieder aufzuladen. Timm: "Man fährt dann praktisch umsonst und muss nur in Ausnahmefällen auf Strom aus der Steckdose zurückgreifen - etwa wenn man auf langen Strecken unterwegs ist."

Ein günstiges Auto ohne allzu viele Abstriche

Doch in erster Linie ist der Nomo konzipiert als günstiges Alltagsmobil für die vielen kurzen Fahrten etwa zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Strand. Timm: "Die Argumentation für ein Auto wie den Nomo läuft primär über das Portemonnaie. Und dann hoffen wir natürlich auf einen Sinneswandel in der Gesellschaft, der ja schon hier und da erkennbar wird." Spätestens wenn "Amsterdam zwei oder dreimal im Jahr überspült wird", so Timm, "müsste auch der Letzte kapiert haben, dass naturschonendes Verhalten kein Luxus ist."

Die Zeit, so sehen es die Nomo-Macher, tickt für ihr Projekt. Bislang stemmten sie die Entwicklung aus eigenen Mitteln, jetzt wird ein Partner gesucht, der zunächst mit 75.000 Euro einsteigt. Für die Prototypen-Phase im nächsten Jahr sind dann weitere 15 bis 20 Millionen Euro veranschlagt, die über Investoren hereingeholt werden sollen.

Ein Monocoque, ähnlich wie in der Formel 1

Vieles Details sind noch unklar, viele Fragen noch offen. Doch die Grundidee hört sich recht überzeugend an. Das Monocoque-Chassis - der Verbundstoff soll aus einem Laminat aus 80 Prozent Hanffaser und 20 Prozent Kohlefaser gefertigt werden - soll ähnlich belastbar und crashresistent sein wie ein Formel-1-Auto. Der Trick mit der Hanffaser-Bauweise ist evident für das Projekt, denn wenn es zur Serienfertigung kommt, soll diese dezentral erfolgen. Und Hanf lässt sich praktisch überall und vor allem auch auf Flächen anbauen, die für Nahrungspflanzen ungeeignet sind.

Sorge, dass die Autoindustrie das Projekt irgendwann entdeckt und sich dann einverleibt, hat Timm nicht. "Die großen Hersteller sind alle Metallverarbeiter. Sie denken in Metall und beherrschen dieses Material aus dem Effeff - sie werden den Nomo erst einmal belächeln." Berührungsängste mit den großen Konzernen gibt es allerdings auch nicht. "Eine Vertriebskooperation irgendwann wäre denkbar. Wir wollen ja nicht neu aufbauen, was es schon gibt und was funktioniert."

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  • Datum: Mittwoch 18.03.2009 | 09:43 Uhr
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