Autohändler in Not: 55 Autos und zwei Probleme

Von Christoph Scheuermann

Die Abwrackprämie hat die Republik verändert: Deutschland repariert nicht mehr, Deutschland verschrottet. Das haben in den vergangenen Monaten vor allem kleine Gebrauchtwagenhändler und Reparaturbetriebe zu spüren bekommen. Ein Werkstatttermin in Hamburg.

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Auto-Mechaniker: Schwere Zeiten für Gebrauchtwagenhändler

Das einzige, was an Hayati Turan nicht tiefschwarz ist, sind seine Haare. Die werden allmählich grau. Sonst ist an dem Mann fast alles dunkel: die Schuhe, die Hose, das Hemd.

Schwarz ist die beste Farbe für einen Automechaniker, auf schwarz sieht man keine Ölflecken. Hayati Turan tritt aus der Werkstatt auf den Hof, die öligen Hände in den Hosentaschen, er schaut auf BMW, VW, Audi, einen Smart kriegt man bei ihm für 3000 Euro, einen 92er Mercedes mit Alufelgen und DVD-Player für 12.500 Euro. Turan müsste mindestens die Hälfte dieser Wagen verkauft haben - müsste. Er hat 55 Autos und zwei Probleme, alles wegen der Abwrackprämie.

Turan, 49 Jahre alt, ist Geschäftsführer der HTD City Cars GmbH: ein Gebrauchtwagenhändler mit angeschlossener Werkstatt, einer von Tausenden in Deutschland. Vier Hebebühnen, zweimal die Woche TÜV, drei Angestellte und Turans Ehefrau im Büro, das Ganze in der Spaldingstraße, einer Durchgangsstraße in Hamburg.

In Regalen lagern 500 Autoreifen, dazu Luftfilter, Stoßdämpfer, Blinkrelais. Turan muss nur lange genug im Keller in seinem Kram und durch Einzelteile wühlen, dann findet er sogar den Motor eines Cadillac. Hayati Turan ist türkischer Abstammung, er fing in Hamburg an als Taxifahrer, verkaufte später die Taxis und handelt heute mit fast allen Automarken. Er hat sich gut integriert in die deutsche Autohändlerbranche, auf dem Hof warnen Schilder: "Vorsicht!!! Bissiger Hund", obwohl Turan gar keinen bissigen Hund besitzt.

Er sagt: "Am Anfang habe ich Autos verkauft wie ein Weltmeister."

Am Anfang, das waren für Turan die Neunziger. Das Geschäft lief auch letztes Jahr für ihn noch ordentlich. Seit ein paar Monaten sind die guten Zeiten aber vorüber. Viele Kunden, die vorher über den Hof von Hayati Turan geschlendert sind, auf der Suche nach einem billigen Gebrauchten, kaufen einen neuen Wagen, weil ihnen der Staat Geld gibt. Der Staat nimmt Turan die Käufer weg.

Weniger Verkäufe, weniger Reparaturen

Im Durchschnitt wurde er letztes Jahr 15 Autos im Monat los, dieses Jahr waren es nur vier oder fünf im Monat. Er habe schon 120.000 Euro Verlust gemacht, sagt Turan, nur wegen der Abwrackprämie. Den BMW X5 etwa, hinten auf dem Hof, hat er für 16.500 Euro gekauft. Er vergleicht alle paar Tage die Preise von anderen Händlern im Internet und sieht: Die Autos auf dem Hof verlieren Wert. Turan hat den BMW im Mai für 13.900 Euro angeboten. Vor ein paar Tagen hat er ihn runtergesetzt auf 12.000 Euro.

Er lenkt einen zehn Jahre alten Ford-Fiesta auf die Hebebühne, Bremsbeläge tauschen. Eigentlich müsste mehr gemacht werden, aber der Besitzer will den Fiesta nicht mehr lange fahren und dann die Prämie kassieren.

Das ist das zweite Problem von Hayati Turan und seiner kleinen Werkstatt in Hamburg: Es kommen auch weniger Kunden zur Reparatur. Reparieren lohnt sich nicht bei alten Autos. Abwracken bringt mehr Geld.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Verbandes "Deutsches Kraftfahrzeug-Gewerbe" 16 Millionen Autos, die älter sind als neun Jahre. 16 Millionen Kandidaten für die Abwrackprämie. Allerdings reicht das Geld im Abwracktopf nur für zwei Millionen Autos. Es würden also immer noch 14 Millionen Gebrauchte übrigbleiben zum Reparieren für Hayati Turan und die anderen Werkstätten im Land. Der Kfz-Verband sagt auch, die deutschen Werkstätten seien "zufriedenstellend" ausgelastet, trotz Schrottprämie.

Hayati Turan sieht das anders. Seine Hebebühnen heben im Moment nur wenig. Er repariert und verkauft weniger wegen der Abwrackprämie. Turan steht im Hof vor einer Mercedes E-Klasse, Baujahr Nullzwei, für den Wagen hat er 9600 Euro bezahlt. Früher, noch vor wenigen Monaten, wäre das ein gutes Geschäft gewesen, sagt er. "Jetzt ist das nur eine Hoffnung."

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insgesamt 466 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
11.01.2010 von Hovac: osoleszens

Nennt man osoleszens und ist ganz eindeutig in vielen Produkten bewußt einkalkuliert. Bei Druckern und den Patronen kann das jeder einfach selbst erkennen, auch wenn die Hersteller mitlerweile dazu übergegangen sind mehr Geld [...] mehr...

03.11.2009 von malbec freund:

Absturz WEGEN Abwrackprämie. Wäre das nicht die richtige Titulierung der Misere. mehr...

03.11.2009 von Karkur:

In Europa würde der dann so viel kosten, dass der "Deutsche Michel" vorneweg und einige Andere hinterher die Subventionen für den US-Markterfolg zu bezahlen hätten! Darüberhinaus müsste der Billigpassat mit Autos wie [...] mehr...

03.11.2009 von chirin: Absturz trotz Abwrackprämie?

Na, aber das war doch klar! Ein Großteil der Bürger hat sichnun mit sogenannten Neuwagen eingedeckt und dann geht das Geschäft natürlich zurück. Überdies, die Gier der Deutschen ist dumm und grenzenlos. In anderen europäischen [...] mehr...

02.11.2009 von Eberschmidt:

nach meiner Erfahrung werden die Händis extra so produziert, daß sie nach einiger Zeit den Geist aufgeben und man ein neues braucht. *Die Wirtschaft will solche Leute wie uns nicht. *Ich hatte seit 1999 ein formschönes C37 (so [...] mehr...

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  • Datum: Mittwoch 19.08.2009 | 15:27 Uhr
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