Von Tom Grünweg
Porsche 911, Chevrolet Corvette, Ford Mustang, Jaguar E-Type - im Autoquartett voller rasanter und erfolgreicher Sportwagen hatten japanische Fabrikate lange nichts zu melden. Doch weil die Strategen in Fernost bereits vor mehr als 40 Jahren gut zuhören, zuschauen und analysieren konnten und zudem schnell lernten, nahmen sie das wilde Treiben auf der Überholspur nicht einfach tatenlos hin. Inspiriert vom Erfolg sportlicher Zweisitzer im Rest der Welt zeigte Nissan daher im Herbst 1969 auf der Tokio Motorshow einen Sportwagen, der das Zeug zum Herzensbrecher hatte: den Datsun 240 Z.
Das nur 4,12 Meter kurze Coupé besticht noch heute mit einem leidenschaftlichen Design, für das die Japaner den deutschen Albrecht Graf von Goertz verpflichtet hatten. Der Schüler des legendären Raymond Loewy hatte für BMW den Luxusroadster 507 gezeichnet und nun den Entwurf für ein deutlich erschwinglicheres Coupé abgeliefert, das gezielt mit den Reizen der Rivalen spielte: Die Front des Autos erinnert ein wenig an den Jaguar E-Type, das Heck an den Ford Mustang und die Flanke an manchen Zweitürer aus der Feder von Pininfarina.
Fetter Motor unter einer sehr langen Haube
Dafür sorgte vor allem der 2,4 Liter großen Reihensechszylindermotor unter der endlos langen Haube. Heute lächeln Sportwagenfahrer über die 130 PS, doch weil das Coupé kaum 1000 Kilo wog und noch niemand an Dinge wie Motorelektronik oder Drehzahlbegrenzer dachte, ist der 240 Z giftig und böse, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Selbst nach beinahe 40 Jahren weckt der Oldtimer bei der Ausfahrt von SPIEGEL ONLINE den Kitzel der Rasanz, giert nach Drehzahl und hat so gar nichts von Ruhe eines Rentners.
Im Gegenteil: Als habe man eine zu starke Batterie an den Schrittmacher geklemmt, blüht der Klassiker mit jedem Gasstoß auf und klebt dem aktuellen Modell, das den Namen Nissan 370 Z trägt, wie Flugrost an der Stoßstange. Statistisch gesehen ist der Oldie im Nachteil. Statt 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h wie das aktuelle Modell benötigt der 240 Z 9,1 Sekunden, und während der neue Wagen 250 km/h erreicht, ist beim Oldie bei Tempo 205 finito. Doch auf einer kurvigen Landstraße liegen Junior und Senior nahezu gleichauf. Und dass, obwohl der neue Wagen mit 331 PS fast dreimal so leistungsstark ist.
Auch nach 40 Jahren noch ein eng geschnittener Sportler
Wie wenig die beiden Sportler - außer fast 40 Jahren - tatsächlich trennt, merkt man auch beim Blick in den Innenraum. Natürlich gibt es im 370 Z zahlreiche elektronische Anzeigen, reichlich Lack und Leder und jede Menge elektrischer Helfer, doch nach wie vor ist der Z ein eng geschnittener Sportwagen, der wie angegossen passt und den Fahrer förmlich umschließt. Auch ein Manko teilen beide Modelle, nämlich die große Menge an Plastikoberflächen im Innenraum. Immerhin ist das Lenkrad heute nicht mehr aus Holzimitat.
Nach einer kurzen Pause erfolgte das Z-Comeback
Danach blieb die Marke zunächst Vollgas-Abstinent, rutschte in eine tiefe Finanz- und Sinnkrise und presste vorübergehend nur noch Langeweile ins Blech. Doch die Erinnerung an die Z-Modelle blieb lebendig, und die Forderungen des US-Marktes wurden immer drängender. So zeigte Nissan 1999 auf der Motorshow in Detroit eine Studie, aus der bis 2001 das Modell 350 Z wurde - der Urenkel des ehemaligen 240 Z. In diesem Sommer, zum runden Geburtstag der Baureihe, rollte mit dem Kürzel 370 Z bereits die nächste Generation des Klassikers an den Start.
Wie wichtig der Marke die Ahnenfolge inzwischen wieder ist, zeigen neben der fortlaufenden Nomenklatur einige stilistische Parallelen sowie der sorgfältige Umgang mit dem Erbe. Kurz bevor Nissan zum Comeback der Z-Baureihe blies, wurden in den USA zahlreiche Oldtimer der Baureihe aufgekauft und vom Werk aufgemöbelt - darunter auch das Auto aus dem Fuhrpark der deutschen Firmenzentrale, das SPIEGEL ONLINE beim Generationentreffen jetzt bewegte. Zentrale Erkenntnis: Die Idee des flotten Zweisitzers bleibt anscheinend ewig jung.
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