Von Jochen Vorfelder
Auf der Isle of Man, wo seit mehr als hundert Jahren in der ersten Juli-Woche schwere Motorräder dröhnen und sich Fahrer mit Vollgas durch enge Dorfdurchfahrten winden, säuseln bei der diesjährigen Auflage des Klassikers erstmals auch Elektro-Racer. Am 12. Juni findet auf dem traditionellen Mountain-Rundkurs über 60 Kilometer ein Rundenrennen mit streng reglementierten Maschinen statt.
Die wichtigste Regel lautet "non-carbon": Verbrennungsmotoren sind verboten, die Alternativen müssen "emissionsfrei" sein. Azhar Hussain, der clevere Londoner Unternehmer, der den grünen Grand Prix ins Leben gerufen hat: "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Zündkerzen bald der Vergangenheit angehören."
Elektro also, kein Qualm von verbranntem Öl, kein Kreischen von hochgezüchteten Rennaggregaten - zumindest bei dieser E-Wettfahrt. Die traditionellen Rennen der Superbikes und Privatfahrer ziehen sich über eine ganze Rennwoche hin - davor graust vielen Fans und Inselbewohnern.
Insulaner wollen selbst gewinnen
Doch die Veranstalter des mörderischen Spektakels, das jährlich Todesopfer fordert, finden den neuen TTX Grand Prix spannend und zukunftsweisend. "Eine phantastische Verbindung unserer Tradition mit den Herausforderungen neuer Technologien, was will man mehr", sagt John Shimmin, Umweltminister des Eilands zwischen Großbritannien und Irland. Shimmin gibt am 12. Juni nicht nur den Startschuss für den weltweit ersten Rennlauf mit emissionsfreien Rennmaschinen, sondern schickt auch ein eigenes Insel-Team namens ManxTT Racing ins Rennen.
Mit geballten Ambitionen: "Wir machen das nicht nur, weil wir den Planeten retten können. Wir wollen auch gewinnen", sagt Keith McKay, Team-Leiter bei ManxTT Racing.
Die Insulaner stoßen auf harte Konkurrenz von 16 Teams - allesamt mit Elektroantrieb. Vertreten sind Bikes aus Österreich, Italien und Indien, aber auch neun Starter aus den USA. Darunter etablierte E-Firmen und Hersteller wie Mission Motors, Electric Motor Sports, MotoCzysz und Brammo, aber auch Bastler-Teams wie KillaCycle.
Sie messen sich vor allem mit den britischen Teams von EVO Design und den Maschinen, die vom Londoner Imperial College, der Kingston University und der Brunel University ins Rennen geschickt werden.
Mit Laverda und einem technischen Kniff
Gegen die geballte US-Kraft und das wissenschaftliche Know-how der Londoner Unis setzt das XXL-Racing-Team aus Kaufungen in Nordhessen Entschlossenheit und Muskelmasse. Thomas Schönfelder, ein erfahrener Isle-of-Man-Racer, hat zusammen mit einem Elektronikspezialisten und einem Software-Entwickler eine betagte Laverda so umgebaut und mit Akkus bestückt, dass das Schwergewicht seine Höchstgeschwindigkeit "weit über 200 km/h" auf der gesamten Rundendistanz halten könne. Schönfelder zum Konzept: "An den Kraftreserven wird's nicht mangeln. Selbst die Bremsenergie wird in die Batterie zurückgespeist."
Anders der zweite E-Racer, den Gulas mit Fahrer David Madsen-Mygdal an den Start bringt: Er ist im Vergleich zur massiven Laverda von Schönfelder ein schmales Leichtgewicht, und könnte deshalb ein Titelanwärter sein.
Einen "über 16 Kilowatt starken Motor" haben Gulas und sein Team dafür in einen Aprilia-Rennrahmen verbaut und das Gefährt mit einem technischen Kniff noch schneller gemacht. So weit bisher auszumachen, ist die E-Rockit-Aprila der einzige E-Starter mit einem Schaltgetriebe. "Wir sind gut genug, um für eine Überraschung zu sorgen", meint Stefan Gulas.
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